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Wildpflanzen als Kochbuch des Monats

Jeder der einen Garten sein eigen nennt, kennt den Giersch oder Geißfuß, ein unermüdlich wachsendes Wiesenkraut. Überall dort, wo man ihn nicht sehen möchte, lässt er sich nieder und ist nur äußerst schwer zu vertreiben. Nun kann der Gärtner aus der Not eine Tugend machen, und das im Staudenbeet oft unerwünschte Kraut einfach als Gemüse oder Kräuterstrauß ansehen. Denn der Giersch ist eine der besten Wildgemüsepflanzen, die neben Provitamin A auch Vitamin C, Mineralsalze, ätherische Öle und pflanzliche Eiweiße enthält. Junge zarte Gierschblätter eignen sich bestens als Salatbeigabe, für Brotaufstriche, Suppen, Kräutersoßen und als Aromageber für Getränke. Ältere Blätter und Stiele sind ziemlich hart und erfordern eine beträchtliche Kauleistung. Früher waren Gierschblätter der Hauptbestandteil der am Gründonnerstag gegessenen Neunkräutersuppe.
Schon unsere Vorfahren sammelten Wildpflanzen um sie zu verzehren, denn das Blattgrün vieler Pflanzen schmeckt hervorragend, die Wurzeln ergeben vielfach pikante Gemüse und die Blüten sind neben bunter Dekoration noch köstliche Leckerbissen. Zudem besitzen viele Wildpflanzen heilende, lindernde, vorbeugende oder ausgleichende Wirkung. Wenigstens seit der Antike interessieren sich die Menschen für Pflanzen am Wegesrand. Neu ist, dass sich auch Hobby- und Sterneköche immer häufiger in Wäldern und auf Wiesen umsehen und Ausschau halten nach essbaren Wildpflanzen, die den besonderen Geschmack versprechen.

Um einen Überblick über genießbare aber auch ungenießbare und sogar giftige Pflanzenarten zu bekommen, lohnt ein Blick ins das Lexikon „Essbare Wildpflanzen Europas“. Die Autorin Dr. Eva-Maria Dreyer ist Biologin und hat sich auf Botanik spezialisiert und in diesem Fachgebiet promoviert. Bisher veröffentlichte sie mehrere Naturführer. Das umfassende Werk über die Bestimmung und Verwendbarkeit von 1500 Wildpflanzen ist daher auch weniger ein Kochbuch als ein umfassendes Nachschlagewerk. Verständlich wird in Kürze alles erklärt, was man über die Pflanzen wissen soll und muss. Wer also draußen eine Pflanze sucht, wird sie hier mit ziemlicher Sicherheit finden. Darüber hinaus machen kreative Rezeptideen Appetit auf Köstliches aus der Natur. Auf zehn Seiten runden 40 Rezepte aus der Wildpflanzenküche für Salate, Suppen, Gemüse, Gebäck, Getränke und Desserts dieses Buch ab. Dennoch wählte das Institut für Koch- und Lebenskunst diese Wildpflanzenenzyklopädie zum „Kochbuch des Monats“. Sie werden überrascht sein, welche Pflanzen man essen kann. Viele schmackhafte Wildkräuter wie Brennnessel, Franzosenkraut, Schafgarbe oder eben der Giersch wachsen ohnehin als sogenannte „Unkräuter“ im Garten. Und ist der eigene Garten groß genug, kann man anstelle der üblichen Ziergewächse eine bunte Hecke aus Weißdorn, Schlehe, Haselnuss, Heckenrose, Vogelbeere oder Holunder anlegen. Das erspart die mühsame Suche nach schadstofffreien Sammelstellen und ist zudem ein Stück praktizierten Naturschutzes. Neue Geschmackserlebnisse und neue Naturerlebnisse sind der Lohn. „Essbare Wildpflanzen Europas“(ISBN 978-3-440-11935-8) ist bei Kosmos erschienen und kostet 49,90 €. Info: http://www.kosmos.de



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