 - Schinken, Schwarzbrot, Bier, Mettwurst: so stellt man sich idealerweise des Westfalen Mahlzeit vor.
Bild: Landschaftsverband Westfalen Lippe
Kurzes Gebet und lange Mettwurst
Nicht das springende Ross gehört aufs Westfalenwappen, eigentlich gebührt dieser Platz dem Schwein. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts trieb der Gemeindehirte die Schweine der westfälischen Dorf- oder Stadtbewohner in die im Gemeinbesitz befindlichen Markenwälder. Dort vergnügten sich die Borstentiere einige Monate an Eicheln, Bucheckern und anderen Köstlichkeiten des Waldes, um nach dieser Zeit wieder ihren Besitzern zugetrieben zu werden. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts änderten sich die Lebensverhältnisse für das Schwein. Es wurde in Einzel- und Dunkelhaft genommen und in einem engen Stall ohne jede Bewegungsfreiheit fett gefüttert. Fast jeder Gartenbesitzer hielt sich im Keller ein Schwein. Vorbei die Zeiten, da es wie die wilden Verwandten durch die würzige Waldluft toben konnte. Wohin diese Art von Schweinehaltung führte, wissen wir: Da der Fleischbedarf nicht nur in Westfalen, sondern weltweit zunahm, kam es zur industriellen Erzeugung von Fleisch, ohne Rücksicht auf die armen Schweine und andere Haustrierrassen, die nun in enger Käfighaltung ein Leben am Fließband fristen.
 - Im Schinkenland wurde und wird an hohen Festtagen und bei großen Familienfeier aufgetragen, dass sich die Tischbeine biegen.
Bild: LWL
Bleiben wir bei den Westfalen und ihrer Küche, diese galt schon bald als die ,,Wurstküche Europas“. Dichter besangen das ,,Vaterland des Schinkens“ und aus der grausamen Zeit des Dreißigjährigen Krieges hören wir Nachrichten vom ,,fettesten Bier und den besten Knackwürsten“. ,,Es geht nix über ein kurzes Gebet und ein langes Stück Mettwürst“, rief man sich über den Zaun zu. Schwarzbrot, Schinken, Wurst und Bier waren und sind die Ingredienzen der Westfälischen Küche. Das ,,Westfälische Abendmahl“ in der Soester Wiesenkirche zeigt uns, dass auch die Kirche zu dieser These ihren Segen gibt. Auf dem Abendmahlstisch brechen Jesus und seine Jünger das Pumpernickel und statt Wein gibt es Bier und der Schweinskopf ist dann die endgültige westfälische Zugabe an die heilige Handlung.
 - Der ,,Westfälische Himmel" hing voller Schinken, wie auf dieser handcolorierten Postkarte zu sehen.
Quelle: LWL
Ist die westfälische Küche nun eine eigenständige Küche? Sie ist Teil der norddeutschen Küche. Das verwundert nicht, denn bis zum Wiener Kongress gehörten Osnabrück, Bentheim, das Emsland und das Oldenburgische Münsterland noch zu Westfalen. Köln als Hauptstadt des Herzogtums Westfalen handelte schon im 12. Jahrhundert auf seinen Wochenmärkten mit Westfälischem Schinken. Aus Dortmund ist seit dem 14. Jahrhundert der Pfefferpotthast (Rezept gibt es bei uns) überliefert. Der Pumpernickel ist eine Soester Erfindung, die Potthucke ein aus dem Sauerland stammendes Kartoffelgericht (Rezept bei uns) und das Münsterländer Wurstebrot, auch Möpkenbroat genannt, bezieht seine Grundzutaten ebenfalls vom Schwein.
 - Schweine gehören auf das westfälische Wappen, denn ohne Schweinefleisch geht so gut wie nichts in der Küche.
Bild: koestlichkeiten.de
Selbst Dicke Bohnen oder andere Gemüse kamen selten ohne Schweinefleisch auf den Tisch. Das war beileibe nicht immer so. Im Mittelalter waren Fleischgerichte für einen Bauern die Seltenheit, oftmals kam er in seinem ganzen Leben nicht dazu, Fleisch zu genießen. Die westfälische Küche darf man eine Kombination von fettig, süß und warm nennen. Und. Die westfälische Küche ist eine Küche des Binnenlandes, Fisch spielte keine große Rolle auf den Speisezetteln. Mit der aus Wengern bei Witten stammenden Henriette Davidis brachte Westfalen eine bedeutende Kochbuchautorin hervor. Aus ihrem ,,Praktischen Kochbuch“ entnehmen wir einige Rezepte westfälischer Spezialitäten. Diese Rezepte in neuerer Form stellte uns der Verein ,,Westfälisch genießen“ zur Verfügung. Wenn Sie wollen, lassen Sie es sich mal ordentlich westfälisch schmecken.
Harald Polenz
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