 - Uta Holz, die Geschäftsführerin des Vereins ,,Südliche Weinstraße" lud zum Sommernachtstraum in die Weinstube ,,Alte Gerberei" in Annweiler.
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Weck, Worscht und Woi - In der ,,Alten Gerberei"
Dort, wo Feigen wachsen, sagt die einschlägige Literatur, befindet sich das Paradies. Wenn das so ist, haben wir es mit der Südlichen Weinstraße gefunden. Hier essen die Menschen gern deftig und fein, hier trinken sie gern in der Region angebauten Wein und sind stolz auf ihr Ländchen am Fuße des Pfälzer Waldes. Wir haben die Südliche Weinstraße besucht, haben geschmeckt, probiert und verkostet. ,,Weck, Wurscht un Woi“ (Brot, Wurst und Wein) beschreibt das Lebensgefühl in diesem Stück Pfalz. In mehreren Teilen wollen wir Ihnen die Südliche Weinstraße nahe bringen, mit Reiseeindrücken, Winzerbesuchen, Weinstraßen-Literatur und jede Menge Rezepten. Heute, im dritten Teil unserer Weinstraßen-Begegnungen geht es um das, was an der Südlichen Weinstraße auf den Tisch kommt. Sie lernen die Michel-Böhlys und ihre Weinstube ,,Zur alten Gerberei“ kennen, unser absoluter Tipp für Ihren Pfalzbesuch. Wir warten mit Saumagen- und Feigenrezepten auf und stellen Ihnen zwei weitere Winzer und ihre Weine vor: Das Weingut Andreas Diehl aus Edesheim und Tina Pfaffmann aus Frankweiler, gut sichbares und anzuschauendes Zeichen dafür, dass in deutschen Weinbergen auch Frauen den Ton angeben und hervorragende, individuelle Weine keltern.
 - Auf dem Marktplatz in Annweiler sprudelt ein Brunnen und darin spiegelt sich sehr oft blauer Himmel.
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Pfälzer Ideale: Essen und Trinken
Burrweiler, Frankweiler, Albersweiler und Birkweiler haben eines gemeinsam: Sie sind allesamt Weinstraßendörfer am Rande der Haardt, der Begrenzung des Pfälzer Waldes nach Osten zum Rhein hin. Die Haardt hält die kalten Winde von den Weinbergen fern und sorgt dafür, dass gerade die Südliche Weinstraße von der Sonne dermaßen verwöhnt wird, dass hier nicht nur die Trauben bestens gedeihen. Dieser kleine Teil der Südlichen Weinstraße schneidet schon das Gebirge ein wenig, während Annweiler nicht gerade mitten drin, aber schon Berg und Tal in beträchtlicher Weise aufzuweisen hat. Das Städtchen, einst Mittelpunkt des Deutschen Reiches unter staufischer Herrschaft, weist alle positiven Attribute der Weinstraßendörfer auf: Enge Gassen, historische Häuser, blühende Gärten und gemütliche Weinstuben. Da wären wir wieder bei den Pfälzer Idealen gelandet, beim Essen und Trinken. ,,Weck, Worscht und Woi“, so umschreiben die Pfälzer ihre Lebensideale und erfassen damit die historischen Grundlagen ihrer Landschaft. Ein Journalistenkollege schrieb. ,,Nähme man heute den Wein und den Tourismus aus dem Leben der Südpfalz, es bliebe so gut wie nichts mehr übrig.“Rustikal und heimatverbunden war die Küche immer in der Pfalz, denn hier regierte die Arme-Leute-Küche. Man nahm das, was auf den Feldern, im Garten, im Wald und im Weinberg wuchs und verarbeitete es. Erst als die Französische Revolution verfolgte Köche des Adels ins Land schwemmte, verfeinerten diese den an sich schon leckeren Bauernschmaus.
 - Die ,,Alte Gerberei" direkt mit ihrer gastronomisch genutzten Außenterrasse an der Queich gelegen, war in alter Zeit wirklich eine Gerberei.
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Zu Gast in der Weinstube
Diese Bandbreite der Gaumenfreuden von Bauernküche bis zum sterneverdächtigen Menü findet der Gast in den Weinstuben. Wobei die Bauernküche nicht schlechter abschneiden muss, als das Menü. An der Südlichen Weinstraße verlor die höchste Stufe der Kochkunst nie den Kontakt zur Basis. Dies alles schmeckten wir in Annweiler, in der ,,Alten Gerberei“, in der die Liebe zum Wein an die Gäste weiter gegeben wird als Begleitung köstlicher Speisen. Und wir trafen, ja so kann man sagen, ,,alte Bekannte“, Sabine Michel-Böhly, die Tochter von Karl und Irmgard Michel, unseren gastfreundlichen Pfälzern aus der ,,Bergterrasse“. Am ersten Abend waren wir hier mit Uta Holz, der Geschäftsführerin des eingetragenen Vereins ,,Südliche Weinstraße“ verabredet. Sie machte uns den Mund wässerig auf diesen mediterranen Teil der Pfalz, mit ihr plauschten wir über urpfälzische Angelegenheiten, über Wein, Saumagen, Lewwer- und Fläschknepp und den Bemühungen ihres Vereins, das alles den Touristen entsprechend zu servieren und auf die Zunge zu legen.
 - Sie kommt aus dem Pfälzer Wald und fließt mitten durch den Ort, die Queich.
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Wie der Canal Grande fließt die Queich durch den Ort
In Plögers ,,Weinstubenbuch“ schreibt die Autorin vom ,,mitsommernächtlichen Traum auf der Außenterrasse am Queichufer“ in der ,,Alten Gerberei“. Die eigentümlich-romantische Stimmung in Annweiler schafft der Fluss Queich, der aus dem Pfälzer Wald kommend mitten durch den Ort fließt wie der Canal Grande durch Venedig. In geschichtlicher Zeit trieb er diverse Wasserräder an, von denen noch drei heute keinen Nutzwert mehr haben, dafür aber Annweiler ein besonderes Gepräge geben. Mit den aus Frankreich flüchtenden Hugenotten kamen viele Gerber ins Städtchen, die die Wasserkraft für ihr Handwerk benötigten. Auch der Urgroßvater von Sabine Michel-Böhly betrieb seine Gerberei in dem Haus, in dem heute Genussmenschen verwöhnt werden und aus diesem Grund heißt die Weinstube auch ,,Alte Gerberei“.
 - Saumagen, Flammenkuchen, Wurst, Lewwer-Knäpp kamen auf den Tisch und das Pfalzgefühl stellte sich ein
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Händisch belegter Flammenkuchen
So sitzen wir denn auf der Terrasse an der Queich unter einer Esche und lassen uns von Sabine Michel-Böhly und ihrem Mann Bernhard mit Saumagen, Lewwerknepp (Leberknödel), Wurst, Kraut und Wein verwöhnen. Während Sabine für die fein zubereiteten handfesten Dinge zuständig ist, empiehlt uns Gatte Bernhard Rieslinge und Weißburgunder von der nahen Weinstraße. Das feine Säurespiel des Riesling zauberte Winzer Meßmer aus Burrweiler zum Saumagen, den vollmundig-fruchtigen Weißburgunder das Weingut Lidy aus Frankweiler. Die Höhepunkte der kommenden Abende setzten wiederum die Michel-Böhlys mit händisch belegtem Flammenkuchen, den ich so dünn und so dauerhaft knusprig noch nie gegessen habe. Dazu gab es eine Flasche Weißburgunder und von der Köchin obendrauf ein Dessert aus Eis an frischen Erdbeeren. Nach dem Dienst verschwand Sabine Michel-Böhly mit ihren Kindern in der Nacht (es waren Ferien), um Glühwürmchen anzuschauen, auf der Wiese vor der Friedenskapelle. Aber, das hatten wir schon an anderer Stelle . . . Wer nach Annweiler kommt und die Weinstube ,,Alte Gerberei“ verpasst, der sollte zur Strafe zweimal auf den Trifels und zurück laufen.
http://www.gerberei.de
http://www.suedlicheweistrasse.de
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