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Weinstraßen Begegnungen (IV. Teil)

Die Villa Ludwigshöhe über Edesheim war Refugium des Bayernkönigs und dient heute als Ausstellungsraum, der gediegen in den Weinbergen liegt.
Bild: Südl. Weinstraße

Vom Römern und Winzern:
Romantik an der südlichen Weinstraße


Dort, wo Feigen wachsen, sagt die einschlägige Literatur, befindet sich das Paradies. Wenn das so ist, haben wir es mit der Südlichen Weinstraße gefunden. Hier essen die Menschen gern deftig und fein, hier trinken sie gern in der Region angebauten Wein und sind stolz auf ihr Ländchen am Fuße des Pfälzer Waldes. Wir haben die Südliche Weinstraße besucht, haben geschmeckt, probiert und verkostet. ,,Weck, Wurscht un Woi“ (Brot, Wurst und Wein) beschreibt das Lebensgefühl in diesem Stück Pfalz. In mehreren Teilen wollen wir Ihnen die Südliche Weinstraße nahe bringen, mit Reiseeindrücken, Winzerbesuchen, Weinstraßen-Literatur und jede Menge Rezepten. Hier nun der vierte und letzte Teil unserer Weinstraßenbegegnungen. Wir fahren entlang der Route, die mit der Traube gekennzeichnet ist, besuchen den Winzer Markus Schneider in Ellerstadt und die römische Kelter in Ungstein. Natürlich gibt es Rezepte, denn wer die Südliche Weinstraße besucht, will sie auf der Zunge behalten. Mit der vierten Folge der Weinstraßen-Begegnungen verebbt unsere Interesse an dieser wunderschönen und leckeren Region nicht.

,,Es ist immer die Rede von der Toscana Deutschlands. Aber, wir sind hier in der Pfalz und haben u n s e r e Eigenheiten“, erklärt mir Furore-Winzer Markus Schneider aus Ellerstadt bei durchaus stattlichen toscanischen Temperaturen. Zugegeben, Ellerstadt liegt nicht mehr an der ,,Südlichen Weinstraße“, sondern ein klein wenig nördlich davon. Schneiders Weingut ist Ziel unserer Tagestour, die uns aus der Fürsorge der Familie Michel von der Pension Bergterrasse in Annweiler hierher geführt hat. Um die Pfälzer Eigenheiten, die typischen Merkmale der Landschaft kennen zu lernen, schauen wir einen kleinen Blick über die Grenzen der ,,Südlichen Weinstraße“ hinaus.

Prächtiger Feigenbaum vor der römischen Kelter in Ungstein.
Bild. koestlichkeiten.de

Armdicke Feigen vor der römischen Kelter

Schon in Annweiler sind sie mir aufgefallen, die knorrigen Sträucher mit dem armdicken Ästen, die oftmals vor dem Haus des roten und schwarzen Fachwerks Zier bilden. Es sind Feigen, eigentlich am Mittelmeer zu Haus, denen man in der Pfalz Asyl gewährt hat. Botaniker schätzen etwa 50.000 Exemplare zwischen Speyer und Neustadt, zwischen Bad Bergzabern und Frankenthal. Die gesamte Ernte der köstlichen Früchte darf auf 80.000 Kilo geschätzt werden. Erst recht fällt mir der Feigenbaum in Ungstein am römischen Weingut Weilberg ins Auge.
Oben in den Weinbergen des malerischen Weindorfes Ungstein entdeckten die Winzer bei der Flurbereinigung die Überreste eines römischen Weingutes aus dem 2. Jahrhundert. Der erhaltene Teil des Porticus gibt den Rahmen ab für die Weinlandschaft zu Füßen. Die Neben- und Hauptgebäude des Weingutes sind von den Ausgräbern ihrer Nutzung zugewiesen. Über die gemauerten Kelterbecken errichteten sie einen Schutzbau, der von Touristen genutzt wird. Als wir ankommen, parkt der Winzer-Express Pfalz (http://winzerexpress-pfalz.de) in den Gemäuern. Drinnen singt ein Barde volkstümliche Lieder und sein Begleiter sieht uns schwitzen. Er bringt Wasser, bietet Wein und Käsehäppchen an. Der Pfälzer ist gastfreundlich, zum wiederholten Male wird der Beweis erbracht.

Die römische Kelter in den Weinbergen bei Ungstein zeigt eindrücklich die römische Herkunft des Weinbaues in der Pfalz.
Bild: koestlichkeiten.de

Römer und modernes Weingut

Um Ungstein und Bad Dürkheim herum gibt es einiges aus der römischen Vergangenheit der Pfalz zu bestaunen. Eine kleine Befestigungstation unten im Dorf, ein römischer Steinbruch in der Nähe und dann direkt an der Umgehungsstraße von Bad Dürkheim ein großes römisches Landgut mit Bad, Fußbodenheizung und wassergespülter Toilette. Die Römer schenkten den Pfälzern den Wein, die Keschde, die Feigen und die Lebensart.
Man stelle sich den dunkelhaarigen Winzer Markus Schneider in einer Toga vor, die fernen römischen Vorfahren ließen sich denken. Sein von Säulenbuchen umstandenes modernen Weingut ist die Fortsetzung der Tradition mit modernen Mitteln. Er steht ganz oben auf den Hitlisten der deutschen Rotweinwinzer und keltert vom Ellerstadter Kirchenstück einen Riesling, der seinesgleichen im Rheingau und an der Mosel sucht.

Modern und lesitungsstark, das moderne Weingut von Marku Schneider in Ellerstadt.
Bild: koestlichkeiten.de
Wo heiß über Freiheit diskutiert wird, muss auch geraucht werden. Tabak wird an der südlichen WEinstraße bei Herxheim angebaut.
Bild: Südl. Weinstraße

,,Hoch leben die deutschen Brüder"

Wir folgen auf der Rückfahrt von Ellerstadt dem Band der Haardt, das sich märchenhaft im Dunst auftürmt und uns die Richtung vorgibt. Nationale ,,Heiligtümer“ liegen am Weg, das Schloss Hambach, die Wiege der deutschen Demokratie. Um Verbote der damals bayerischen Obrigkeit zu umgehen, deklarierten die ,,Demonstranten“ im Mai 1832 ihren Marsch zum Schloss als Fest und forderten vehement u. a. die Gleichberechtigung der Frau. Vor allem Publizisten standen in der ersten Reihe, denn der bayerische Staat zensierte die Presse. Der Pfälzer Philipp Jakob Siebenpfeiffer rief in seiner Rede den rund 30.000 Teilnehmern des Hambacher Festes zu: „Deutsche Frauen und Jungfrauen, deren politische Mißachtung in der europäischen Ordnung ein Fehler und ein Flecken ist, schmücket und belebet die Versammlung durch eure Gegenwart!“ Es lebe das freie, das einige Deutschland! Hoch leben die Polen, der Deutschen Verbündete! Hoch leben die Franken, der Deutschen Brüder, die unsere Nationalität und unsere Selbständigkeit achten! Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland - Volkshoheit - Völkerbund hoch!“ Sie waren keineswegs weinselig, die Verfechter demokratischer Iden; vielleicht als der offizielle Teil beendet war, wer sagt denn, dass Demokratie keinen Spaß machen darf.

Romantik pur im Dorf Rhodt unter Rietberg.
Bild: Südl. Weinstraße

Weindorfromantik

Manchmal zwingen uns Baustellen, die Weinstraße zu verlassen und dann ist es schwierig, das Zeichen der Traube wiederzufinden. Doch es gelingt: Die Dörfer Maikammer, Edenkoben, Edesheim und Rhodt unter Rietberg treiben einen Wettbewerb um das schönste Fachwerk, die verschlungenste Gasse mit buntem Gerank und die schönste Toreinfassung aus Sandstein. Eines ist schöner als das andere, alle besitzen den Charme jener Orte, die Vergangenes gekonnt in die Gegenwart gerettet haben. Allein Rhodt unter Rietberg weis 80 Prozent seiner Häuser unter Denkmalschutz. Wer genau hinschaut, erkennt es schon an den Dachlandschaften, an den historischen Schindeln und den neuen, die auf die nächsten Jahrhunderte warten.

Die ganze Pfalz im Glas Wein. Probieren Sie Weine der von uns empfohlenen Winzer.
Bild: Südl. Weinstraße

Erde - Mensch -Wein

Zwischen all der Dorf- und Burgenromantik die gekämmte Landschaft der Weinberge, zuerst noch auf den manchmal steilen, dann aber mehr und mehr sanften Hügeln des zur Rheinebene abfallenden Pfälzerwaldes. In Burrweiler, direkt an der Weinstraße, will der postmoderne Bau einer Vinothek so recht in die Fachwerkseligkeit passen. Seine strengen Formen, seine erdige Farbe, inmitten historischen Bauten erscheint keineswegs abweisend. Drinnen gibt es kleine Köstlichkeiten und gutes aus dem eigenen Weinberg.
Wie anders das Bild in Birkweiler. Hier meint man die Hefen um die reifen Trauben spielen zu sehen. Seit vielen Generationen wirkt hier die Winzerfamilie Scholler. Das Tor halbrundrund und mit Buntsandstein gefasst, der Blick aus dem Hof auf die nahe gelegenen Weinberge Keschdebusch (Kastanienbusch), Mandelberg und Rosenberg. Seit mehr als 100 Jahre keltern die Schollers an diesem Ort Wein. Der jetzige Winzer auf dem Hof, Helmut Scholler, spricht keinesfalls von Terroir, jenem in Mode gekommenen Wort. Nein, Helmut Scholler nennt das ,,Erde – Mensch – Wein“. Die Erde, in der der Rebstock wächst, der Mensch, der den Rebstock pflegt und schließlich mit seiner Kelterkunst daraus einen guten Wein macht. Bei den Scholler werden Sie immer gut bedient, der blitzsaubere Wein schmeckt hervorragend und das Preis-Leistungsverhältnis ist absolut in Ordnung.
Da kann man nur sagen: Zum Wohle. Die Pfalz!

Die Winzer unserer Reise:

T wie toll. T wie Tina. Kontakt: http://www.wein-pfaffmann.de oder Weingut Rolf und Tina Pfaffmann, Am Stahlbühl, 76833 Frankweiler. Tel. 06345 1364


Info: http://www.diehl-weine.de.

 

 http://www.weingut-scholler.de.

oder per Tel. 06345 3529 oder direkt am Weingut Scholler, Alte Kirchstraße 7, 76831 Birkweiler.

 

 

Markus Schneider ist in 67158 Ellerstadt/Pfalz, Am hohen Weg 1 zu finden oder unter: Tel.: 06237 7288 oder http://www.black-print.net

 

Mehr Infos zur Südlichen Weinstraße:

http://www.suedlicheweinstrasse.de

 



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