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Weinstraßen Begegnungen (II. Teil)

Die Staufer machten den Trifels über Annweiler zum Mittelpunkt des Reiches.
Bild: koestlichkeiten.de

Der Pfälzer Wald und die dienstbaren Geister von der ,,Bergterrasse“

Dort, wo Feigen wachsen, sagt die einschlägige Literatur, befindet sich das Paradies. Wenn das so ist, haben wir es mit der Südlichen Weinstraße gefunden. Hier essen die Menschen gern deftig und fein, hier trinken sie gern in der Region angebauten Wein und sind stolz auf ihr Ländchen am Fuße des Pfälzer Waldes. Wir haben die Südliche Weinstraße besucht, haben geschmeckt, probiert und verkostet. ,,Weck, Wurscht un Woi“ (Brot, Wurst und Wein) beschreibt das Lebensgefühl in diesem Stück Pfalz. In mehreren Teilen wollen wir Ihnen die Südliche Weinstraße nahe bringen, mit Reiseeindrücken, Winzerbesuchen, Weinstraßen-Literatur und jede Menge Rezepten. Heute lernen wir gastfreundliche Pfälzer kennen, steigen auf den Trifels, besuchen die merkwürdigen Felsen im Dahner Land. Außerdem besuchen wir den Doktorenhof und stellen Rezepte vor. Im Winzerporträt empfehlen wir die Weine vom Weingut Scholler in Birkweiler.

Karl und Irmgard Michel mit ihrer Tochter Sabine und ihrem Schwiegersohn Bernhard.

Nicht fromm, nur ein wenig . . .

Die beiden sind mitten in den Siebzigern, aber jeden morgen früh auf den Beinen. Wer rastet, rostet! Karl und Irmgard Michel – Inhaber der Pension ,,Bergterrasse“ - und der Rest der Familie, die wir noch im Haus und in der Annweiler Gastronomie kennen lernen werden, sind die Gastfreundlichkeit in Person. Sie sind eben Pfälzer, unaufdringlich freundlich, immer zu einem Schwätzchen bereit über Wetter, Essen, Wein und die Arbeit. Karl und Irmgard Michel haben auf der Wiese hinter dem Haus 2009 eine Friedenkapelle gebaut, ein kleines ökumenisches Kirchlein als Ort der Besinnung. Als ob es nicht Orte der Besinnung genug gäbe im ebenfalls gleich hinter dem Haus ansteigenden Pfälzer Wald? Warum baut man neben das Hotel eine Kirche?

Nun, Karl Michel begründet das so: Er sei nicht fromm, nur ein wenig. Aus Dankbarkeit für viel Glück im Leben schuf er mit der Kapelle einen Ort der Ruhe Also, Karl Michel läuft nicht ständig gebückt umher, sondern strahlt die pure Lebensfreude aus. Dazu hat er guten Grund als Bewohner eines Ländchens, in dem Feigen, Maronen, Pfirsiche, Kiwis und eben Wein gedeihen. Da kann man schon auf die Idee kommen, eine Friedenskirche als Ort der Ruhezu bauen, die er nicht nur für sich und seine Familie öffnet, sondern für jedermann. Wenn es einen Orden für Gastfreundschaft geben würde, die Michels hätten ihn allemal verdient.

Unwirklich ragt der Asselstein aus dem Dämmergrün des Pfälzer Waldes.
Bild: koestlichkeiten.de

Bizarre Felsen ragen aus den Baumwipfeln

Vielleicht haben darum die Staufer ihre Reichsinsignien oberhalb Michels Pension Bergterrasse, auf dem weltberühmten Trifels, aufbewahrt. Schon beim Aufstehen schauen wir auf die Burg, auf der einst Richard Löwenherz einige Tagen schmachten musste. Das müssen wir nicht, denn wer in der Bergterrasse wohnt, wird umsorgt und bestens versorgt. Nach üppigem Frühstück geht es direkt  vom Haus los ins Gebirge. Unter blühenden Edelkastanien, in Mundart ,,Keschde“ gesprochen, die hier in der Haardt in waldstärke auftreten und das Gebirge weißhaarig erscheinen lassen, wollen wir zum Asselstein. Das ist einer von zahlreichen Buntsandsteinfelsen, die die Kraft der Erosion im Laufe von Jahrmillionen geformt und stehen gelassen hat. Bizarr ragen sie aus den Wipfeln heraus, wirken ein wenig unwirklich und erinnern an die merkwürdigen Felsen im amerikanischen Utah. Der mächtige Stein, eben noch gut sichtbar über den Anhöhen des Pfälzer Waldes, ist mitten im tiefen Forst nicht mehr auszumachen. Wir erreichen die Kletterhütte, schauen uns um und durch eine schmale Schneise inmitten des wuchernden Grünzeugs steht er. Der Eindruck fährt mir in den Magen: wie ein vom Himmel gefallener riesiger Meteorit will er mir erscheinen.

Die Hitze sorgte für Bewegung unter den Zauneidechsen.
Bild: koestlichkeiten.de

Wie ein aus dem Himmel gefallener Meteorit

Vielleicht haben darum die Staufer ihre Reichsinsignien oberhalb Michels Pension Bergterrasse, auf dem weltberühmten Trifels, aufbewahrt. Schon beim Aufstehen schauen wir auf die Burg, auf der einst Richard Löwenherz einige Tagen schmachten musste. Das müssen wir nicht, denn wer in der Bergterrasse wohnt, wird umsorgt und bestens versorgt. Nach üppigem Frühstück geht es direkt  vom Haus los ins Gebirge. Unter blühenden Edelkastanien, in Mundart ,,Keschde“ gesprochen, die hier in der Haardt in waldstärke auftreten und das Gebirge weißhaarig erscheinen lassen, wollen wir zum Asselstein. Das ist einer von zahlreichen Buntsandsteinfelsen, die die Kraft der Erosion im Laufe von Jahrmillionen geformt und stehen gelassen hat. Bizarr ragen sie aus den Wipfeln heraus, wirken ein wenig unwirklich und erinnern an die merkwürdigen Felsen im amerikanischen Utah. Der mächtige Stein, eben noch gut sichtbar über den Anhöhen des Pfälzer Waldes, ist mitten im tiefen Forst nicht mehr auszumachen. Wir erreichen die Kletterhütte, schauen uns um und durch eine schmale Schneise inmitten des wuchernden Grünzeugs steht er. Der Eindruck fährt mir in den Magen: wie ein vom Himmel gefallener riesiger Meteorit will er mir erscheinen.

Auf diesen Felsen bauten die Staufer ihre Burg Trifels.
Bild: koestlichkeiten.de

Am Fuße des Asselsteins, der sich vor gut 250 Millionen Jahren in der untersten Trias während eines heißen, wüstenähnlichen Klimas bildete, schauen wir den Zauneidechsen zu. Heute scheint es, als strahle die Hitze der Trias aus der Erdgeschichte in die Gegenwart. Bei Temperaturen über 30 Grad sind die kleinen Echsen äußerst wendig. Ohne Michels gutes Frühstück wären wir auf diesen Berg gar nicht raufgekommen. Jetzt noch den Trifels! Beeindruckend die rotgefärbte Klippe, auf der die ehemalige Reichsburg thront, beeindruckend ebenfalls der Ausblick über die Kuppen und sanften Wiesentäler des Pfälzer Waldes. Heinrich VI. brach vom Trifels auf nach Italien und eroberte Sizilien. Zuvor setzten die Staufer hier den englischen König Richard Löwenherz fest und pressten ihm ein achtbares Lösegeld ab. Statt es in Pfälzer Wein umzusetzen, finanzierten sie damit einen Kreuzzug. Die spinnen doch, die Römer, pardon, die Staufer natürlich. Hier in des Waldes Einsamkeit verwahrten die Staufer die Reichskleinodien, die in Nachbildung auf dem Trifels zu besichtigen sind.

Von fast allen Plätzen der Pension Bergterrasse hat man den Trifels im Blick.

Wir fahren noch ins Dahner Land, weitere hochhausgroße Buntsandsteinformationen anzusehen. Braut und Bräutigam klotzen über den Höhen, der Juffernsprung ziert sich mit einem Kreuz. Und der Pferdefüßige hat sich einen Tisch gebaut, der mich – ehrlich gesagt – an ein monumentales Sandwich erinnert. Zurück in die Geborgenheit der Bergterrasse. In der Nacht kommt Tochter Sabine Michel mit ihren Kindern auf die Wiese vor der Friedenkapelle, Johanniswürmchen anzuschauen, die wie Irrlichter durch das Dunkel geistern. Sabine Michel heißt mit Doppelnamen Michel-Böhly und bewirtschaftet mit ihrem Mann unten in Annweiler die Weinstube ,,Alte Gerberei“. Hier serviert sie Spezialitäten und hervorragende Weine aus der Region.

Harald Polenz

http://www.pension-bergterrasse.de

 

Von der Pension Bergterrasse blickt der Gast über das alte Städtchen Annweiler am Fuß des Pfälzer Waldes.
Bild: koestlichkeiten.de


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