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Zusammenspiel von Erde, Flora, Fauna und Mensch

Berühmtes Weinbaupaar in Österreich: Daniela Vigne und Toni Soellner.
Bilder. Weingut Soellner

Das Weingut Soellner im Wagram

Gösing liegt auf einer Hochfläche nördlich des Wagram. Der Wagram ist eine 40 Meter hohe, oft sonnenbeschienen Flußterrasse nördlich der Donau. Wegen der steilen Hänge sowie seiner Kleinräumigkeit ist er zwar für den Tourismus interessant, für den Weinbau aber nur schwer zu bearbeiten.
Mit Wagram benennt man auch das Weinbaugebiet, das erst kürzlich von Donauland in Wagram umbenannt wurde und aus zwei vom Fluss getrennten und sehr unterschiedlichen Bereichen besteht. Nördlich und entlang der Donau erstreckt sich der größte Teil des Gebietes, der auch für Qualitätsstreben in Sachen Wein steht. Alle Wagramgemeinden siedeln auf altem Kulturboden und sind geprägt vom Streben um Erhalt sowie Weiterentwicklung ihrer Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen. Die Winzer übernahmen hier schon früher als anderswo eine so genannte Vorreiterrolle in Sachen naturnahem, biologischem Weinbau, verzichteten auf künstliche Düngung oder Schädlingsbekämpfung. Viel mehr setzten sie auf Nützlings- und Umweltschonung und erhielt dafür bereits vor zwanzig Jahren den niederösterreichischen Umweltpreis.
Auch Toni Söllner und Daniela Vigne gehören zu den Menschen, die im harmonischen Zusammenspiel von Erde, Flora, Fauna, Mensch und Kosmos nach Erhalt und Verbesserungen im bio-logischen Landbau streben. Seit 15 Jahren bewirtschaftet das Paar in Gösing 15 Hektar Weinberge, 30 Hektar Ackerland, 6 Hektar Wald und 1 Hektar Obstgärten nach strengen ökologischen Grundsätzen.

Die Schafe liefern hervorragenden Weinbergsdünger.

Toni Söllner und Daniela Vigne sehen sich nicht nur als Winzer, sondern eher als Landwirte in einer Lebensgemeinschaft mit Tieren und Pflanzen. Für robuste Krainer Steinschafe, Ziegen und Pferde wird Getreide und Gras angebaut, das wiederum durch die Tiere zu Weinbergsdünger „veredelt“ wird. Vor Austrieb der Reben und nach der Lese fressen und verdauen die Schafe zwischen den Rebstockreihen der wunderschönen Terrassenlandschaft. Denn der Boden liefert dem Wein unverwechselbar konstante Geschmacksinformation. Und dieser Boden soll so natürlich wie möglich gesund erhalten werden. Gesund für ein lebendiges Weinerlebnis durch gelungenes Zusammenspiel von Boden, Lage, Sorte, Wetter und Winzerhandwerk.
Die Hauptsorte des Wagram und somit auch des Bioweinguts Soellner ist der Grüne Veltliner, gefolgt von Riesling, Welschriesling, Rotem Veltliner, Blauem Zweigelt und St. Laurent.
Soellner Gruener Veltliner Wogenrain 2010 ist ein einnehmend freundlicher und leichter Trinktropfen mit frisch fruchtigen Aromen. Angenehm mildwürziger Apfel-Birnen-Eindruck, frische Säure und passable Länge harmonieren charaktervoll mit leichter Sommerküche sowie allen unkomplizierten Anlässen des Lebens. Wogenrain ist die mittelhochdeutsche Bezeichnung für Wagram, denn dieser Wein stammt von reifen und vorsichtig gepressten Trauben der verschiedensten Stöcke rund um Gösing.

Der Barriques-Keller des Weingutes.

Riesling Vogelthen 2010 erwächst aus tief wurzelnden Stöcken in hohen Lagen auf sandigem Löss. Äpfel, Zitronen und frisches Gras beleben die Nase, dem Gaumen gewährt er flüchtigen Eindruck eines halbschattigen Steingartens mit nickenden und duftenden Maiglöckchen und Veilchen. Ein säurefrischer, duftiger und leichter Trinkspaß der einladenden Art.
Grüner Veltliner 2010 Hengstberg stammt vom „höchsten“ Berg des Wagram und duftet leicht hefig nach Apfelkuchen, Birnen und Kräutern. Beim ersten Schluck gibt er sich spröde, erweist sich aber beim zweiten Schmecken als lebendig und schmackhaft. Gewürze, Pfeffer, salzige Erde, aromatische Fruchtigkeit, guter Biss und erstaunlicher Elan am Gaumen überzeugen voll. Die Trauben für den Veltliner Hengstberg reifen in fast 400 Seehöhenmetern auf Muschelkalk und ihr Most wird in Steingutbehältern und Stahltanks vergoren. Zwei monatiger Verbleib auf den wilden Hefen statten ihn mit Eigenständigkeit aus.
Grüner Veltliner 2010 Fumberg entsteht aus den schönsten und reifsten Trauben von mindestens 20 Jahre alten und auf gelbem Löß wurzelnden Pflanzen. Er kommt grün-gelb und unbeirrbar duftig mit Aromen von Äpfeln und Birnen daher. Im großen Holzfass reifte er zu einem hervorstechend vielschichtigen und sensiblen Veltliner heran. Fast blumig, mit lebendiger Frucht und langer Würze ist er ein beeindruckendes Geschmacksfarbenpaket.

Teile des Weins reifen in diesen alten Steinzeug-Tanks.

Roter Veltliner Sonnenseit`n 2010 könnte eine Weinentdeckung für Neugierige werden. Diese seltene „Ur-Sorte“ Niederösterreichs ist dazu angetan, Neugierige anzustacheln und gleichzeitig zufriedenzustellen. Roter Veltliner ist eine eigenständige weiße Traubensorte und keinesfalls mit dem grünen Namensvetter verwandt. Den Namen bekam sie wegen der rötlichen Färbung ihrer Traubenschale während fortschreitender Reife. Roter Veltliner gilt als heikle Sorte, ist aber immer eine Spezialität und Rarität zugleich. Der Most der aromatischen Trauben vergärt im Edelstahltank und bleibt dann bis zum Frühjahr des der Lese folgenden Jahres im großen Holzfass auf der Hefe um direkt abgefüllt zu werden. Dieser Wein ist ein bio-dynamisch agiler Charakter von sowohl vielschichtiger wie auch subtiler Art. Ein unlegierter Tropfen von leichter Struktur doch mit lebhaftem Funkeln.

Weingartenzeile des Weingutes Soellner.

Oibelos 2008, eine Cuvée aus Blauer Zweigelt und St. Laurent, schmückt sich schon im keltischen Namen mit der Sonnenseite. Für das Paar Söllner/Vigne ist die Kultivierung roter Sorten auf Ton und Sand ein futuristisches Experiment. Lediglich 2 Hektar Fläche sind bisher bepflanzt. Nur vollreife Beeren werden von Hand gelesen, in Bottichen vergoren und die Schalen mehrmals täglich untergetaucht. Alle Inhaltsstoffe sollen ausgelöst werden. 18 Monate reift der Oibelos in Eichenfässern seiner beeindruckenden Reife entgegen. Hell rubinrot erscheint er augenfällig als Leichtgewicht um dann mit beeriger Intensität von Kirschen, Brombeeren, Cassis, Pflaume und einem Hauch Rauch aufzutreten. Oibelos tritt als kraftvoll harmonischer Wein ohne Schwere auf. Die Leichtigkeit gelingt ihm durch filigranes Säurespiel. Oibelos beweist, dass bio-logisch erzeugter Wein das Ergebnis richtigen Denkens und Folgerns ist. Wein mit Seele und Verstand. Und mit höchster Sorgfalt hergestellt. So auch die Destillate aus den Früchten der Gärten rund um Gösing. Aus Weinbergpfirsich und Co werden diverse Feinbrände. Auch aus diesen Flaschen strömt der Duft der Erde, verwandelt sich Obst in Geist. Und das ist keine Magie, das ist Überzeugung durch Geschmack.
Mehr Information:
http://www.weingut-soellner.at

 



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