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Kleinstes Weingut: Jut jemaat!

Mit Humor und Können keltert Stefan Kurt tolle Rotweine.

Wie im Märchen könnte man beginnen mit „Es war einmal ein kleines Weingut in einer wunderschönen Landschaft mit viel Sonnenschein, einem Fluss und süßen Früchten. Auf diesem Weingut lebten Menschen, die gerne aßen, tranken und Spaß an ihrer Arbeit fanden.“
Märchen ade und zurück zur Realität, die durchaus ein wenig märchenhaft scheint. Denn in der realen Welt mag man an ein Weingut mit Weinbergen von der Größe eines halben Fußballfeldes kaum glauben. In der Weinwelt jedoch, und das ist kein Märchen, macht dieser „Kleinunternehmer in Sachen Wein“ gerade richtig von sich reden.
Das kleine Weingut von Stefan und Thomas Kurth liegt in wildromantischer vom Wasser der Ahr tief eingegrabener Landschaft mit schluchtartigem Charakter und steilen, meist nach Süden ausgerichteten Schieferhängen unmittelbar am Stadtkern von Ahrweiler.

Weinberge im schmalen Tal der Ahr.

Hier an der Ahr wird Weinbau mit gewissem Eigensinn betrieben, denn die Böden wären ideal für Riesling. Aber die Winzer zwischen Koblenz und Bonn, nördlich des 50. Breitengrades, verkehren generell einige Weinregeln und bauen Rotweintrauben an und erzeugen gute bis große Weine. Auf Schiefer, Grauwacke und Vulkangestein gedeihen Burgundersorten aller bestens. Nun ist das Ahrtal ein kleines Weinbaugebiet, aber die größte geschlossene Fläche für Rotwein. Und es hat sich der Qualität statt der Quantität verschrieben und erzeugt höchst bemerkenswerte Rotweine.

Stefan Kurt ,,vergrößert" im kommenden Jahr auf einen Hektar.

Mit dem Jahrgang 2007 starteten die Brüder Thomas und Stefan Kurth als Weingutsbesitzer. Stefan Kurth, Jahrgang 1970, mit Ausbildung an staatlicher Weinbaudomäne und Arbeit bei renommierten Gütern, „macht“ seit mehr als 20 Jahren Wein. Und er ist der Mann mit dem Instinkt für das Potential der Trauben, Bruder Thomas mehr der Geschäftsmann. In Nebenerwerb bearbeitet Stefan Kurth mit Hilfe der Familie die Weinberge des Bruders, und er will Spitzenklasse erreichen. Und das nicht unbedingt von Spitzenlagen. Die Rebflächen teilen sich in 70 Prozent Spätburgunder, 20 Prozent Frühburgunder und 10 Prozent Weißburgunder auf. Merian schrieb über den „Garagenwinzer“, weil seine Weine in fremden Kellern lagern, dass der sich vorstellen kann, einen „Strunzwein“ zu keltern. Die Weine werden hauptsächlich trocken ausgebaut, es gibt aber immer mal wieder einen halbtrockenen Wein im Programm. Weißherbste und Blanc de Noir runden das Spät- und Frühburgunder Sortiment ab. Der Jahrgang 2010 wird auch einen Weißburgunder beinhalten, vergrößert sich das kleine Weingut doch auf einen ganzen Hektar. Gut Ding will eben Weile haben, alles muss langsam wachsen, wenn es gut werden soll. Hier gelten Entschleunigungsregeln. Der Durchschnittsertrag liegt derzeit bei 60hl/ha.

Und gut geworden sind die Weine bisher in jedem Fall. 2009 Pross Jupp, ein Frühburgunder vom Bachemer Karlskopf leuchtet dunkelrot. Ungestüm wuchern Kirsche, Brombeere und Cassis mit ihren Aromen. Pross Jupp ist ein Kraftmeier mit viel Würze, Biss und Klarheit. Pross Jupp Jahrgang 2008 fällt heller und harmonischer aus. Nicht ganz so wuchtig wie sein jüngerer Bruder verabschiedet er sich gleichsam etwas rauchig.
Die Frühburgunder Traube war in den 1960er Jahren nahezu verschwunden. Zu warm dürfen die kleinen Beeren nicht wachsen und vielleicht hielten ihr deshalb einige Ahrwinzer, besonders die aus Bachem, einem Stadtteil von Ahrweiler, die Treue. Von Slow Food als regional bedeutsam in die Arche des guten Geschmacks aufgenommen, gewinnt die frühreife Traube allmählich wieder mehr Raum im Weinglas. Leicht zugänglich ist der vollwürzige Wein wegen seiner niedrigen Säure, der üppigen Fruchtaromen und der meist dunkelroten Farbe
2009 Parat jemaat wird von Kirschen dominiert. Eine weiche Cuveé, die einfach gut schmeckt und die Bedauern weckt, ist sie ausgetrunken.

Stefan Kurth in seinem Weinberg hoch über Bachem.

Stickihse gab zunächst einmal Rätsel auf. Wegen des Namens. Das konnte aber geklärt werden: Stickihse ist ein schwerer Eisenstab mit flachem Kopf, welcher zum Pflanzen der Reben benutzt wird. Mit dem Stickihse wird ein Loch in den Boden gehauen, worin die Pflanzen versenkt werden. Die Pfähle werden fest komprimiert, - gestickt. Auf Hochdeutsch hieße dieses Werkzeug in etwa „Festmacheisen“. 2008er und 2009er Stickihse Spätburgunder leuchten rubinrot im Glas. Eine mild samtige Köstlichkeit mit weicher Brombeerfrucht und leichter Bitternis von Mandeln.
2009er Kathinka Spätburgunder schmeckt nach vollreifen Kirschen, ergänzt von Cassis, Brombeeren und ein paar Erdbeeren. Viel Fruchtextrakt harmoniert elegant mit harmonischer Säure. Ein feinstrukturierter, samtiger Wein dieser doch so anspruchsvollen Rebsorte. Der Gault Millau WeinGuide 2011 attestiert diesem Wein „Ansätze zu Höherem“.
Bis zum letzten Jahr war das Weingut Kurth fast noch ein Geheimtipp. Ein Zwerg, der im Verborgenen Großes plante. Die Märchen sagen Zwergen zauberische Kräfte nach, und daran kann man glauben, trinkt man die Weine vom Weingut Kurth. Sie sind reintönig und ganz ohne Hokuspokus gut. Der „Eichelmann“ bewertete die 2008er und 2009er Kollektion als überdurchschnittlich. Jut Jemaat. Infos und Kontakt: Weingut Kurth, Hostertsgasse 19, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler oder http://www.weingut-kurth.de oder Email: info@weingut-kurth.de



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