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Ministerin Aigner im Tourbus der Aktion ,,Vielfalt und Genuss".

Der Weinberg: Eine Kulturlandschaft

Die Aktion Genuss und biologische Vielfalt der Bundesministerin für Ernährung, Ilse Aigner, wendet sich natürlich an alle Bürger. Der Tourbus nimmt die Schulen ins Visier, um den Nachwuchs zu zeigen, dass das was lecker ist, manchmal auch der biologischen Vielfalt dient. Ein gutes Beispiel sind die Weinberge in unserem Land. Weinberge sind eine vom Menschen über Jahrhunderte geformte Landschaft. Der Weinbau prägt mit seiner Kulturlandschaft ganze Regionen in Deutschland, z. B. das Obere Mittelrheintal, dass als „Kulturlandschaft von großer Vielfalt und Schönheit“ vom Welterbekomitee der UNESCO gewürdigt worden ist. Was viele nicht wissen: Der Weinberg ist auch ein ganz spezielles Biotop. Im Weinberg hat sich eine faszinierende Lebensgemeinschaft von Tieren und Pflanzen gebildet, die oft nur hier vorkommen.

Ein seltener Tagfalter in den deutschen Weinbergen: Der Schwalbenschwanz.
Bild. koestlichkeiten.de

So lebt beispielsweise der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer, die Mauereidechse oder der Schwalbenschwanz bevorzugt im Biotop Weinberg, weil sie dort hervorragende Lebensräume finden.
Einer der schönsten in Deutschland heimischen Tagfalter, der Apollofalter, unterliegt im Rahmen des Artenschutzes einem besonderen Status: Die Raupen des Apollofalters sind auf den Weißen Mauerpfeffer, der nur an felsigen Standorten wächst, als Futterpflanze angewiesen. Das Verbreitungsgebiet der Art ist daher stark eingeschränkt. Er findet sich aber beispielsweise auf den Trockensteinmauer in den Steillagen der Mosel.

Seltene Gäste in den Mauern der Mosel-Steillagen. die Zauneidechse.
Bild. koestlichkeiten.de

Bestimmte Pflanzen haben sich über Jahrhunderte in Weinbergen angesiedelt: Vor allem Wärme liebende, mediterrane Frühjahrsblüher sind sehr gut an die Bedingungen im Weinberg – extreme Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, im Sommer Trockenheit und Bodentemperaturen bis zu 60° C – angepasst. Der Nickende Milchstern, der Weinberg-Lauch und die Weinberg-Tulpe sind die Weinbergspezialisten unter den Pflanzen. Diese Pflanzen wurden zum Teil schon von den Römern über die Alpen gebracht, als vor über 2.000 Jahren der systematische Anbau von Wein jenseits der Alpen begann.

Der steilste Weinberg Europas, der Calmond, ist nicht nur berühmt durch seine Rieslinge, sondern auch durch seine ,,Bewohner", etwa den Apollofalter.

Biologische Vielfalt im Weinberg ist durch die Verbrachung in Gefahr

Über Jahrhunderte hinweg wurden die Flächen zwischen den Rebstöcken mit der Hacke aufgelockert und dabei gleichzeitig die Gräser entfernt. Dies ermöglichte einer ganzen Reihe von Pflanzen die Besiedlung der Weinberge. Besondere Anbautechniken wie die Terrassierung und die Anlage von Trockensteinmauern geben vielen Tieren einen wichtigen Lebensraum. Doch die einstige Vielfalt und damit auch ein unersetzliches Natur- und Kulturerbe der Weinberge ist gefährdet, weil diese Bewirtschaftungsformen sehr aufwändig und damit teuer sind. Vielerorts sehen sich die Winzer gezwungen, Weinbergsflächen von der Nutzung aufzugeben. Die Verbrachung von wirtschaftlich nicht mehr genutzten Weinbergen ist allerdings der biologischen Vielfalt abträglich.

Schutz? und Nutzinteressen zum Wohle der biologischen Vielfalt vereinbaren

Um die biologische Vielfalt im Weinberg zu erhalten, müssen Nischen gefunden werden, in denen die traditionelle Fauna und Flora überleben oder wieder angesiedelt werden kann. Der damit verbundene Mehraufwand muss sich entweder wirtschaftlich lohnen oder von der Gesellschaft finanziell ausgeglichen werden. Die Winzerinnen und Winzer Deutschlandsentwickeln dazu vielfältige Konzepte, um die Bewirtschaftung in Steillagen weiterhin zu erhalten. – Deshalb gilt: Nur wenn Schutz- und Nutzinteressen in Einklang gebracht werden – und bestenfalls auch verbrachte Flächen wieder dem Weinbau zugeführt werden – kann der große biologische Reichtum in Weinbergen dauerhaft erhalten werden.

Die Traubensorten sind der Schatz, aus dem die Köstlichkeiten produziert werden.

Die Weinrebe

Die Weinrebe (Vitis vinifera) wird schon seit mindestens 5000 v. Chr. kultiviert und ist damit eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt. Sie wird angebaut, um Weintrauben zu ernten, die als Tafeltrauben und Rosinen in den Handel kommen, bzw. zu Wein oder Traubensaft verarbeitet werden. Wie die meisten Nutzpflanzen liegt die Weinrebe in vielen unterschiedlichen Sorten vor, die man im Weinbau als Rebsorten bezeichnet. Am Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen in Rheinland-Pfalz (Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) werden z. B. mehr als 3.800 Rebsorten als Muster erhalten.

http:// www.deutsche-genbank-reben.jki.bund.de

Datenbank für den Erhalt und die Nutzung der Rebsorten

2010 wurde die so genannten Deutsche Genbank Reben eröffnet und die Informationen in der Datenbank für die Öffentlichkeit freigeschaltet. Informationen aus allen deutschen Rebsorten-Sammlungen werden in der Datenbank zusammengeführt und können dort recherchiert werden. Dies dient dem Erhalt und der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt im Weinbau. Denn die Genbanksammlung dient als Ausgangsmaterial für die Züchtung von neuen Reben mit verbesserter Resistenz gegenüber Schädlingen und Krankheiten. In einem vom Bundeslandwirtschaftsministerium geförderten Projekt werden zudem rebengenetische Ressourcen in alten Weinbergen erfasst und dokumentiert. Auch diese alten Sorten werden dann in die Deutsche Genbank Reben aufgenommen.

Weinbergslandschaft an der Ahr.
Bild: Deutsches Weininstitut

Zahlen zum Weinbau in Deutschland

In Deutschland gibt es fast 20.000 auf Weinbau spezialisierte Betriebe mit 34.000 Beschäftigten. Im Jahr 2009 wurden 9,1 Millionen Hektoliter Wein produziert. Die deutsche Rebfläche beträgt knapp 100.000 Hektar, wovon fast zwei Drittel mit Weißwein bepflanzt sind. Rheinland-Pfalz ist mit 63 % der bundesweiten Rebfläche das bedeutendste Weinbauland.



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