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Die Porträts der Weinfamilie von Gut Oggau im österreichischen Burgenland.

Eine illustre Familie

Stephanie Tscheppe-Eselböck und Eduard Tscheppe sind die Weinmacher auf Gut Oggau.

Das Weingut Oggau im Burgenland

Die Rebflächen der Gemeinde Oggau am Westufer des Neusiedlersees repräsentieren das bedeutendste Konjunkturelement der Gemeinde. Seit bei Ausgrabungen eine spätrömische Trinkschale mit Rotweinresten gefunden wurde, darf sich Oggau „älteste Rotweingemeinde Österreichs“ nennen.
Mitten im Ortskern steht das „Gut Oggau“, ein Betrieb, der auf langes und renommiertes Bestehen zurückblickt und seit kurzer Zeit erst von Stephanie Tscheppe-Eselböck und Eduard Tscheppe in modernem Sinne geführt wird. Stephanie Tscheppe ist Mediendesignerin mit familiärem „Genuss-Hintergrund“ und Eduard Tscheppes Wurzeln reichen bis auf ein Weingut in der südlichen Steiermark. Von hier brachte er handwerkliches Rüstzeug mit ins Burgenland. In den kleinteiligen Rieden des Gutes fanden sich teils alte, teils gängige aber auch seltene Traubensorten, nur keine herausragenden Lagen oder Böden. Vielleicht wurde das Paar von seinen lukullischen Genen beeinflusst, vielleicht war es aber einfach der Ideenreichtum, der zu einem außergewöhnlichen Denkmodell führte. Einer „Familienaufstellung“ etwas anderer Art.

Die historische Weinpresse kommt auf Gut Oggau noch zum Einsatz.

Alte im Haus gefundene Aufzeichnungen bezeugten den Traditionsbezug zu unverfälschten herkunftsbezogenen Weinen, zudem sollten die Weingärten bio-dynamisch bestellt werden. Da solche Weine eben „Charakter“ haben, in etwa so wie Menschen, ist zu ermessen, warum diese Weine Namen und dazugehörige Gesichter und Lebensläufe haben, halt so wie Menschen. Etwas extravagante und vielleicht auch altertümliche Namen wie Onkel oder Tante, Neffe, Nichte, Cousin oder Cousine aus zurückliegender Zeit. Und sie sind allesamt markante Mitglieder einer außergewöhnlichen Sippe, in der jede Weinpersönlichkeit enge Beziehungen zu den Anverwandten pflegt.
Nun ergeben neun Personen schon eine respektable Familie, die man nachgerade kennen lernen möchte. Allen voran die geistigen Eltern dieser ganzen Verwandtschaft, nämlich Stephanie Tscheppe-Eselböck und Eduard Tscheppe.
Die landeten mit ihrer illustren Weinfamilie einen richtigen Coup, der ihnen und dem ganzen fiktiven Oggau-Geschlecht beim internationalen Werbefestival in Cannes den „Goldenen Löwen“ bescherte und die vollständige Weinfamilie ins Museum of Modern Art nach San Francisco katapultierte.

Die Ahnengalerie der originellen Weinfamilie des Weingutes Oggau.

Kategorisch in „rot“, „weiß“ „rosé“ und „süß“ sind die Weine eingeteilt. Junge Personen stehen für leichte und eher unbekümmerte Weine von gewinnendem Wesen. Gehaltvollere Weine, von komplexem und ausgewogenem Charakter ordnet man den gesetzten, eher konservativen Eltern oder Großeltern des Weinclans zu. Mechthild, weiß, die Stammmutter und Bertholdi, rot, das Familienoberhaupt, werden von Hand in einer alten Baumpresse gekeltert.
Theodora Weiss 2010 Grüner Veltliner und Welschriesling, scheinbar das Nesthäkchen, kann ihre enge emotionale Bindung zur Mutter Wiltrude, süß, nicht leugnen. Keck trudelt Theodora in hellem Grüngelb herein und zwickt die Nase mit weinigem Duft. Am Gaumen enthüllt sie weiche und zugleich etwas freche Züge. Apfel, Birne, gelben Pflaumen, Stachelbeeren, Sommerwiese und säuerlicher Rhabarber sind wie geschaffen zum Gedankenaustausch auf einer Bank im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse. Ein vergnügter Applaus zu ausgelassener Geselligkeit und Lebenslust im Sommer. Theodora begleitet fröhlich Sandwiches mit gegrilltem Speck, Tomate und Ei, Garnelen- oder Fleischspießchen mit Aioli oder Mayonnaise, aber auch Käse-Pies, Pastagerichte, Roll-ups oder Wraps. Ganz entspannt und etwas zögerlich lässt Theodora den Genuss ausklingen.
Winifred Rosé 2010 ist einfach „gut drauf“ und etwas erwachsener als Theodora.Klassisch ausgebaut und trocken gewinnt sie sofort durch lebendige Fruchtigkeit allgemeine Sympathie. Inspirierend aromatisch und doch dezent bringt sie vornehmlich Waldbeeren, aber auch Himbeeren und Erdbeeren mit. Charmant und provokant verschmitzt serviert Winifred eiskalt bittere Zitrusnoten, süß-aromatischen Vorwitz, garniert mit würzigen Kräutern. Ein Wein mit sonnigem Bekenntnis zu wilder Jugend. Winifreds feine Säure bereichert jede Art von Fischgerichten oder ein Rinderfilet mit Chilisauce. Auch Schokoladeneiskrapfen oder Sommerfrüchte in Schokolade erbrächten mit ihr eine Genusssynthese.

Weinlese auf dem burgenländischen Weingut.

Gut Oggau Atanasius Rot 2009 Zweigelt und Blaufränkisch fliegen die Sympathien nur so zu. Maßvoll zurückhaltend und doch charmant in der Nase beeindruckt er durch weiche Höhen und kirschwarm leuchtende Tiefen. Atanasius ist ein lebenslustiger junger Mann von unbekümmertem Elan. Er wagt sich mit seinen und den Hoffnungen der Familie auf den roten Teppich. Die gebotene Begabung und den nötigen Schneid zum Helden bringt er mit. Statt mit Glamour-girls verbringt er seine Zeit gern mit Pasta und frischen Kräutern, ebenso mit Speck und Salbei, aber auch mit knusprigen Schweineschnitzeln zu Sommergemüse oder Schnitzelbroten. Käse-Huhn Sandwiches, gewürzt mit knusprig gebratenen Speckscheiben passen auch. Atanasius` sekundäre Qualitäten machen ihn erst recht interessant und harmonieren toll zu weißer Schokolade mit Pistazien und Erdbeerstückchen, mit Champagnertrüffeln oder Orangen-Vollmilch-Mousse.
Gut Oggau Timotheus Weiss 2009 Grüner Veltliner und Weißburgunder steht für elegante und traditionelle Elterngeneration. Timotheus ist Winifreds Vater und der Onkel von Theodora und Atanasius. Zu seiner goldgelben Farbe und holzigen Aromen gesellt sich noch ausdrucksstarker Geschmack zu harmonischem Wohlklang. Timotheus steht für ausgewogenen und verlässlichen Charakter, der sich über 12 Monate im Eichenfass entwickeln konnte. Die Trauben stammen aus Weingärten, die in nächster Zukunft Demeter zertifiziert werden. Unfiltriert abgefüllt gewinnt Timotheus durch verhaltene Säure und zarte Apfel-Birnen Aromen. Ein aufrechter und kraftvoller Charakter, ein solider Pragmatiker mit vielschichtigen Wurzeln. Er macht eine gute Figur zu Kalbsbraten in Senfsauce, Schweinefilet mit Backpflaumen, Puten-Spießchen mit Apfel und Zwiebel, gegrilltem oder geräuchertem Lachs. Ein respektabler Stellvertreter der Oggau-Familie, der, wenn er genügend Luft zum atmen hat, viel und gern von seiner Herkunft erzählt.

Alle Oggauer-Weine stehen als Individualisten da, als Weintypen und nicht als Weine einer bestimmten Traubensorte. Sie artikulieren sich eindeutig über ernsthafte Qualität und heben sich vom „Mainstream“ deutlich ab. Erdig und animierend dechiffrieren sie die Sprache von üppiger Natur, Tradition, Innovation und raffiniertem Charakter. Stephanie Eselböck-Tscheppe und Eduard Tscheppe gehen einen neuen und vielversprechenden Weg, der durchaus nach oben führen könnte. Hier stimmt das Konzept. Stimmig die Weine, durchdacht und markant die Präsentation. Wohl dem, der eine Familie hat.
Infos zur Weinfamilie „Oggau“ und deren Herkunft unter: http://www.gutoggau.com

Emeram ist der ,,bunte Hund" der Familie, ein wenig schräg sorgt er dafür, dass es in der Weinfamilie hin und wieder turbulent zugeht.


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