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Weihnachtstipps:

Alle Jahre wieder

 

Mal ehrlich: Haben Sie schon einen frischen Spekulatius probiert, einen Dominostein, oder frischen Lebkuchen? Manche bleiben bis in die eigentliche Vorweihnachtszeit abstinent. Wir müssen uns aber eingestehen, dass das Weihnachtsfest bereits Schatten wirft und mit dringenden Fragen bereits auf uns wartet. Der Kabarettist und Buchautor Hans Scheibner bringt es in dem Buch ,,Wohin mit Oma?“ auf den Punkt:

,,Denn, Weihnachten drängen sich ja die großen Menschheitsprobleme jedes Mal zu einem einzigen Schauspiel zusammen. Die großen Probleme, wie zum Beispiel: Rotkohl zur Weihnachtsgans oder Grünkohl? War der Heilige Josef überhaupt bei der Schwangerschaftsgymnastik? Ist Lametta out für immer? Muss man das Nichts-schenken-Versprechen tatsächlich einhalten? „

Fragen über Fragen, die wir Schritt für Schritt bis Weihnachten beantworten wollen. Heute geht es um Bratäpfel aus deutschen Landen.

 

Bratäpfel

Auch Weihnachten gilt: Vielfalt aus deutschen Landen in der Backröhre.

Kinder, kommt und ratet, was im Ofen bratet! Hört, wie‘s knallt und zischt, bald wird er aufgetischt!“ heißt es in dem beliebten Gedicht. Gemeint ist natürlich der Bratapfel, der zur Vorweihnachtszeit Hochsaison hat! Er gehört zu den Klassikern in der kalten Jahreszeit. Am besten eignen sich säuerliche Sorten; der absolute Favorit ist der Backapfel Boskoop. Sein Fruchtfleisch wird im Ofen schön mürbe, bleibt aufgrund der festen Schale aber sehr saftig. Doch auch Cox Orange, Gloster, Braeburn und Elstar aus heimischem Anbau eignen sich hervorragend. Groß und Klein bekommen leuchtende Augen, wenn ein gut gefüllter, dampfender Bratapfel seine leckeren Aromen verströmt. Etwas Schlagsahne oder eine Vanillesauce ist bei allen Bratapfel-Varianten das Tüpfelchen auf dem i.

 

Ein Goldklumpen zum Vernaschen

Seine Beliebtheit verdankt der Bratapfel in erster Linie seinem Geschmack, aber auch die einfache Zubereitung hat ihren Teil dazu beigetragen. Kinder sind hellauf begeistert, wenn sie einen Apfel erst aushöhlen, dann nach Belieben mit Süßem füllen und schließlich beim Garen im Ofen beobachten dürfen. Doch trotz seiner Bekanntheit wissen die wenigsten um seine symbolische Bedeutung. Die runde Form soll einen Geldbeutel bzw. einen Goldklumpen darstellen, die der Heilige Nikolaus an Arme verteilt hat. Deshalb wird der Bratapfel vor allem am Nikolausabend verzehrt und soll an die Großzügigkeit des Bischofs von Myra erinnern.

 

Von zuckersüß bis herzhaft-deftig

Der Bratapfel ist ein Genuss – und so vielfältig wie die Sorten, die es in Deutschland gibt, sind auch die Varianten des heißen Apfels. Welche Bratapfelfüllung zur eigenen Lieblingsfüllung wird, muss jeder selbst entscheiden. Doch die Auswahl ist riesig:

Der Klassiker: Der klassische Bratapfel steckt voller typischer Weihnachtsaromen. Gefüllt wird er mit Rosinen (wahlweise in Rum eingelegt), Marmelade oder Honig, Mandeln, Zimt und Nelken. Das Ganze wird mit einem Stück Butter gekrönt und mit Apfelsaft verfeinert.

Der Westfale: In Westfalen mag man es unkompliziert. Hierzulande wird der Apfel einfach mit einer Masse aus Butter, Mandeln, Rosinen und Zucker gefüllt. Um dem Ganzen ein wenig Pfiff zu verleihen, wird der Apfel anschließend mit Weißwein begossen.

Für Naschkatzen: Dieser Bratapfel ist besonders mächtig und süß – und ist daher genau das Richtige für Leckermäuler. Gefüllt mit zerbröseltem Spekulatius, Marzipan und Eierlikör schmeckt er fabelhaft und zergeht förmlich auf der Zunge.

Beschwipster Bratapfel: Besonders spektakulär ist diese Variante. Nachdem der Apfel mit Rosinen, Butter und Zucker gefüllt wurde, wird er mit Weißwein getränkt und für den Showeffekt mit brennendem Calvados flambiert.

Für Wagemutige: Diese Idee für eine Bratapfelfüllung ist etwas ausgefallener, dafür aber umso interessanter! Sie besteht aus gekochten Trockenpflaumen, die zuvor in Ingwer-Zimt-Wasser eingelegt wurden, gerösteten Sonnenblumenkernen, Honig und Apfelsaft. Eine Karamellsoße aus geschmolzenem Zucker und Sahne rundet das Geschmackserlebnis ab.

Der Deftige: Der Bratapfel mal ganz anders – diese herzhafte Füllung macht den Apfel zu einer leckeren Vorspeise, oder, mit einer entsprechenden Beilage, gar zu einem vollwertigen Hauptgang. Hierbei besteht das Innere des Apfels aus einer Mischung aus Blutwurststücken, Mett, angedünsteten Zwiebeln, zerbröseltem Toast, Ei und Pinienkernen. Gewürzt wird diese mit Salz, Pfeffer und Majoran.

 

Auch auf internationalem Parkett machen deutsche Äpfel eine gute Figur!

Der Finne: Die Finnen lieben Hafer („Talkuna“ ist ein finnisches Nationalgericht – dieser Haferbrei gehört zu jedem ordentlichen finnischen Frühstück! Finnland exportiert zudem Hafer in signifikanten Mengen) und so überrascht es nicht, dass Hafer auch für Bratäpfel genutzt wird. Die finnische Variante enthält eine Mischung aus Haferflocken, Butter, braunem Zucker und Zimt. Hyvää ruokahalua (Guten Appetit)!

Apple Crumble – die britische Antwort auf den Bratapfel: In Großbritannien bevorzugt man Obst in mundgerechter Form. Dazu werden die in Stücke geschnittenen Äpfel in eine Auflaufform gegeben, mit weihnachtlichen Gewürzen versehen und anschließend mit Streuseln aus Butter, Zucker und Mehl bedeckt – das ergibt eine herrlich knusprige Schicht auf den warmen Früchten.



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