Es ist nicht ganz so groß und so schwergewichtig wie ein Barrique, einen stabilen Gabentisch braucht`s schon. Dieses Buch von Stuart Pigott: „Wein spricht deutsch“. Der Autor kann es auch, aber mit britischem Akzent. Schon früh entdeckte der seine Liebe zu deutschem Wein und wollte wohl seiner großen Liebe ein ganz großes Denkmal setzen. So kolossal ist dieser Wälzer allemal. Auf 720 A4 Seiten versucht der Weinjournalist mit vier Co-Autoren und einem Fotografen in charmantem Plauderton die Sprache des Weins zu entschlüsseln. Im übertragenen Sinne natürlich.
Stuart Pigott und sein Autorenteam bereisten mehrere Jahre lang die deutschsprachigen Weinbaugebiete und legten eine fundierte und opulente Gesamtschau auf die besten Winzer, ihre wichtigsten Weine, traditionell große Namen, ruhmreiche Lagen und jede Menge Weinwissen und Innovation vor. Dabei wird der Bogen über alle Grenzen hinweg gespannt, denn auch in Australien oder Kalifornien ist der Einfluss deutscher Weinkultur deutlich spürbar.
Bildhaft und eloquent parliert Mr. Pigott über wunderschöne Weinregionen, Schiefergestein, Öchslegrade oder Lössboden von der Mosel bis nach Südtirol, von der Saale bis ins Elsass oder die Wachau. Die Weinwelt Stuart Pigotts ist gleichzeitig weltoffen und kleinräumig, aber auch versessen auf Authentizität. Echter Wein erzählt von der Landschaft, in der er wächst, von dem Klima, dem er ausgesetzt ist, von den Eigenschaften der Reben, von denen er abstammt und natürlich von den Menschen, die ihn pflegten und begleiteten.
Und immer wieder wird die Frage gestellt, warum Weine so schmecken, wie sie schmecken. Aus dieser Perspektive wird die Geschichte traditioneller Weinanbaugebiete neu und anders erzählt. Und von manchen Weinbaugebieten erfährt der überraschte Leser zum ersten Mal.
Trotz Glossar von Abbeeren über Maischestandzeit und Sekundäraromen bis hin zum Zweigelt sowie einer Winzer und Weingüterliste ist dieses Mega-Buch kein Nachschlagewerk. Eher ein Buch für Weinfreunde, Weinliebhaber, Weinneulinge und auch für Freunde der Sprache oder der jeweiligen Landschaften. Und alles auf fakultativer Basis. Kein Muss. Alles Empfehlungen, trotz dieser Faktenflut aus Tabellen, Karten und Wirtschaftdaten bleibt „Wein spricht deutsch“ ein großartig unterhaltsames Buch, das Lust auf den vergorenen Traubensaft macht. Well done.
„Wein spricht deutsch“ (ISBN 978-3-502-19000-4) ist mehr als drei Kilo schwer und erschienen bei Scherz, einem Verlag der Fischer Verlag GmbH. Es kostet gebunden 78.- €.
Infos: http://www.fischerverlage.de