| Wald und Wiese auf dem Teller Als Berufsbezeichnung gibt die Autorin Gisula Tscharner neben freiberuflicher Seesorgerin die Tätigkeit als ,,Sammelweib" an. Bei uns auf dem Lande waren das die Kräuterweiber, die in die Natur zogen und sich dort - mit viel Sachverstand - holten, was sie zum Leben brauchten. Gisula Tscharner unterscheidet zwischen ,,sammeln" und ,,ernten". Man ernte Kartoffeln im Garten, Weizen auf dem Feld, das heiße. Man hole alles, nichts bleibe ungeerntet. ,,Wildpflanzen aber lassen sich nicht gut und auch nicht gern ernten, sondern vielmehr sammeln. Aus der großen Menge, die ich nicht einmal selbst pflanzen musste, nehme ich nur das Beste. Vieles ist schon überreif, manches noch nicht so weit. Sammeln meint Bündeln, das Wichtigste zusammenfassen", schreibt die Autorin in ihrem Buch ,,Wald und Wiese auf dem Teller". Die wichtigsten Sätze zum richtigen Verständnis des Buches und wie man klug damit umgeht.
Tscharner streift mit den Lesern über Wiesen und Weiden, Waldränder, an Trockenmauern entlang und durch den tiefen Forst. Und sie versteht es, den richtigen Umgang mit der Natur rüberzubringen. Absonderliche, aber vielversprechende Rezepte kommen dabei zustande, etwas ,,Grüne Teufelseier" oder ein Schnaps, der ,,Wutanfall" heißt. Oder wie wäre es mit dem Baumwein ,,Hexenbad", den man bedächtig, am besten draußen in Waldesnähe, trinken soll. ,,Waldwimpern" und ,,Lärchenessig" klingen irgendwie märchenhaft, müssen aber ausgesprochen gut munden.
Ein Buch, so richtig nach meinem Geschmack. Ein Kochbuch, das Neues erschließt und nicht längst bekanntes widerkaut. Kein Wunder, dass es als ,,Kochbuch des Monats" ausgezeichnet worden ist.
Harald Polenz
Gisela Tscharner:
Wald und Wiese auf dem Teller
AT Verlag
160 Seiten mit über 100 Farbfotos
ISBN 978-3-03800-404-2
23,90 €
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