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 - Der Charme der Alphabete.

Drei Typobände beim Taschen-Verlag führen uns eindrucksvoll die Schönheit, die Ästhetik der Alphabete vor Augen. ,,Letterfontäne“ heißt die aktuelle Neuerscheinung, Type. A Visual History of Typefaces & Graphic Styles, Band 1 und 2, 2009 und 2010 erschienen, zeigen auf unterschiedliche Weise, was die Entwicklung Gutenbergs im 15. Jahrhundert nach sich zog. Der Buchdruck, das drucken von Büchern, geschah mit dem Segen der christlichen Kultur. Im fundamentalen Gegensatz zu den antiken Kulturen, war die christliche Religion eine Buchrelegion. Das Buch hat sozusagen einen ,,Heiligenschein“: Bibel kommt von ,,biblion“ und das heißt Buchrolle. Der Übergang von der Schriftrolle zum ,,Codex“, also dem, was wir heute einzig unter Buch verstehen, einem aus einzelnen Textseiten gleichen Formats zusammengesetzten Schriftsubstrats, war ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Menschheit. Man blätterte ein Buch auf und entrollte es nicht mehr. Die ersten Bücher wurden nicht gedruckt, sondern von Hand kunstvoll geschrieben. Der Beschreibstoff der antiken Welt war das Papier, das Buch eine Papyrosrolle. Doch Papyros hatte einen entscheidenden Nachteil: Es war nicht beständig. Darum schrieben die ersten Christen die hebräischen Bibeloriginaltexte auf Tierhäute. Die Bearbeitung der Tierhäute, um sie schreibbereit zu machen, verfeinerte man und es entstand daraus das Pergament, ein ernsthafter Rivale des Papyros. Letztlich verhalf das ,,Blätterbuch“, der Codex, dem Pergament zum Sieg. Vom 1. Jahrhundert an wissen wir von ,,Blätterbüchern“.
 - Anwendungsbeispiele von Schrift in ,,Letterfontäne"
Das Buch, wie wir es kennen, also das Buch zum umblättern der einzelnen Seiten, hatte erst richtig Konjunktur, als der Römer Konstantin der Große das Christentum zur Staatsreligion erhob. Die Codexform wurde die Norm jeglicher Literatur. Im 4. Jh. fand der entscheidende Prozess statt, nämlich die Transportierung der klassischen und der christlichen Literatur von der Papyrosrolle zum Pergament-Codex. Der Sieg des Codex über die Rolle bedeutete die Rettung der antiken Bildung für die Nachwelt. Die Haltbarkeit eines Papyros war auf höchstens 200 Jahre gewährleistet. Allerdings, nur was dem 4. und 5. Jh. lesenswert erschien, wurde von der Rolle auf den Codex übertragen. Die Auswahl war nach dem Zusammenbruch der antiken Kulturen und dem Anbruch des Mittelalters sehr selektiv. Erst der ersten Renaissancebewegung des Abendlandes, der karolingischen Epoche, bzw. den Klöstern, ihren kunstbegabten Schreibern, Rubrizierern, Vergoldern ist es vorbehalten, durch rege Abschreibätigkeit von den antiken Texten zu retten, was noch zu retten ist. Die gesamte Pracht der Buchmalerei stammt aus jenen Jahren bis zur Erfindung des Buchdrucks durch Johann Gutenberg. Die Herstellung von Einzeltypen aus Metall war die große erfinderische Leistung von Gutenberg. Bewegliche Einzelbuchstaben erlaubten Austausch und Kombination, das Schriftmetall blieb, anders als Holz, auch unter großem Druck stabil und konnte zum Guss neuer Typen wieder eingeschmolzen werden.

In Straßburg stellte er zwischen 1434 bis 1440 bleigegossene Heilsspiegel, also Devotonalien, her und vertrieb sie an Wallfahrer. Daneben aber existierte in ,,geheimer Mission“ ein zweites Unternehmen mit Partnern, über das Stillschweigen vereinbart war. Die Biographen des Erfinders der Kunst des Buchdrucks nehmen an, dass Gutenberg bereits in seiner Straßburger Zeit mit Schrift und Druckpresse experimentierte, bevor er dann in Mainz seine Erfindung vollendete. Die Gutenberg-Forschung nimmt an, dass bei einem Straßburger Partner Gutenbergs eine Druckpresse gestanden habe. Einige der Experten vermuten, dass die Straßburger Presse die erste Druckerpresse überhaupt war. Auf dieser Presse sollen die Frühwerke ,,Fragment vom Weltgericht“ und eine lateinische Sprachlehre entstanden sein. So wird das Jahr 1440 als fiktives Geburtsjahr des Buchdrucks angesehen. Kern von Gutenbergs Erfindung ist das Handgießinstrument für die einzelnen Lettern. Grundlage der Buchschrift blieb über Jahrhunderte der Druckbuchstabe, die Letter, ein vierkantiger, rechtwinkliger Metallkörper, dessen Kopf das erhabene Schriftbild zeigt.
 - Schriftmuster aus einer umfangreichen Sammlung.
Gutenberg war noch der Tradition der handgeschriebenen Codices verhaftet. Zunächst dürfte er bemüht gewesen sein, Handschriften mechanisch zu vervielfältigen. Bei genauer Betrachtung seiner 42zeiligen Bibel lässt sich dieses Bemühen erkennen. Für Gutenberg galt, ein großes Repertoire an Schriftzeichen anzufertigen. Sie eben in jenen vielfältigen Formen anzufertigen, wie der Schreiber sie verwendete Eine große Zahl von Zeichen war dafür notwendig: Standardtypen und Satzzeichen, die vielen Abkürzen (die Abbreviaturen), die durch Querstriche oder Punkte über den Buchstaben gekennzeichnet waren. Dann die Buchstabenverbindungen, die Ligaturen, bei denen zwei oder drei Buchstaben auf einen Kegel gegossen wurden. Das Buchstabensystem für den Bibeldruck umfasst 290 Schriftzeichen. Wo wir mit einem kleinen ,,e“ auskommen, hatte Gutenberg zehn verschiedene. Spätere Setzer kamen mit 60 bis 80 Buchstaben und Satzzeichen aus. Auf Gutenberg Erfindungsgabe gehen auch der Winkelhaken, das Setzschiff und die Ordnung des Setzkastens zurück, all die Gegenstände, mit denen die Schriftsetzer auch 500 Jahre nach Gutenberg noch arbeiteten.
Seit Gutenberg gehört auch das zweiseitig bedruckte Blatt zum Wesen des Buches. In der Mitte des 16. Jh. waren mit der Ausbreitung des Buchdrucks eine Reihe neuer Schrifttypen entstanden. Gutenbergs Erfindung zwang zur Beschäftigung mit der Anatomie der Buchstaben. Die neue Technik hatte eine neue Kunst im Gefolge: die Typographie. Typographie ist nach den Worten von Günter Gerhard Lange, dem künstlerischen Leiter der Berthold’schen Schriftgießerei, die Inszenierung einer Mitteilung in der Fläche. Diese Anatomie der Buchstaben beschreibt ,,Letterfontäne“ auf nicht nur für Typograühen verständliche Art und Weise. Über 150 Schriftarten, ihrer Ursprünge und Merkmale beschreiben die Autoren ausführlich und bilden sie auch ab. In diesem Band erden immerhin mehr als 300 Alphabete abgebildet.
 - Anmut und Schönheit der Druckschrift in drei Büchern vom Taschen-Verlag.
Waren in der zweiten Hälfte des 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Funktionen des Schriftgießers, des Setzers, des Druckers, Verlegers, Lektors und Buchhändlers noch nicht voneinander getrennt, also vertrat oftmals ein Mann die gesamten Tätigkeitsfelder der Schwarzen Kunst, änderte sich das erstmals mit Claude Garamond aus Paris, der zudem ein bedeutender Schriftkünstler und Entwerfer der ,,Garamond“ war. Er und Jakob Sabon, nach dem auch eine andere bedeutende Antiqua benannt ist, trennten Schriftentwurf, Stempelschnitt und Letternguss vom Setzen und Drucken. ,,Letterfontäne“ schildert die Geschichte der Druckschriften und letztendlich ihre Digitalisierung. Während ,,Type. A Visual History of Typefaces & Graphic Styles, Band 1 und 2” allein Schriftmusterbücher aus der Zeit des Handsatzes, der Bleisatzzeit, zeigen. So schön wird wohl Schrift nie mehr auf Papier gebracht. Wir empfehlen zu den Typo-Büchern von Taschen den Rotwein ,,Black Print“ von Markus Schneider. Schneider keltert Weine mit Wiederekennungswert. Und bezahlbar sind die Ellerstädter Weine allemal. Ich bin fast geneigt zu glauben, Markus Schneider habe den deutschen Wein neu erfunden. Info: www.weingutschneider.de E-Mail: weingut.schneider@t-online.de. Tel. 06237 7288. Mehr zu Schneider-Weinen unter http://www.koestlichkeiten.de/schneider.html: Letterfontäne € 49.99 ISBN: 978-3-8365-2510-7
Infos
Type. A Visual History of Typefaces & Graphic Styles, 1628-1900 € 39.99 ISBN: 978-3-8365-1101-8
Type. A Visual History of Typefaces & Graphic Styles, 1901-1938 € 39.99 ISBN: 978-3-8365-1514-6
www.taschen.com
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