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Home  >  Gaumenschmeichler  >  Tango Lyrico
Tango Lyrico. Sinnlicher Dialog von Harfe und Saxophon


Ungewöhnliche Töne entlockt Evelyn Huber der Harfe.

Oberbayern und der Orient verbinden sich, wenn Evelyn Huber zupft, schlägt und schrubbt. Ihr orientalisches Instrument, die Harfe, wird unter den Händen der Musikerin manchmal zur Furie. Mulo Francels Saxophon gleicht brodelnder Lava, die faszinierend und ruhig fließt, aber verdammt brennen kann. Ein Musikmagazin schreibt ihm den sinnlichsten Saxophonsound in Europa zu. So fließt und brodelt es, ringelt sich wie die berühmten Ohrwürmer in unsere Gehörgänge. Natürlich habe ich gewusst, dass laut dem Komponisten Michael Jary einmal ein Wunder geschehen wird, aber gleich 13 am Stück – so viele Titel hat die CD ,,Tango Lyrico“ von Evelyn Huber und Mulo Francel – hätte ich nicht geglaubt.
,,Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“, sagte der argentinische Tango-Komponist Enrique Santos Discèpolo und eine deutsche Künstlerin behauptet, Tango sei überall dort, wo sich zwei Menschen innig aufeinander einlassen und zusammen in eine Richtung gehen. Tango kommt einem sinnlichen Erlebnis gleich. Lyrik, eigentlich die literarische Form, die Worte nach Noten komponiert und Sprachbilder entwirft. Wenn auf ,,Tango Lyrico“ die Noten Geschichten erzählen, dann werden die Musiker zu Schöpfern von Traumbildern im Kopf. ,,Tango Lyrico“ vermittelt Tango und Lyrik als sinnliches Lebensgefühl.



Tango Lyrico von Mulo Francel und Evelyn Huber ist ein sinnliches Fest.

Lässt sich dem schrägen 5/4 ,,Take 5“, jenes Stück des Saxophonisten Paul Desmond, mit dem das Quartett von Dave Brubeck zu Weltruhm gelangte, noch etwas abgewinnen? Schon allein deswegen, weil eine Harfenistin zusammen mit einem Saxophonisten für ganz neue Dialoge sorgt und man ganz anders zuhört. Und es entstehen jene Traumbilder, in denen sich das große Diabolische des Saxophons mit den kleinen Teufelchen, die aus dem Engelsmund der Harfe schlüpfen, zum bacchantischen Tanz treffen. Bacchus und die Sartyre im Gefolge verlangen danach, dazu eine Flasche Riesling zu köpfen. Wir sind immerhin ein Feinschmeckerportal, doch die musikalische Kost von ,,Tango Lyrico“ ist geradezu exquisit.



Das diabolische des Saxophons und die Teufelchen aus dem Engelsmund der Harfe.

Peter Kreuders ,,Für eine Nacht voller Seligkeit“ wird ihres Kitsches beraubt, ebenso die Michael-Jary-Titel ,,Ich weiss, es wird einmal ein Wunder geschehen“ und ,,Roter Mohn“ klingen so gar nicht volkstümlich-gassenhauerisch, sondern bekommen zuweilen die Tiefsinnigkeit des Tangos.
Für dieses Werk wurden Evelyn Huber und Mulo Francel mit dem Jazz-Award ausgezeichnet. Will man da glauben, dass die Harfenistin mal an einem Melkwettbewerb teilgenommen und gewonnen hat? Den Göttern sei Dank, heimst sie heute zusammen mit ihrem Duopartner Musikpreise ein.
Harald Polenz
Beim GLM-Musikverlag gibt es mehr davon.
www.glm.de

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