Wer eben mal reinschauen will, um es dann für ,,später“ wegzulegen, dem sei gesagt: Das geht nicht, das ist ein absolut hoffnungsloses Unterfangen! Zu stark ist der Bann, den dieses mit mehr als 6 Kilogramm wiegende Schwergewicht auf dem Buchmarkt, die ,,Civitates Orbis Terrarum“, der Atlas der schönsten Städte der Welt, auf seinen Betrachter und Leser ausübt. Zu schnell verliert er sich auf Wegen am Tempelberg von Jerusalem oder in Betrachtung von Schieferplattenspaltern vor den Toren von Angers, folgt in Gedanken einem Treidelzug am Rhein und graust sich vor den von den Türken gepfählten Christen. Ein Theologe aus Köln und ein Kupferstecher aus den Niederlanden schufen zwischen 1572 und 1618 ein fulminantes, sechsbändiges Werk mit mehr als 600 Stadtansichten und Stadtplänen aller größeren Metropolen in Europa, Afrika, Asien und Amerika und statteten sie mit einer großen Detailfülle aus. Sie inszenierten auf den Blättern Alltagsleben der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg, Menschen unterschiedlichster Stände in der für die Zeit typischenTracht, also Ritter, Bauern, Edelleute, Stadtbürger. Da hütet der Hirte eine Rinderherde vor den Mauern, da fahren vor dem winterlichen Moskau die Menschen auf Schlitten und vor der Kulisse von Cadiz sieht man den Fischern beim Thunfischfang zu.