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Spargel. so frisch wie Morgentau, geerntet auf der Kirchheller Heide in Bottrop.
Bild: koestlichkeiten.de

Spargel unterm Fördergerüst

Unwegsame Moore an der Strecke zum Heidhof.
Bild: koestlichkeiten.de

Kulinarische Wanderung durch die Kirchheller Heide

Spargel, so frisch mit einer dezenten Süße unter dem Gaumen dahinschmelzend, wo könnte man den erstanden haben? In Bottrop im Ruhrgebiet, im Schlagschatten der Fördergerüste des Steinkohlenbergbaues. Auf Anhieb käme man nicht darauf, dass der Bottroper Ortsteil Kirchhellen an der NRW-Spargelstraße liegt. Die Spargelfelder sind Teil einer urwüchsigen Heide- und Moorlandschaft, in der neben der Köstlichkeit Spargel so seltene Tiere wie Nachtigall, Pirol, Kreuzotter, Schwarzspecht, Eisvogel, Graugans und Fischreiher leben. Auf kleinen ausgetretenen Sandwegen, manchmal nur auf Wildwechseln, laufen wir durch lichte Birken-Eichen-Mischwälder, in die sich hier und da mächtige Kiefern mischen. Der Wald wird lichter, wo sich zum Teil recht große Gewässer in abgegrabenen Sandkuhlen auftun, oder sich unwegsame Moore und Moortümpel als Hindernisse erweisen. Mitten im Land der Großstädte und riesigen Industriekomplexe versteckt sich so etwas wie ,,Idylle“, ja ,,Wildnis“ könnte man sagen. Wildnis zwar aus zweiter Hand, aber in ihrer Urwüchsigkeit kaum zu denken in einem industriellen Ballungsraum.
In die Kirchheller Heide nördlich von Bottrop, am Rande der weiten Haardt, wagte der Regionalverband Ruhr die unmittelbare Nähe von Naturschutz und Publikumsverkehr. Breite Wander- und Radwege durchziehen wertvolle Biotope. Ein Experiment, das zu glücken scheint. Zwar teilen sich den 54 ha großen Heidesee Angler mit dem Wassergetier, obwohl das Angeln verboten ist. Schaden nimmt der See offensichtlich nicht. Leider sind die Müllspuren in der Uferregion nach sonnigen Wochenenden nicht zu übersehen.

Rasenerzbildungen an einem Mäander des Eisbaches.
Bild: koestlichkeiten.de

Das gesamte Heide- und Moorgebiet entstand auf einer riesigen Sandbarre, die einstmals mit ihren 900 Quadratkilometern der südwestlichen Küste des kreidezeitlichen Meeres vorgelagert war. Dieser Quarzsand liegt auf der Erde in dekorativen großen Brocken in der Landschaft herum. In dieser Form wird er Schwartensandstein genannt. Der gelbe oder grauen Sand im Boden ist als Rohstoff sehr begehrt, er erweckt das Interesse der Menschen, die ihn großflächig in der Gegend abbauen. Mit Rücksicht auf die Natur, die neben den Menschen-Interessen ihre Chance bekommt. Während der Eiszeit schwemmte ein Geflecht wilder Flussarme von Rhein und Maas tonnenweise Geröll über den Sand in die Kirchheller Heide. Am Rande der Kies- und Sandgruben findet man unter diesen vom Flusswasser glatt geschliffenen Geröllen wohlgeformte Gebilde aus Quarz, die sogenannten Maaseier, dekorative Mitbringsel aus Heide und Moor.

Im Hofladen oder im Straßenverkauf: Der Spargel auf der Heide ist immer frisch gestochen.
Bild. koestlichkeiten.de
Einer der gemütlichen Hofläden auf der Kirchheller Heide.
Bild: koestlichkeiten.de

In dem nährstoffarmen Boden wachsen nicht nur pflanzliche Raritäten, wie fleischfressender Sonnentau, Keulenbärlapp, Wasserschlauch und Glockenheide, sondern auch der Spargel, der sich darin pudelwohl fühlt. Die Landwirte Aldenhoff und Borgmann bauten die ersten weißen Spargel auf der Kirchheller Heide an und starteten 1991 den Verkauf. Neben Aldenhoff und Borgmann sind es heute die Bauern Beckmann, Umberg und Schmücker, die mit schönen Hofläden und Straßenverkaufsständen das edle Gemüse vertreiben. So kam der Spargel in der uralten Landschaft zu seiner noch recht jungen Geschichte.


Spargelbauern in der Region:


http://www.bauer-aldenhoff.de
http://www.beckmann-spargel.de
Borgmann: Telefon : 02045/ 2881
http://www.hof-umberg.de
http://www.schmuecker-hof.de


Der Alte Postweg durchschneidet die Kirchheller Heide von Süd nach Nord. Er bringt die Besucher zu den Schönheiten der Industrienatur und zum Spargeleinkauf. Auf dem Hof Schmücker zum Beispiel kann man sich gar nicht satt sehen an den vielen Leckereien im gemütlichen Hofladen. Das kleine Restaurant hat Charme und die Spargelgerichte auf der Karte auch.

Erdrkötenweibchen am Heidesee in der Kirchheller Heide.
Bild. koestlichkeiten.de

Der Heidesee auf der anderen Seite ist nicht zu überhören. Das ,,Honk honk“ der Kanadagänse und das aufgebrachte Lärmen der seltenen Grauganspopulation mischen sich mit den scharfen Rufen der Haubentaucher. Mit Vergnügen beobachtet man die Reiherenten, die immer mal wieder unter der Wasseroberfläche verschwinden, um plötzlich nach dem Tauchgang an anderer Stelle wieder zu erscheinen. Auf dem Teichgrund am Ufer hocken die ersten Erdkrötenweibchen und warten auf paarungswillige Partner.
Der Gang zur biologischen Station Heidhof führt am mäandrierenden Eisbach vorbei, durch lichte und frühlingsgrüne Birkenwälder. Erste Waldveilchen und Buschwindröschen durchbrechen das Vorjahreslaub und im durch Raseneisenerz rostroten Bachwasser sprießen Sumpfdotterblumen und halten mit dem strahlenden Gelb ihrer Blüten gegen das Grün des an einen Urwald erinnernden Gehölzes. In den Moortümpeln tragen die Teichfrösche den ersten Sängerwettstreit des Jahres aus. Der Eisbach lässt sich nur zeitweise am Weg sehen, ansonsten zieht es ihn in  die Büsche und er schlägt um Schwarzerlen und Seggenbulben Haken. Mancher Prallhang leuchtet rostbraun vom Raseneisenerz.

Kreidezitlicher Schwartensandstein inmitten von Waldveilchen.
Bild: koestlichkeiten.de

Ganz im Norden der Kirchheller Heide lässt sich die Eiszeit ganz nah erleben. In einem kleinen Heidebestand mit Dünen hat der eiszeitliche Wind vor zigtausend Jahren den Sand aufgeweht. Im Naturschutztgebiet Rütterberg kann man ihn liegen sehen und vor lauter Vogelkonzert sein eigen Wort nicht mehr verstehen. Südlich davon, auf der anderen Seite des Weges, beginnen die ,,Untiefen“ des Postwegmoores. Spechte, darunter auch der Schwarzspecht, stecken mit Trommelwirbeln ihre Reviere ab. Auf den Moorwiesen mümmeln in aller Ruhe drei Feldhasen, die zum Glück nicht wissen, dass sie auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehen. Und wenn wir nicht ganz genau wüssten, wir sind hier im Ruhrgebiet und nicht in den Mangrovensümpfen einer tropischen Region, dann müssten wir Angst haben, ein Aligator sperrte im Dämmergrün des Moorwaldes sein Maul auf. Wir lauschen gebannt den Geräuschen aus der Reiherkolonie. In den mehr als 30 Horsten auf den Erlen, die im Sumpf wurzeln, ziehen Graureiher ihre Jungen groß. Irgendwo im Wald wechselt der Rothirsch, der König der Wälder, unbemerkt an uns vorbei.

Idylle pur in der Industrienatur des Ruhrgebiets. Der Heidesee in der Kirchheller Heide.
Bild: koestlichkeiten.de


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