Der begabte und an Naturwissenschaften interessierte Landwirtssohn Albert Seba (1665 – 1736) aus Ostfriesland begann schon früh vor dem Hintergrund der sich formierenden Naturwissenschaften Naturalien zu sammeln. Dass daraus etwas werden würde, woran Zar Peter der Große Gefallen haben, oder worauf sich der große Carl von Linné in seinem Hauptwerk ,,Systema naturae“ häufiger berufen könnte, war in den jungen Jahren des späteren Apothekers Alber Seba noch nicht abzusehen. Wir dagegen können uns heute in den ,,Wunderkammern“ des Ostfriesen staunend verlieren. Der ließ 1731 von mindestens 13 Zeichnern und Kupferstechern seine Sammlungsexponate auf 446 Tafeln abbilden. Wer genug Geld hatte, ließ die schwarzweißen Stiche von Hand nachkolorieren. Der Taschen-Verlag ermöglicht uns in der Reproduktion eines handkolorierten Originals aus der Königlichen Bibliothek in Den Haag ungestört in den Sammlungen Sebas zu stöbern.
Sebas Sammlung, die er von Seeleuten oder direkt vor Ort in aller Welt einkaufte, verfolgte durchaus schon wissenschaftliche Ansprüche. Er stellte die Tiere und Pflanzen nicht willkürlich zusammen, sondern er sortierte sich nach ihrem äußeren Erscheinungsbild. Letztlich fehlte es ihm an methodischer Konsequenz. Auch konnte er der Versuchung nicht widerstehen, eine siebenköpfige Schlange auszustellen, die Seeleute aus Korallen gebaut hatten. Wer in der Betrachtung der Tafeln versinkt, wird zum Beispiel bei den Schmetterlingen den Schwalbenschwanz und den Apollofalter entdecken. Letzterer kommt in der steilsten Weinlage der Welt, am Calmont an der Mosel vor. In den Weinbergen des Winzers Franzen flattert das Wesen, das Seba einst sammelte. Von dort stammt auch der Riesling, den wir zur Buchbetrachtung empfehlen.