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Schloss Johannisberg: Weingeschichte und Qualität

Von der Sonne verwöhnt, die Weinberge des Schloss Johannisbergs.

Die Geschichte des Schloss Johannisberg ist eine wechselvolle, was bei einem Zeitraum von mehr als 1.000 Jahren nicht verwundert. Das Weingut liegt malerisch auf einem der steilsten Hänge des Rheingaus. Der 50. Grad nördlicher Breite, jene magische Grenze des Qualitätsweinbaus, verläuft exakt durch den unterhalb der Terrasse gelegenen Rebhang des imposanten, 1716 errichteten, Traditionshauses. Und der Sage nach soll Karl der Große es gewesen sein, der beobachtete, dass auf diesen Hängen der Schnee zuerst schmolz. Also ließ der Große Karl hier Wein anbauen, der etwa 600 Jahre später zufällig zur Spätlese geriet. Auch wird an diesem Berg seit 1720 nach einer radikalen Flurbereinigung durch Benediktinermönche ausschließlich Riesling kultiviert, die Rebe, die dem gesamten Rheingau zu Ruhm und Ehre geriet. Napoleon, in dessen Besitz Schloss und Berg zeitweilig neben vielen wechselnden Besitzern waren, schwärmte vom Wein Schloss Johannisberg als dem besten Weißwein der Welt. Das Weingut schenkte er trotz alledem einem seiner hohen Bediensteten. Als Geschenk für Verdienste erhielt es auch der österreichische Fürst von Metternich-Winneburg durch die Habsburger. Heute ist die anerkannte Domäne ein modernes Unternehmen in Privatbesitz mit 35 Hektar eigenen Namens plus weiteren 65 Hektar Rebflächen, die zum größten Teil mit Riesling bestockt sind. Die Jahresproduktion beträgt 250000 Flaschen. Der „Weinzehnt“, eine vertraglich festgeschriebene Naturalienabgabe an die Habsburger, wurde bis 1940 in flüssiger Form entrichtet, heute ist bare Münze gefragt.

Durch die Weinberge unterhalb des Schlosses verläuft der berühmte und für den Weinbau wichtige 50. Breitengrad,

Majestäten genießen Riesling vom Johannisberg

Schloss Johannisberg ist über die Jahrhunderte so etwas wie der Kulminationspunkt des Weinbaus im Rheingau, jener kleinen aber sehr feinen Gegend für Rieslingweine. Schloss Johannisberg steht für Landschaft, Kultur und Wein auf Südhängen, der auf steinigem Löss-Lehm von 70 Zentimetern bis zu zwei Metern Dicke auf Quarzituntergrund, mit rotem Ton durchsetzt, reift. Besonders elegante Weine wachsen hier, die u. a. von Queen Mom bei Kerzenschein goutiert wurden.
Auf Premium-Niveau stieß das schwedische Königshaus mit Schloss Johannisberger Riesling Gelblack auf Liebe und Zukunft an. Das Hochzeitsmenü des royalen Festes aus Muschelcarpaccio und Sommersalat mit Trüffeldressing harmonierte perfekt mit dem traditionsreichen Riesling. Der Gelblack steht für klassisch herben oder feinherben Qualitätswein mit überwiegender Ananas- und Walnussnote, die typische Nussigkeit, die in allen komplexen „Johannisbergern“ wahrnehmbar ist.

Eine Kiste ,,Silberlack": Fürst Metternich kennzeichnete seine Flaschen durch Siegellack.

Der Fürst kennzeichnete mit Siegellack

Die Klassifizierung erfolgt seit 1820 durch die Farbe der Verschlusskapsel am Flaschenhals. Zu Zeiten des Fürsten von Metternich, der, lange bevor man Flaschenetiketten drucken ließ, diese ganz eigene Kennzeichnung einführte, wurden die Korken mit farbigem Lack versiegelt. Rotlack steht für Kabinett, Grünlack für Spätlese, Silberlack für Erstes Gewächs, Rosa für Auslese, Rosa-Gold für Beerenauslese, Gold für Trockenbeerenauslese und Blaulack für Eiswein aus gefrorenem Lesegut.
Die Rieslinge waren in den letzten Jahren stetig auf der Hitliste deutscher Weine zu finden. Für die besondere Qualität bürgt der Domänenverwalter Christian Witte, der sich mit seiner Unterschrift zu schlanken, fruchtigen, einfach genialen Weine bekennt. Der Rotlack 2008 verfügt über ein ambivalentes Süße-Säure-Spiel aus Zitrus- und Pfirsicharomen, abgerundet von ein paar Wiesenkräutern. Der Grünlack 2008, eine Spätlese, besticht durch Traubigkeit und einen deutlichen Zitruston nebst Apfel, Pfirsich, Aprikose und Mandel. Der Silberlack 2008, ein Erstes Gewächs, überzeugt durch Geschmeidigkeit mit viel Körperstruktur. Etwas mehr Säurespiel mit prickelnden Spitzen käme meinem persönlichen Geschmack mehr entgegen. Man kann allerdings vermuten, dass er seine volle Größe noch nicht erreicht hat. Leider wollen nur noch wenige Genießer ihren Wein nicht nur trinken, sondern auch lagern. Deshalb werden die meisten Weine heute trocken und trinkfertig ausgebaut.

Der Keller, die Bibliotheca subterranea

Dagegen steht die Meinung, dass halbtrockene Auslesen erst im Alter von 10 bis 15 Jahren oder mehr wesentlich mehr Eleganz entwickeln können. Eine Gastrowertung zeichnete dann auch die Trockenbeerenauslese 2003 mit 99 von 100 möglichen Punkten aus. Schloss Johannisberger Spitzenqualitäten lagerte man schon immer im Keller ein, in der Bibliotheca subterranea, der unterirdischen Bibliothek ohne Bibliografie, beweisen heute mehr als 11000 solcher Kostbarkeiten in Flaschen ihren Stil und ihre Konzentration. Der älteste Wein datiert aus dem Jahr 1748, dem Geburtsjahr Goethes. Also ein Blick zurück mit Stolz. Und auf diesem Stolz gründet sich der Wille, in Zukunft das Potenzial der Spitzenlagen noch zu steigern. Das nenne ich Selbstverpflichtung.

Der Keller, eine Bibliothek voller erlesener ,,Werke".
Weinlese im Schatten des Schlosses.

Der Name Johannisberger steht auch außerhalb Deutschlands hoch im Rang. So wird die Rieslingtraube in Kalifornien Johannisberg Riesling genannt. Info: http://www.schloss-johannisberg.de oder direkt vor Ort in 65366 Geisenheim-Johannisberg montags bis Freitags von 10-13 und von 14-18 Uhr, Sa., So. und an Feiertagen von 11-18 Uhr.
Stuart Pigott widmet in „Weinreisen-Rheingau“ (ISBN 978-3-502-15181-4) der Riesling-Ruhm-Domäne mehrere Seiten. Info: http://www.fischerverlage.de.

Christa Polenz



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