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Special: Die Küche der Römer

Römisches Brot: Fehlte es, war die Staatskrise nicht fern.
Bild: Museum Saalburg

Panem et circensis

In unmittelbarer Nähe der Porta Maggiore in Rom steht bis auf den heutigen Tag ein monumentales Grabmal aus der Zeit um  30 v. Chr., die letzte Ruhestätte des Bäckers Eurysaces. Die Inschrift lautet: ,,Dies ist das Grab des Bäckers Marcus Vergilius Eurysaces, der Unternehmer und Unterbeamter war." Eurysaces lieferte als Bäckereibesitzer sein Brot an den Staat und fungierte als untergordneter Beamter für einen Magistrat oder einen Priester. Das Relief des Grabmales illustriert den Backvorgang in allen Einzelheiten, wie er etwa um 30 v. Chr. üblich war. Die Bedeutung des Brotes und des Bäckerberufes erfuhr durch dieses aufwändige Grabmal  eine Unterstreichung.

Brot nahm eine wichtige Stellung in der alltäglichen Ernährung der römischen Stadtbevölkerung ein; blieben die Getreidelieferungen aus den Provinzen, die für eine Millionenstadt wie Rom immens wichtig waren, einmal aus, war die Staatskrise nicht fern. Der Ausspruch ,,panem et circensis", Brot und Spiele, dike man dem Volk spendieren sollte, um es bei Laune zu halten, zeigt auch die politische Bedeutung des Brotes.

Original römisches Brot aus Herculaneum. Die Feuersbrunst nach dem Vulkanausbruch konservierte es.

Dem Römerbrot fehlte die Leichtigkeit

Wir glauben ja nicht, wie nahe wir bei der Antike sind, wenn wir uns hin und wieder (der Deutsche soll im Schnitt 10 Döner pro Jahr verspeisen) einen Döner, gegrilltes Fleisch im Fladenbrot, gönnen. Ja, Fladenbrot, das ist es, was uns den Römern näher bringt. Das erste Brot der Römer war eben kein Sauerteigbrot, sondern ein ungesäuertes Fladenbrot. Seit dem 1. Jahrhundert bedienten sie sich des Sauerteiges. Einmal im Jahr, während der Weinlese, stellte man eine große Menge Sauerteig her, von dem ein ganzes Jahr Brot gebacken werden konnte. Für den Sauerteig nahm man Hirsemehl oder aber feine Weizenkleie, die mit Most verknetet wurde. Dann formten die Römer kleine Klöße (pastilli), kochten sie in gutem Mehl auf, bevor sie dem Brotteig beigegeben wurden. In Gallien und Spanien benutzten die Menschen bereits Bierhefe, die den Boten eine Leichtigkeit bescherte, die wiederum dem römischen Brot fehlte.

Brot gehörte zum römischen Essen dazu.
Bild: LVR

Brotsortenvielfalt

Wie die römischen Brote ausgesehen haben, wissen wir zur Genüge, da Brot und Brotverkaufsstände oftmals Motive von Wandmalereien waren. Römisches Brot kennen wir auch aus eigener Anschauung. Als der Vesuv 79 n. Chr. die Städte Pompeji und Herculaneum unter Tonnen von Asche und Lapilli begrub, konservierte die Kraft des Feuers jede Menge Alltagsgut der Römer. In Herculaneum fanden Archäologen nicht nur verkohlte Papyrosrollen, sondern auch mehrer Brote, die vor einigen Jahren auf dr Herculaneum-Ausstellung in Haltern-Westfalen zu sehen waren. Es war das pani quadratus, ein runder Leib, der in vier oder mehr Stücke unterteilt ist. Ein einzelnes Teilstück hieß quadrata.

Die Brotsortenvielfalt erreichte in der römischen Zeit beachtliche Vielfalt. Es gab Brote der ,,gehobenen Qualität" aus Feinmehl oder mittlerem Mehl gebacken. Sie trugen Bezeichnungen wie panis candidus, oder panis mundus. Das Brot der ,,zweitbesten Qualität war aus drittbestem Mehl gebacken und das gewöhnliche Brot, von dem sich Bauern, die Armen der Städte und die Sklaven ernährten, bezeichnete man als panis secundarius. Es war aus nichtgesiebtem Mehl gebacken und hatte stark abführende Eigenschaften, wie zeitgenössische Quellen berichten.

Spezialbrote waren Brote aus Milch und Eiern, denen Rosinensaft zugesetzt wurde, aber auch das Brot der Legionäre, das Kommisbrot panis militaris. Es wurde aus groberem Mehl etwas länger gebacken, dass es eine Art Zwiebackcharakter hatte.

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,,Reiseführer" durch die CUT

In der Hafenherberge der römischen Stadt Colonia Ulpia Traiana kann er will, Geschichte auf der Zunge kosten. Er wird feststellen: Der Geschmack ist gar nicht mal so fremd, zumal unsere Gaumen in den vergangenen Jahrzehnten Gefallen an der mediterranen Küche gefunden haben. Dort gibt es römisches Brot und andere Gerichte der antiken Speisekarte. Außerdem speist man auf historischem Boden, in der nördlichsten Stadt des Imperiums. Kaiser Traian gründete die Colonia Ulpia Traiana (CUT) um 100 n. Chr., in deren unmittelbarer Nachbarschaft das mittelalterliche Xanten entstand.

Die römische CUT wurde im Verlauf ihrer Geschichte niemals wirlich überbaut, so dass ihre Mauern und ihr Alltag im Boden verborgen ist. Für die Forschung ein Glücksfall. Auf ihrem Grundriss entstand ein Archäologischer Park. Einige Bauten sind teilweise, andere in Gänze ekonstruiert worden, etwa die Hafenherberge mit Restaurant und Kräutergarten.

,,Colonia Ulpia Traiana" lautet auch der Titel eines Buches zur Xantener Stadtgeschichte, der sich ausschließlich mit Xanten und seinem Umland in römischer Zeit beschäftigt. Wer sich über die Speisekarte der römischen Kultur nähert und sich mehr mit dem ,,Rom in der Fremde", der CUT, beschäftigen will, erfährt in diesem prächtigen Band den aktuellen Stand der archäologischen Forschung. Dieses Buch kann man zwar aufgrund des Formates nicht in die Tasche stecken, es ist dennoch eine Art Reiseführer durch die Zeit der Römer im Umfeld von Xanten.

Vielleicht macht das Buch auch Appetit auf einen Happen in der Hafenherberge, um anschließend die römische Stadt zu erwandern und die Schätze im Römer Museum zubestaunen.

Das Buch ,,Colonia Ulpia Traiana" ist erschienen im Verlag Philipp von Zabern, ISBN-Nr. 978-3-8053-3953-7.

Städtegründer Traian im Buch über die Colonia Ulpia Traiana.


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