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Wie aßen die Ritter ,,AufRuhr"?

Brötchentüten mit dem Ausstellungsmotiv wurden an 1000 Bäckereien ausgeliefert.
Bild: LWL

Große Mittelalter-Ausstellung in Herne

Heißen sie demnächst vielleicht gräfliche Haus- und Burgbäcker, die Bäcker des Ruhrgebiets? Immerhin sind an 1000 Bäckereien Brötchentüten ausgeliefert worden, die den Titel der Ausstellung ,,AufRuhr 1225“ tragen. Jeder bekommt die Burgenherrlichkeit zum Frühstück auf den Tisch. Was gab es aber in den Burggemäuern zum Frühstück oder zu anderen Zeiten auf den Tisch? Wie und was aßen die Menschen des Mittelalters? Fragen, auf die die größte Mittelalterausstellung des Ruhrgebiets keine Anwort gibt. Dafür erzählt sie andere Geschichten, die wir als kulinarisches Magazin zum Anlass nehmen, die Essengeschichten zu ergänzen. ,,AufRuhr 1225“ ist übrigens noch bis zum 28. November diesen Jahres im Archäologischen Landesmuseum in Herne zu sehen. Neben ,,Ruhr 2010“ jetzt ,,AufRuhr 1225“.

Um das Leben der kräftigen Männer in dicken Rüstungen geht es in der Ausstellung.
Bild: LWL

Küchengerät

1000 Exponate vom Ritterhelm zur Reliquie, von der Rüstung zum Kochgeschirr entführen den Besucher in eine Zeit, in der nach dem Untergang der antiken Hochkultur die mitteleuropäische Geschichte erst langsam wieder an Kultur gewann. ,,Immerhin sind Kochgeschirre ausgestellt“ werden Sie sagen. Im großartig aufgemachten Katalogbuch zur Ausstellung heißt es unter ,,Leben auf der Burg“: ,,Die Zubereitung von Mahlzeiten für eine größere Anzahl von Menschen erforderte eine angemessene Infrastruktur und Ausstattung mit Geräten. Eine zentrale Versorgung aller Bewohner wird meist nicht möglich und wohl auch nicht angestrebt gewesen sein.“ Den Unterhaltungswert der Textbeiträge steigern solche Art von Passagen nicht gerade. Auf jeden Fall zeigt uns die Ausstellung Kugeltöpfe, also Keramikgefäße, die als Koch- und Vorratsgeschirre verwendet wurden, dazu dreibeinige ,,Grapen“, Bratschalen, Mörser, Messer, hölzernes Geschirr, diverse Krüge und Kannen, darunter Exemplare aus Silber und Glas. Was aber befand sich in den Kannen?. In einigen Fällen liefert die Ausstellung Antworten. Aus Unna stammt ein Gefäß mit Eiern, die – weil verdorben – in einer Kloake entsorgt wurden. Pfirsichkerne aus dem 12. Jahrhundert wurden auf der Burg Horst in Gelsenkirchen geborgen. Der Burgbesitzer kannte sich mit den Genussfreuden seiner Zeit aus.

Ein wenig spannender erzählen

Uns interessiert nun doch, was in Schüsseln und Kannen auf die Tafeln der Ritter, auf die Tische des Volkes aufgetragen wurde. Eine Ausstellung kann nicht auf alles eine Antwort geben, doch gerade die Küchengewohnheiten geben Aufschluss über das Innenleben der Zeiten. Was hoch oben auf der Burg aus dem Kemenatenfenster flog, diente dem Menschen am Fuß der Burg vielleicht schon als Tagesmahlzeit. Und, die Mahlzeiten auf Schlössern und Burgen unterschieden sich von denen der städtischen Bevölkerung.
Grundsätzlich will ich sagen: Es lohnt sich, nach Herne in die Mittelalter-Ausstellung zu fahren und sich die Zeit damals durch Anschau der Gegenstände näher zu bringen. Die Archäologen und Historiker haben ganze Arbeit geleistet. Wenn sie nur ihre Texte eine wenig ,,populärer“ gestalten würden und nicht immer in ein Forscher-Beamten-Deutsch verfallen würden. Zuweilen ließt es sich wie ein Krimi, wenn die wahre Geschichte vom Mord am Erzbischof Engelbert erzählt wird. Leider halten die Wissenschaftler den spannenden Ton nicht durch.Das Katalogbuch ist ein Prachtstück: Es heißt ,,AufRuhr 1225!“ und ist erschienen im Verlag Philipp von Zabern. Im Buchhandel kostet es 39,90 €.

Höner mit Lemonen haben vielleicht die Herren auf Strünkede in Herne auch gegessen.
Bild: LWL

Rezept aus dem Mittelalter:

Höner mit Lemonen

Wir werden in loser Folge über die Küche des Mittelalters berichten und dabei auch Rezepte vorstellen, die mit Phantasie nachgekocht werden können. Darunter eine ,,Pizza“ des Mittelalters, der sogenannte ,,Heidnische ku:ochen“. Kochbücher gibt es in einigen Exemplaren seit etwa 1350. Aus einem Lübecker Kochbuch von 1570 stellen wir Ihnen heute ,,Höner mit Lemonen“, als Hühner in Limonen vor, im mittelalterlichen Sprachduktus, um sie für die nächsten Folgen auf den Geschmack zu bringen.


Höner mit Lemonen


Nym ein Hon unde suth yd gar yn Waser/ schnyt Lemonen yn einen Pott / gueht dar halff Wyn unde halff Jüchen vom Hone up / unde ein weinch Kromen van wesen Semmeln / lath ydt mör seden / unde thowryff das klein / schlaydt dorch einen dörschalch unde schnyth de Lemonen yn schyven / do daryn krudt / witt Zucker / Safferan/ Engever/ Karneel / gueth das Waser vom Hone / und legge ydt yn de Jüchen / ladt ydt dor mit seden.
Das Rezept entnahmen wir dem Buch ,,Mit Gugel, Pritschholz und Trippe – Alltag im mittelalterlichen Lübeck“, herausgegeben von der Archäologischen Gesellschaft der Hansestadt Lübeck, 1999. In der nächsten Folge bringen wir eine kochbare Version des Hühnchen-Rezeptes.
Harald Polenz

http://www.aufruhr1225.lwl.org



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