Niedriger Ertrag und alte Reben | 
|  Knorrige Weinstöcke hohen Alters können Weine von erlesenem Geschmack und tollem Aroma hervorbringen. Bild: Dieter Simon
|

Beispiele aus Baden
Auch in der Weinwelt taucht die viel besagte Alterspyramide auf, aber anders. Denn immer mehr Genießer begeistern sich für Weine aus jahrzehntealten Reben. Allerdings gibt es in den Weinbergen im Gegensatz zur bundesdeutschen Alterspyramide bei weitem viel weniger Oldies. Kein Wunder, je älter die Pflanzen werden, desto weniger Ertrag liefern sie im Herbst. Dafür belohnen sie ihre Winzer jedoch mit besonders komplexen Weinen. Manchmal steht auf dem Etikett „aus alten Reben" oder ähnlich. Manche Winzer betreiben aber auch Understatement und geben nichts an, auch wenn der Wein von alten Reben kommt. Als schönes Beispiel kann die Laufener Altenberg Spätburgunder trocken EDITION „No. 5" von der Winzergenossenschaft Laufen im badischen Markgräflerland gelten. Durch den niedrigen Ertrag, auch wenn „aus alten Reben" nicht genannt ist, und die aufwändige Handselektion zeigt der Wein einen herrlichen Duft von Brombeeren, Kirschen, feinen Rauchnoten und deutlich mineralischen Tönen. Selbst wenn der Klimawandel richtig durchschlagen sollte, wird man auf diese Weine nicht verzichten müssen.  | 
|  Merh als 30 Jahre alt sind die Stöcke in den Weinbergen der Winzergenossenschaft Wolfenweiler. Bild: Dieter Simon
|

Ausgeprägtes Wurzelnetz
„Die alten Rebstöcke haben eine hohe Stressresistenz bezüglich klimatischen Extremen", versichert Geschäftsführer Karl-Friedrich Seywald. Sehr gefallen hat auch der elegante, feinfruchtige Spätburgunder „Alpha Wolf" trocken von der Winzergenossenschaft Wolfenweiler, der aus über 30 Jahre alten Reben selektioniert wurde, obwohl es auch hier nicht auf der Flasche steht. Das Bukett aus Vanille, Karamel, Kirschen fasziniert. „Insbesondere bei unseren anspruchsvollen Kunden genießt dieser Wein ein hohes Image und bildet sozusagen unseren Leitwolf", berichtet Geschäftsführer Ernst Nickel. „Je älter der Rebstock, desto ausgeprägter ist sein Wurzelnetz. Deshalb sind die Weine nicht nur von hohen Mostgewichten und dichterem Geschmack geprägt, sondern auch konzentrierter an wertvollen Inhaltsstoffen", weiß Bernhard Fischer, Geschäftsführer der badischen Winzergenossenschaft Waldulm, aus Erfahrung. Das schmeckt man nicht nur bei seinem Waldulmer Pfarrberg Spätburgunder Rotwein Spätlese trocken „Alte Reben" (Abb. 3), der sich mit Aromen von schwarzen Kirschen, Heidelbeeren, und einem Hauch Bitterschokolade sowie einem fruchtigen Finish präsentiert, man kann es schon auf Grund der dunkleren Farbe erahnen. Entsprechend sind solche Weine besonders gut für kräftigere Gerichte geeignet, wie etwa Ente, Hirschkalb, Pfeffersteak oder Schmorbraten.  | 
|  Wein aus alten Reben gibt es nur in kleinen Mengen. Bild: Dieter Simon
|

Spätburgunder aus 40jährigen Reben
Beim Weingut Jägle in Kenzingen verwendet man die Bezeichnung „aR" nur für über 40-jährige Reben. Das Aushängeschild, der 2008er Spätburgunder aR trocken (Abb. 4), stammt aus einem 1963 gepflanzten Weinberg. Er präsentiert sich mit einer feinen, intensiven Aromatik aus reifen schwarzen Kirschen, Bitterschokolade sowie Toast, weist eine elegante Tanninstruktur auf und zeigt im Abgang fruchtig-süße Noten wie etwa Pflaumenmus. Ein idealer Begleiter zu Roastbeaf und Wildschwein! Auch der nach roten und schwarzen Johannisbeeren duftende Spätburgunder Spätlese trocken „Alte Reben" der Oberkircher Winzergenossenschaft (Abb. 5) darf zu den Aushängeschildern badischer Weine dieser Kategorie zählen und ist wie alle Weine aus alten Anlagen nur in kleinen Mengen erhältlich.  | 
|  Zum besonderen Anlass: Wein aus alten Reben. Bild: Dieter Simon
|

In der Regel sind durchschnittlich kaum mehr als 2 bis 3 Prozent der Flächen mit alten Anlagen bestockt. Wobei es bisher noch keine Definition in Bezug auf das Alter gibt. Manche Weine sind daher aus über 20-jährigen Rebstöcken, manche aus gut 30 Jahre alten Anlagen und einige Gewächse sind noch deutlich älter. Das ist auf der anderen Seite ein Pluspunkt. Egal ob sie nun 20, 30 Jahre oder deutlich älter sind, als Geburtstagsgeschenk oder zu einem Jubiläum sind solche Weine ein edles Präsent und davon kann man im Gegensatz zu Krawatten, Blumen oder Socken nie genug haben.
Dieter Simon
|