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NRW-Geschichte ,,mit Geschmack"

Geschichte erzeugt Geschmack! Geschmack auf lebendige Vergangenheit allemal. Römische Geschichte schmeckt dann plötzlich nach Schafs- und Ziegenkäse, wenn man die kaiserzeitlichen Käseformen aus Ton sieht und sich dann natürlich Gedanken darüber macht, wie auf den römischen Landgütern eigentlich Käse hergestellt wurde. Derzeit zeigt das Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen als oberste Denkmalbehörde, was die Landesarchäologen in den letzten fünf Jahren aus dem Boden geholt haben. ,,Fundgeschichten“ heißt die große Schau der tollen Funde im Römisch-Germanischen Museum der Stadt Köln, die bis zum 14. November 2010 zu sehen ist und dann ins Archäologische Museum in Herne wandert. In der Ausstellung ist auch die Käseform aus Keramik zu sehen, wie sie auf den römischen Landgütern in Gebrauch war.

Lag in der Kloake eines Adeligen: Eulengefäß aus thüringischer Herstellung.

Käseform und Koppchen

Die Römer des 1. Jh. nutzten für die Milchgerinnung während des Käsevorganges Saft von Feigenbäumen, Lab von Schaf- und Ziegendärmen sowie Blüten von Kardendisteln und Saflorsamen. Die Käseformen waren am Boden und den Seiten durchlöchert, damit unter Druck die Molke abfließen konnte. Die markanten Drehrillen des Bodens drückten sich in den entstehenden Käse ab und gaben ihm sein typisches Äußeres. Der Käse erhielt zur Verfeinerung Thymian, Minze, Koriander oder frische Pinienkerne zugesetzt. Schriftliche Zeugnisse von Cato und Columella berichten von diesen Vorgängen. Die ausgestellte Käseform stammt aus Grabungen im Braunkohletagebau Hambach.
Wenn Kloaken Geschichte(n) erzählen, sind es zumeist intime Dinge, die das stille Örtchen zu berichten hat. Hier erledigten die Menschen nicht nur ihre ganz persönlichen ,,Geschäfte“, sondern sie nutzten das Klo auch als Abfallgrube. So geschehen auch in Höxter auf dem Anwesen des Corveyer Kanzlers Johann Heistermann. Diese adelige Toilette barg mehrere Zentner zerbrochene Glas- und Keramikgefäße. Ein Glücksfall für Mittelalterarchäologen und für uns, weil wir etwas über die Tafelgewohnheiten des 16. bis 18. Jahrhunderts erfahren.

Ein Katalogbuch erzählt spannend die Landesgeschichte.

Töpfe, Pfannen und Südelefanten

Küchengerät, wie Dreibeintöpfe aus Keramik, weitere Schüsseln, Töpfe und Pfannen geben schon ein intensives Bild der Hersteller dieser Gerätschaften und der Ausstattung der Küchen an städtischen Adelshöfen. Im 18. Jahrhundert fand dann feines ostasiatisches Geschirr Einzug in die ostwestfälischen Adelshaushalte. Man trank aus den ,,Koppchen“ Kaffee, Tee oder Schokolade. Dem Nachbarn, Verwandten oder guten Freunden schenkte man auch gern diese feinen Steingutwaren.
Das Ausstellungsbuch der Landesarchäologen blickt nicht nur tiefer in die Ess- und Küchengewohnheiten der alten Nordrhein-Westfalen, sondern belegt auch mit anderen spektakulären Funden die aufregende Geschichte des Landes. Die Paläontologen öffneten ein Fenster ins Tertiär und ermöglichten den Blick auf eine Herde Südelefanten, die hier bei uns unterwegs waren.

Aus zerbrochenen Scherben Erkenntis zur Landesgeschichte gewinnen.

Aus der Zeit, als Teile unseres Landes zum Imperium Romanum gehörten, stammen Funde und Berichte aktueller Ausgrabungen in der antiken Römermetropole Köln, oder aus der römischen Stadt am Rhein, die damals Colonia Ulpia Traiana hieß. Auf der anderen Rheinseite zeugen Aufmarschlager und Kasernen der römischen Armee vom Zug gegen die Germanen.
Und natürlich sollen Ausstellung und der lesenswerte Katalog auch die Bemühungen des Landes mit dem Umgang ihrer Denkmäler unterstreichen. Wir unterstützen dieses durch den Besuch in der Ausstellung in Köln.


Harald Polenz

Infos: http://www.fundgeschichten.nrw.de
          http://www.zabern.de

 



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