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Ein Hering namens Otto

Kochen Sie Norddeutsch? Nee, meist nicht, denn spontan fällt meist nur Labskaus, Großer Hans mit Schweinebacke oder Hering in Sauer ein. Dabei ist die norddeutsche Küche erheblich vielfältiger als ihr Renommee und die alten Rezepte geraten in Gefahr, vergessen zu werden.
Aus diesem Grunde hat das Hamburger Abendblatt mit seinen Lesern und Heinz. O. Wehmann vom Landhaus Scherrer die beliebtesten Gerichte des Nordens ermittelt und vom Spitzenkoch Wehmann etwas modernisieren lassen, so dass sie  leicht nachzukochen sind. Garniert wird das Ganze mit Bräuchen und Geschichten aus dem norddeutschen Raum sowie praktischen Zubereitungs- und Einkaufstipps.
Der Sternekoch Wehmann, dem die regionale Küche in raffinierter Form am Herzen liegt, beweist, dass die norddeutsche Küche Klasse hat und Applaus verdient und dass ein einfaches Krabbenbrot eine Granate sein kann. Wie baut man eine Schildkrötensuppe ohne Schildkröten nach, zumal Schildkröten auf dem Teller tabu sind? Und was tut man mit einem Hering namens Otto oder einem Gurkenfisch?
Heinz O. Wehmann macht aus einem Schnitzel eine Holsteiner Köstlichkeit, die der eigenbrötlerische Geheimrat Holstein in diplomatischen Diensten sicher nicht gegessen hat. Und ob man Schnüsch nun mit einem oder zwei ü wie Schnüüsch schreibt, ist völlig unerheblich. Kaum einigt man sich darauf, welche Gemüsesorten in diesen fleischlosen Eintopf gehören. Und Kartoffelpuffer mit Quittenkompott ist nicht nur ein äußerst leckeres Essen, es ist auch eine Rettungsaktion für die Quitte. In Norddeutschland gab es die Tradition, zu Weihnachten Quittenbrot herzustellen. Doch leider ist die Herstellung dieses Trockenmuses in Vergessenheit geraten wie auch die Frucht. Langsam erlebt diese wirtschaftlich völlig unbedeutende Schöne, die für Klugheit, Liebe, Glück und Fruchtbarkeit steht, eine kleine Renaissance und es besteht Hoffnung, dass sie nicht ganz verschwindet. Nur die Wiederentdeckung in der Küche rettet sie vor dem Aussterben. Und reif ist die Zeit auch für die Auferstehung der Steckrübe, der elegant als Mus oder zu Fisch zubereitet ein herbsüß-würziges Verführungspotential innewohnt. Und aus gutem Hause, nämlich dem der Buddenbrooks von Thomas Mann entstammt der Plettenpuding, der heute als Lübecker Spezialität gilt. Ungeklärt ist die Bedeutung des Wortes, was seiner Schmackhaftigkeit aber keinen Abbruch tut. Wahrscheinlich handelt es sich um einen etwas abgewandelten Diplomaten- oder Kabinettpudding, der früher sehr populär war.
Auch der Große Hans hat viele Namen und viele Erscheinungsformen. Die Vriante von Heinz O. Wehmann wird mit Früchten als Dessert serviert. Noch heute gilt der Große Hans als eine Art Nationalgericht des Nordens. Geliebt haben ihn in alten Zeiten besonders die Dithmarscher und natürlich gibt es fast so viele Rezepte wie es Dithmarscher gibt. Also ran an Geschichten und Gerichte aus dem Norden, sie ersetzen zwar keine Ferien, sind aber unterhaltsam und lecker. Infos: http://www.abendblatt.de Hamburger Abendblatt Edition ISBN: 978-3-939716-39-6 Preis: € 19,95



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