 - Smarft, genial, kocht sterneverdächtig: Nelson Müller aus Essen.
Schulter an Schulter mit Lafer, Linster und Schubeck
Natürlich kennt man das smarte junge Kochgenie schwarzer Hautfarbe mit dem urdeutschen Namen ,,Müller“. Natürlich ist er schon tausendmal gefragt worden, warum dunkelhäutig und warum ,,Müller“? Also noch einmal zum mitschreiben: Nelson Müller ist der Sohn einer Schneiderin und eines Botschaftsangehörigen aus Ghana, wuchs bei deutschen Pflegeeltern in Stuttgart auf, die nun mal Müller heißen. Woher kennt nun jeder – vielleicht nicht jeder, aber die Leckerschmecker – Nelson Müller? Er ist das, was man einen ,,Fernsehkoch“ nennt. Ja, richtig, der, der häufig freitagabends im ZDF Schulter an Schulter neben Johann Lafer und Alfons Schubeck den Fernsehzuschauern das Wasser im Mund zusammen laufen lässt und den herzlichen, aber ungestüm vorgetragenen Zärtlichkeiten von Sterneköchin Lea Linster standhalten muss. Lassen wir das, sprechen wir über Nelson Müllers Passion, das Kochen! Darum haben wir ihn in seinem Restaurant ,,Schote“ im Essener Süden besucht.
 - Hommage an den schwarzen Kontinent: Zebramuster auf Maultaschen.
,,Wenn man hier so sitzt, ist es doch wunderschön!“, sagt der Koch, der für einen Moment seine Küche verlassen und bei uns auf der wunderschönen Terrasse der ,,Schote“ Platz genommen hat. Dass es im Ruhrgebiet auf eigenwillige Weise schön ist und wir das so empfinden, dazu trägt der ,,Schwarze Küstenseeteufel mit Artischocken-Passepierre-Risotto und Tomaten-Koriander Sugo“ bei, den der Maestro kurz zuvor für uns zubereitet hat. Auffällig sind ebenfalls die Maultaschen, gefüllt mit Kaninchen, von außen wie gelb glasiert und schwarz gestreift. Müllers Hommage an seine Heimat, an den dunklen Kontinent, an die Wiege der Menschheit. Vielleicht das einzig augenfällige des ansonsten wohltuend folklorefreien Ambientes der ,,Schote“. Auf einigen Dekors kehrt das Zebramuster wieder, doch, die sind lange nicht so interessant, wie die Kaninchenmaultaschen von ausgesuchtem Geschmack. Müller sorgt für
 - Nicht nur in der Küche vom Feinsten: Die ,,Schote" hat feines Ambiente.
,,Gaumensex“, wie er selbst die sanften Geschmackswallungen auf den Zungen seiner Gäste nennt.
Multikulturell
Fernsehkoch hin, Fernsehkoch her: ,,Wichtig ist es, Koch zu sein, mit eigenem Restaurant und eigenen Mitarbeitern. Nur dann kann ich im Fernsehen authentisch kochen. Vor der Kamera mach ich nichts anderes, als hier in meiner Küche. Alles andere würde mir nicht ausreichen. Das war der Grund, warum ich ein Restaurant eröffnet habe, weil ich nicht nur ein Fernsehkoch sein möchte.“ Lässt sich in der Küche noch Neues entwickeln, oder verändert der Koch immer neu Altbekanntes? Köche gehören zu den Kreativen und Nelson Müller ist der eigene Stil, die eigene Handschrift wichtig: ,,Die musst du finden, darüber kannst du dann was Neues schaffen.“ Das hat was, so der Maestro, mit der eigenen Sichtung, der eigenen Weltanschauung zu tun: ,,Meine Weltanschauung ist eine bunte. Sie ist multikulturell, modern im Jetzt. 2010. So schmeckt auch meine Küche.“
 - Lernte sein Handwerk bei Sterneköchen, die Kreativität kommt aus ihm selbst.
Nelson Müller liebt Soulfood
Nun darf man vermuten, Nelson Müller schließt sich mit seinen afrikanischen Verwandten kurz, um Rezepte der afrikanischen Küche zu tauschen. Auch in diesem Fall siegt das Multikulturelle über das Fokloristische. Gibt es afrikanischen Einfluss in der Küche der ,,Schote“? ,,Nur bedingt. Wo immer es passt, werde ich den mit anderen Einflüssen kombinieren“, antwortet er. Sein Lieblingsessen? ,,Ich esse am liebsten Soulfood, Dinge, die guttun: Eintöpfe, Schmorgerichte, die die Mutter früher gemacht hat.“So scheint er durch das Essen der Kindheit in seiner Spitzenküche heute geerdet. Nelson Müller lernte das Handwerk bei Sterneköchen wie Henri Bach vom ,,Residence“ (zwei Sterne) in Essen, die künstlerische Kreativität kommt aus ihm selbst. Er hätte auch Musiker werden können, nahm Gesangsunterricht, tingelt mit einer Band, macht leidenschaftlich gerne Musik. Doch, die Priorität setzte er beim Kochen: ,,Beim Kochen kann man kreativ sein. Man muss nur selbst entscheiden, wie weit man das ausleben möchte, dann kann man es auf verschiedenste Weise tun.“
 - Feinste Gaumenschmeichler als Grüße aus der Küche. So lecker gab es Blutwurst selten.
Während wir den Sommerabend auf der Terrasse der ,,Schote“ verplaudern, lässt Nelson Müller kleine und kleinste kunstvolle Grüße an unsere Gaumen auftischen. Da sehen wir durch das Geäst der Bäume erste Sterne leuchten.
Harald Polenz
Infos Nelson Müller:
http://www.restaurant-schote.de
http://www.food-flavour.de
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