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Keiner kocht wie Kruse

Weltgewandtes Managment sorgt für gewünschte Bodenständigkeit in der Lüneburger Heide: Drei-Sterne-Hotel ,,Acht Linden" in Egestorf.

Alle Heidschnucken des Naturparks Lüneburger Heide würden am liebsten vor dem Küchenfenster des Dreiständer-Bauernhauses an der Alten Dorfstraße 1 in Egestorf stehen. Weil sie leckere zubereitet werden wollen, wie in den ,,Acht Linden". Denn dort steht Walter Wilhelm Kruse (61) am Herd und kocht die leckersten Schnuckengerichte der gesamten Lüneburger Heide und noch so manch anderes Rezept seiner Mutter, leicht verfeinert für heutige Feinschmeckergaumen.

Walter Wilelm Kruse, den wir der Einfachheit halber WWK nennen, ist vor allem Koch und Kaufmann, je nachdem welche Eigenschaften gerade gefragt sind. Auf jeden Fall bezeichnet er die Küche als Herzstück seines Betriebes, des Drei-Sterne-Superior Hotels ,,Acht Linden" direkt gegenüber der kleinen historischen Dorfkirche St. Stephanus, in der weiland der berühmte Heidepastor Wihelm Bode für den Naturschutz und gegen den Ausverkauf der Heide predigte.

Walter Wilhelm Kruse (re) mit seiner charmanten Frau Susanne (sitzend) und seinen Söhnen in der blühenden Heide.

Genialität aus Weltgewandtheit und Heimatverbundenheit

WWK ließ sich im Hamburger Hotel ,,Europäischer Hof" zum Hotelkaufmann ausbilden,arbeitete dann in Loeche les Bains in der Schweiz, in London, Wien, Tegernsee und München. Dann stand er vor der Alternative: Direktor bei Mövenpick zu werden oder nach Hause in die Heide zurückzukehren. WWK entschied sich für die Heide, baute Gastronomie und Hotel der Eltern so um, dass sie zeitgemäßen Ansprüchen genügten und brachte einen Hauch Weltgewandtheit in den Naturpark.

Weltgewandtheit, was die kaufmännischen Angelegenheiten und die Kochkünste betraf, jene Weltgewandtheit, die sich gepaart mit Heimatverbundenheit zur Genialität verwandelt. Darum versieht WWK seit 28 Jahren mit Engagement das Ehrenamt des Bürgermeisters mit Kreistagsmandat seiner Gemeinde. Walter Wilhelm Kruse hat sich den internationalen Wind um die Nase wehen lassen und dabei die Bodenhaftung nicht verloren.

Der Küchenchef, Hotelmanager und Bürgermeister fühlt sich dem Egestorfer Pastor Wihelm Bode sehr verbunden und wesensverwandt. Wer die Quellen studiert, entdeckt am Pastor und am Bürgermeister durchaus ähnliche Charakterzüge.

Heidschnuckenherde bei Egestorf-Döhle.
Bilder: Polenz

Geschmacksknospen tanzen Walzer

Das Hotel ,,Acht Linden" besitzt eine Unternehmensphilosophie, die für die Geschäftsführung und jeden Mitarbeiter bindend ist. Für Hotelbetriebe äußerst selten. Bei den ,,Acht Linden" findet man darin folgenden Punkt:

,,Erstklassige und hochwertige Nahrungsmittel einsetzen und wann immer möglich frische Produkte aus der Region nach alter Tradition veredeln und zu leistungsgerechten Preisen verkaufen."

Und die Heide besitzt einige interessante Eigengewächse, die in der Küche zu den köstlichsten Speisen zu veredeln sind. Als da wären die Heidschnucken, jene Abkömmlinge korsischer Wildschafe, deren Fleisch weder nach Schaf noch nach Wild schmeckt, sondern ganz eigene Nuancen aufzuweisen hat.

Dann ist da der Buchweizen zu nennen, den der Verein Naturpark auf einigen Versuchsfeldern bei Wilsede anbaut, der sowohl zu herzhaften Gerichten, als auch zu den herrlichsten Torten verarbeitet werden kann. Buchweizenhonig aus der Heide hat einen sehr eigenwilligen Duft und Geschmack, wer ihn so nicht essen mag, sollte ihn für die Küche nicht verschmähen.

Walter Wilhelm Kruse bereitet den Heidschnuckenbraten in Wacholderrahm zu. Passend dazu gibt es Rotkohl, Apfelmus mit Kronsbeeren und Heidekartoffeln. Ich versichere, da geht ein Fest auf der Zunge ab, die Geschmacksknospen tanzen Walzer.

Blick vom Hotel ,,Acht Linden" auf die historische Dorfkirche, in der der legendäre Heidepastor Bode predigte.
Bild: Polenz

Kruses Küche nicht links liegen lassen

Ebenso ergeht es dem, der auf den Seiten der Speisekarte mi den regionalen Gerichten sich für ,,Plückfleisch mit Trockenobst" entscheidet. Das Plückfleisch - das heißt soviel wie von den Knochen gepflücktes Fleisch - war, mit Suppengrün und Trockenobst gekocht, früher ein bei den armen Heidebauern sehr beliebtes Essen, das der Hochzeitsgesellschaft zur Stärkung vor dem Kirchgang serviert wurde. Das Rezept verrät uns WWK an anderer Stelle auf diesen Seiten.

Die Lüneburger Heide ist eine der größten Erlebnislandschaften der Republik, aber auch und vor allem - dank solcher Köche wie Walter Wilhelm Kruse - eine kulinarische Erlebnisregion, die aus den Schätzen der Landschaft schöpft. Schon Pastor Bode hätte gepredigt, dass man die Heidschnucken, um sie zu erhalten, essen muss, am leckersten in Wacholderrahm, so wie sie WWK zubereitet.

Wer nach Egestorf, dem Tor zum Naturpark kommt, sollte Kruses Küche nicht links liegen lassen. Der Aufenthalt wird aber auch durch  andere Annehmlichkeiten verfeinert: freundlicher Service, reichhaltiges Frühstück mit hausgeräuchertem Schinken, wohnliche Zimmer und ein schnuckeliges Heidedorf, ein wenig, wie aus dem Bilderbuch.

Harald Polenz

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