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Kräuter aus dem Garten des Kaisers

Buch für Bücher- und Küchenfreunde

Die Madonnenlilie (Lilium candidum L.) fand ich jüngst in einem nachgebildeten Klostergarten in Essen-Werden und sie erinnerte mich an die bei uns auch wild vorkommende Türkenbundlilie, mit der die Madonnenlilie auch verwandt. Letztere bildet auf jeden Fall die Stammform aller Lilienarten. Sie steht neben anderen Kräutern und Pflanzen in einem Verzeichnis Karls des Großen zur Verwaltung der Landgüter in seinem Reich. In ihm ließ der große Karl alles auflisten, was unbedingt in seinen Gärten zu wachsen hätte. Diese Verordnung, das ,,Capitulare de villis vel curtis imperii“ ist die einzig überlieferte aus einer ganzen Reihe von Kapitularien. Es stammt aus der Zeit um 800 und zeigt die Art und Weise des Kaisers Karl, wie er sein weites Reich verwaltete. Kaiser Karl war ein Reisekaiser, denn sein Reich reichte von Friesland im Norden bis zum Baskenland im Süden, in Italien bis Rom, von Aquitanien im Westen bis in den Osten die Elbe entlang über Böhmen bis Kärnten. Der Kaiser war d.u., dauernd unterwegs. Durch ein Netz von Stützpunkten war es möglich, den Landesherrn und seine Gefolgschaft zu versorgen. Pfalzen, Klöster und Landgüter übernahmen die Versorgung mit Lebensmitteln. Und im Capitulare de villis vel curtis imperii stand genau, wie die Domänengüter ausgerüstet sein sollten und was der Kaiser in die Gärten zu pflanzen wünschte.

Die Madonnenlilie steht im Verzeichnis des großen Karl.
Bild: koestlichkeiten.de
Die Zaunrübe fand ich an der Südlichen Weinstraße.
Bild: koestlichkeiten.de

Das Buch ,,Obst, Gemüse und Kräuter Karls des Großen“, erschienen bei Philipp von Zabern, behandelt ausführlich die Bedeutung der Kapitularien. Vor allem aber die ausführliche Pflanzenliste aus dem Kapitel 70 der kaiserlichen Verordnung. Von den 73 aufgezählten Pflanzenarten konnten 42 in frühmittelalterlichen Befunden im Frankenreich nördlich der Alpen nachgewiesen werden. Darunter auch die schon erwähnte Madonnenlilie, aber auch die Weiße Zaunrübe, die ich in meinem Garten einmal kultiviert habe und die mir jüngst an der Südlichen Weinstraße begegnete.

Herrliche Abbildungen machen das Buch zum Genuss.

In der Liste stehen viele Bekannte, die man selbst im Garten hatte oder die man in botanischen Gärten oder bei Freunden gesehen hat. Wer kocht, dem wird das eine oder andere Kraut Karls des Großen nicht unbekannt sein, wie Kümmel und Kreuzkümmel, Koriander und Fenchel, Liebstöckl und Senf. Mispeln, Birnen und Äpfel wünschte sich der Kaiser in den Gärten seiner Güter, Küchenzwiebel, Knoblauch und Muskatellersalbei.
Ein wunderschönes Buch, jedem Küchenfreund oder Freund ausgefallener Bücher empfohlen.

Obst, Gemüse und Kräuter Karls des Großen
Philipp von Zabern
ISBN 978-3-8053-3879-0
Preis: 44,90 €



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