Buch für Bücher- und Küchenfreunde
Die Madonnenlilie (Lilium candidum L.) fand ich jüngst in einem nachgebildeten Klostergarten in Essen-Werden und sie erinnerte mich an die bei uns auch wild vorkommende Türkenbundlilie, mit der die Madonnenlilie auch verwandt. Letztere bildet auf jeden Fall die Stammform aller Lilienarten. Sie steht neben anderen Kräutern und Pflanzen in einem Verzeichnis Karls des Großen zur Verwaltung der Landgüter in seinem Reich. In ihm ließ der große Karl alles auflisten, was unbedingt in seinen Gärten zu wachsen hätte. Diese Verordnung, das ,,Capitulare de villis vel curtis imperii“ ist die einzig überlieferte aus einer ganzen Reihe von Kapitularien. Es stammt aus der Zeit um 800 und zeigt die Art und Weise des Kaisers Karl, wie er sein weites Reich verwaltete. Kaiser Karl war ein Reisekaiser, denn sein Reich reichte von Friesland im Norden bis zum Baskenland im Süden, in Italien bis Rom, von Aquitanien im Westen bis in den Osten die Elbe entlang über Böhmen bis Kärnten. Der Kaiser war d.u., dauernd unterwegs. Durch ein Netz von Stützpunkten war es möglich, den Landesherrn und seine Gefolgschaft zu versorgen. Pfalzen, Klöster und Landgüter übernahmen die Versorgung mit Lebensmitteln. Und im Capitulare de villis vel curtis imperii stand genau, wie die Domänengüter ausgerüstet sein sollten und was der Kaiser in die Gärten zu pflanzen wünschte.