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Faszination Kochen bei Martin Suter

,,Ich schreibe nur, was ich selbst gerne lesen würde“, plauderte Martin Suter einem Redakteur ins Mikrofon. Ja dann, lieber Martin Suter, muss dir ,,Der Koch“ nicht so gut gefallen haben, schon eher die Auseinandersetzung mit der molekularen Kochkunst. Nun kann Molekularkünstler Heiko Antoniewicz seine Gäste schon faszinieren, ich habe ihn selbst bei Dr. Oetker in Bielefeld erlebt. Dort zauberte er aus Oetkers Götterspeise exquisite Vorspeisen.
Jetzt aber im Ernst: Suter wird gelobt für seine raffinierten Plots und man sagt ihm nach, nahezu filmisch zu schreiben, also die Drehbücher für seine Romane gleich mitzuliefern. Dieser Suter war anders! Er erzählt die Geschichte des illegal in Zürich lebenden Tamilen Maravan, der als Hilfskraft in der Küche eines Sternerestaurants miterleben muss, wie die Stars am Herd schlampen. Maravan kann es besser, denn er hat in seiner Heimat von einer Tante die Kunst der aphrodisischen Küche gelernt.

Heiko Antoniewicz - hier bei Dr. Oetker in Bielefeld - kochte für den Romanautor Martin Suter.
bild: koestlichkeiten.de

Kochen, die Kunst des Verwandelns, des Veränderns, zieht Suter so in den Bann, dass der Konflikt des Tamilen, der neben des täglichen Überlebenskampfes den Niedergang seines Volkes, seiner Landleute, seiner Verwandten mit erleben muss, neben der farbenprächtigen Kochkunst etwas blass und unpersönlich gerät. Essen kann den Menschen umbringen. Vor allem wer es maßlos treibt. Die Maßlosen kennt Martin Suter aus eigenem Erleben, als er noch als Kommunikationer sein Geld verdiente. Auch das Gruselkabinett der Gierigen, die in ihrer Gier umkommen, bleibt angesichts dessen, was der Titel ,,Der Koch“ an Farbigkeit verspricht, seltsam grau.

Maravan bewegt Gewürzblätter, wie die Seiten eines kostbaren Erstdrucks. Suter sah dem Heiko Antoniewicz aufmerksam über die Schulter in Töpfe und Tiegel. Maravan wird zum Hexenmeister, zum Zwerg Nase auf der Suche nach dem Kräutchen Niesmitlust. So ist der Politkrimi letztendlich ein Buch über die Schönheit und die Faszination des Kochens. Ein Lesegenuss, wenn auch nur als Appetitanreger für den nächsten Suter. Nicht nur wegen der Rezepte aus der Zauberküche des Heiko Antoniewicz im Anhang, bleibt auch ,,Der Koch“ zwar kein Meisterwerk, aber anspruchs- und lustvolle Unterhaltung.
Harald Polenz

Info:
Martin Suter:
Der Koch
Diogenes Verlag 2010-05-06
ISBN 978 3 217 86193 8
http://www.diogenes.ch

 



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