Von Hobby-Rittern und Lagerköchen
Im Mittelalter kann es durchaus sein, dass arme, abhängige Bauern ihr Leben lang kein Fleisch gegessen haben, es sei denn, sie hätten ein Schwein oder Kalb gestohlen oder ein Stück Reh oder Hirsch gewildert. So ist die Quellenlage zur Ernährung im Mittelalter. Was als ,,historisches Kochbuch“ daher kommt, ist oft nur die Wiedergabe der romantischen Vorstellungen des Autors von mittelalterlicher Küche. Speziell geht es um das ,,Ritter Kochbuch“ von Heiko Schwartz aus dem Felix-Verlag, der sich – nach Verlagsangaben – mit mittelalterlichen Kampftechniken beschäftigt. Hätte er doch ein Buch über den Schwertkampf und nicht über die Küche geschrieben, dann wäre es nicht zu solch haarsträubenden Fehleinschätzungen gekommen, wie man sie im Ritter-Kochbuch lesen kann: ,,Der Bauer selbst aß wahrscheinlich hauptsächlich Schweine, Hammel, Ziegen, Gänse . . .“ Weit gefehlt, Herr Hobby-Ritter, das ist schlichtweg falsch und entspricht nicht dem Stand der Forschung. Einige Gerichte des Buches scheinen durchaus nachkochbar und schmackhaft, aber die Rüstung sollte man dabei außen vor lassen, denn Mittelaltergefühl kommt dabei nicht auf.