Ohne Frühstück geht er nicht aus seinem Haus in der Allgäuer Provinz, der ewig grantelnde Biedermann Kluftinger, von Beruf Hauptkommissar und Kultfigur. Bedingt durch seine oft eingeschränkte Weltsicht kommt er behäbig aber auch durchtrieben dem ein oder anderen Skandal oder Verbrechen auf die Spur. Und das bedarf der Stärkung zwischendurch und überhaupt. Eigentlich hat er immer Appetit. Dieses stattliche Mannsbild mit strämmenden Kniebundhosen pflegt eine Leidenschaft für Kässpatzen, Zwiebelrostbraten, Speckzelten, Gschwollene, Käsekuchen und Zwetschgendatschi. Deftig muss es sein und aus Mamas Küche oder aus der seiner Frau Erika. Bei Kuchen schlägt Kluftingers Herz für konventionelles Backwerk ohne Brimbamborium. Und immer schön mit Früchten der Saison, weil die einfach besser schmecken und dazu noch preiswerter sind. Einen solide gemachten Apfelkuchen muss die Erika dann immer verstecken. Der „Klufti“ ist ein Pfennigfuchs, zwar nicht wirklich geizig, aber er achtet halt aufs Geld und lässt sich zu teuren Gerichten lieber einladen. Und fortgeworfen wird halt auch nix. Aus altem Brot macht man Brotsuppe oder Arme Ritter, die Kartoffeln vom Vortag ergeben Gröstl oder Käskartoffeln. Und es muss auch nicht jeden Tag Fleisch auf den Teller, sechsmal die Woche reicht. Nur Mehlspeisen findet er nicht so lustig, schon gar keine süßen. Wenigstens eine salzige Suppe als Vorspeise braucht er, sonst bleibt diese unbefriedigte Leere. Aber diese Suppe muss mit „ordentlich was drin“ serviert werden, also wieder was für gestandene Mannsbilder sein. Und bitte, ohne kulinarische Experimente. Und da wären noch die kleinen Stärkungen zwischendurch, denn der Alltag von „Klufti“ ist hart und kräftezehrend. Notfalls bringt der Kluftinger die auch selber hin, die Tellersulz mit Essig und Öl und einer dicken Scheibe Schwarzbrot oder den Käsestrudel aus Bergkäse, gekochtem Schinken und Frischkäse mit Schnittlauch. Aber am besten schmeckts dem Buben halt bei Muttern, auch wenn der Bub schon über 50 Jahre alt ist und die Mutter nur auf verhaltenes Lob hoffen darf. „Gar nicht mal ganz schlecht, Mutter!“ Bei Gulasch à la Kluftingers läuft dem Kommissar schon bei Nennung des Namens das Wasser im Mund zusammen. Kluftinger konzentriert sich ganz auf das, was auf dem Teller liegt, ob Fleischküchle, gefüllte Kalbsbrust, Schweinebraten oder Rahmgeschnetzeltes. Er kann und will auch gar nicht über den Tellerrand hinaus schauen. Nur wenn die Köche vertrauenswürdig sind, weicht er von der familiären Norm ab und goutiert Frau Strobls Rindsrouladen oder den Rostbraten mit Zwiebeln der benachbarten Betriebskantine. Alles, was die Allgäuer Küche ausmacht und er liebt, ist im Allgäuer Filettöpfle versammelt: viel Fleisch, Spatzen, Käse. Ein Sößle und ganz viel Geschmack. Vorgeschrieben sind bei Kluftinger übrigens mindestens fünf Mahlzeiten pro Tag. Um nicht vom Fleisch zu fallen. Das Essen erfüllt für Kluftinger eine wichtige Funktion. Er kann dabei abschalten und nachdenken und dabei noch die ungelösten Verbrechen aufklären. Kluftingers Mantra ist „Hmmmmm“. Unschwer an seinem Bauchumfang zu erkennen. Das Kluftinger Kochbuch „Mahlzeit“ von V. Klüpfel und M. Kobr (ISBN 978-3-88472-890-1) ist für € 19,95 bei christian erschienen. Die Rezepte wurden zusammengestellt von Silke Kobr, der Ehefrau von Michael Kobr. Ihre Leidenschaft gilt der guten Küche und dem Experimentieren am Herd. Das Komplett-Programm des Christian-Verlags und Infos finden Sie auf http://www.christian-verlag.de
Zum Kaffee eine kleine Nascherei à la Kluftinger:
Zwetschgendatschi:
Zutaten:
20 g frische Hefe
90 g Zucker
200 ml lauwarme Milch
400 g Mehl
1 Prise Salz
1 Ei
75 g zerlassene Butter
1 kg Zwetschgen, gewaschen und entsteint
Etwas Zimt und etwas Zucker
Zubereitung:
Die Hefe mit etwas zucker in einem Schälchen verrühren und etwas lauwarme Milch dazugeben.
Das Mehl auf ein Backblech sieben. In die Mitte eine Mulde drücken und das Milch-Hefe-Zucker-Gemisch hineingießen. Den Teig mit etwas Mehl bestäuben und 15 Minuten gehen lassen.
Das Salz, das Ei, den restlichen Zucker, die restliche lauwarme Milch und die Butter zu dem Teig geben und kräftig kneten. Den Hefeteig nochmals 30 Minuten gehen lassen.
Den Backofen auf 200 Grad verheizen.
Den gegangenen Teig nochmals kurz durchkneten und auf einem gefetteten Backblech ausrollen. Einen fingerdicken Rand formen. Die Zwetschgen mit der Wölbung nach unten dicht nebeneinander auf den Teig legen.
Das Backblech in den vorgeheizten Backofen schieben und den Zwetschgendatschi 30 – 40 Minuten backen.
Das Backblech aus dem Backofen nehmen und den zucker und den Zimt auf den heißen Kuchen streuen. Den Datschi mit Schlagsahne servieren.