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Genießerreise (III): Espressotrinker

Mit dem neuen Vollautomaten von Solac behält jeder Kaffee seinen speziellen Geschmack.
Bild: koestlichkeiten.de

Kaffeehäuser seien ein ,,rechtes Asyl für Menschen, die die Zeit totschlagen, um von ihr totgeschlagen zu werden“, schrieb Alfred Polgar. Und er schob noch eine genauere Definition dieser Einschätzung nach: ,,Seine (des Kaffeehauses) Bewohner sind größtenteils Leute, deren Menschenfeindschaft so heftig ist wie ihr Verlangen nach Menschen, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen. Ihre Innenwelt bedarf einer Schicht Außenwelt als abgrenzenden Materials. Ihre schwankenden Einzelstimmen können der Stütze des Chors nicht entbehren. Es sind unklare Naturen, ziemlich verloren ohne die Sicherheiten, die das Gefühl gibt, Teilchen eines Ganzen (dessen Ton und Farbe sie mitbestimmen) zu sein.“ Soviel Kaffeehausphilosophie auf einmal!
Das Kaffeehaus sei trauter Herd, Rettungsstation für Zerrissene, eine Organisation der Desorganisation, ein Provinznest im Schoß der Großstadt , dampfend von Klatsch, Neugier und Médisance (üble Nachrede).

Im Grugapark in Essen gibt es einen kleinen ,,Kaffeegarten", in dem man sich auf Tafeln informieren kann. Dazu gibt es im Sommer echte Kaffeesträucher zu sehen.
Bild: koestlichkeiten.de

In den Kaffeehäusern schwebt der Geist der Geistesgrößen Europas im Duft der dampfenden Tassen, mal sehr geistreich,, mal so leer wie der Inhalt eines Luftballons", aber immer duftend! Reisende in Sachen Kaffee suchen diese Atmosphäre im ,,Antico Grecco“, in dem schon Goethe während seines Rom-Aufenthaltes genoss, oder im ,,Taza d’Oro“ in der Tiberstadt, im ,,Central“ in Wien oder im ,,Café des Westens“ in Berlin, das  von einem Italiener gegründet wurde. Kaffee ist immer auch Poesie und produziert scheinbar auch dieses wertvolle Gut.

Traditionen

Die Italiener bereiten den Kaffee anders zu, als die Österreicher. Die Niederländre entwickelten eigene Spezialitäten, in den jüdischen Gemeinden kennt man andere Zubereitungsarten als in türkischen oder griechischen Kaffeestuben. Was unterscheidet den Espresso vom Mocca, den Capuccino von der Melange, schmeckt Eierlikör zum Kaffee oder sollten einige Tropfen Zitrone oder Orange zugegeben werden? Die Welt des Kaffees ist gewebt aus verschiedenen Nuancen des Duftes und des Geschmacks. Von den sephardischen Juden erzählt der Schriftsteller Harold Nebenzal: ,,Mein Vater trinkt seinen türkischen Mokka. Das winzige Täßchen verströmt die süße Bitterkeit des mit Orangenblütenessenz aromatisierten Kaffeesatzes; der Duft mischt sich mit dem der berauschenden Blüten, die unseren Balkon schier erdrücken. Der Gedanke bleibt unausgesprochen. So möge es weitergehen bis in alle Ewigkeit. Inschallah.“

Kaffeestrauch mit grünen Kaffeekirschen.
Bild. koestlichkeiten.de

Österreicher könnten ebenso poesievoll vom Doppelmocca, vom Fiacer oder Melange erzählen. Wer kann sich vorstellen, dass gerade die Finnen den höchsten pro Kopf Verbrauch an Kaffee aufweisen können? In spanischen Kaffeebars beobachtete ich zu gewöhnlicher Stunde am Tag zwei ältere Damen, die ihren Café Carachio – das meint in Spanien den Espresso mit Carachio-Weinbrand versetzt – Schlückchen für Schlückchen schlürften und währenddessen ein Gespräch von mindestens einer Stunde führten. Die Italiener nehmen Grappa zur Veredelung.
Weltberühmtheit erlangte die italienische Kaffeekultur, die sich übre die ganze Welt verbreitete. Hier könnte die Erhöhung der Kaffeepreise eine Revolution auslösen. Die Qualität des Kaffees wird in Italien so leidenschaftlich diskutiert, wie vergleichsweise vielleicht noch Fußballergebnisse. ,,Die Welt“, sagt Andreas Illy, Chef der traditionsreichsten Kaffeerösterei in Italien, ,,lässt sich in zwei Sorten Menschen einteilen. In Espressotrinker und andere Menschen. Wir Italiener sind Espressortrinker. Amerikaner sind andere Menschen.“

 



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