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Der Commissario und der Genuss

Ein neuer Camilleri ist da

Salvo Montalbano, der Commissario aus Vigàta, speist für sein Leben gern. Damit ist schon klar gestellt, was er auf kulinarischen Seiten zu tun hat. Aber, ist Literatur nicht sowieso etwas für Feinschmecker? Denn, nicht nur  der Gaumen, auch die ,,grauen Zellen“ brauchen Nahrung. Darum besprechen wir Bücher auf koestlichkeiten.de, die manchmal auch etwas mit dem guten essen zu tun haben. Im Falle der Titelfigur des italienischen Altmeisters Andrea Camilleri, der in deutscher Sprache schon eine große Zahl von Montalbano-Romanen für die immer noch wachsende Fangemeinde herausgebracht hat, müssen wir nicht nach gutem Geschmack suchen. Der ist sowohl literarisch als auch kulinarisch gegeben und so manches Mal, wenn das spannende Geschehen am Tisch der Trattoira zur Ruhe kommt, läuft einem das Wasser im Munde zusammen.
Guter Brauch war es in den Ausgaben zuvor, dass im Anhang die besten Rezepte der Speisen Montalbanos erschienen: Das ist in ,,Die Flügel der Sphinx“ nicht so. In dem neuen Roman jagt der Commissario selbsternannte Gutmenschen aus Vigàta und Umgebung, die russische Mädchen unter Vorwand unter das Dach ihrer Hilfsorganisation locken und dann zum Diebstahl oder zur Prostution missbrauchen.
Bewegend sind dann Momente, in denen Montalbano seinen Kühlschrank öffnet und dort frische Meerbarben findet, die seine Haushälterin Adelina für ihn bereit gelegt hat und die er nur noch braten muss. Es sind Sätze wie ,,Wenn schon der Pasta ‚ncasciata nach ihrem Verschwinden lange nachgetrauert wurde, hatten die Auberginen mit Parmesankruste, als nichts mehr von ihnen übrig war, eine wahre Totenklage verdient.“, die den Commissario in jedes Feinschmeckerherz hineinschreiben. Seine Eigenheiten, dass er niemals während des Essens redet, sondern still genießt und versucht, den Geschmack so lange als möglich auf der Zunge zu halten, machen den Philosophen unter den Polizisten so liebenswert. So lässt auch der neue Camilleri ,,Die Flügel der Sphinx“ weder bei Krimifans noch bei Gaumenfreunden Wünsche offen.
Harald Polenz

Andrea  Camilleri:
Die Flügel der Sphinx
Gustav Lübbe Verlag
ISBN 978-3-7857-2378-4
Preis 19,99€



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