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Kulinarische Deutschland-Reise

Die Küche Deutschlands ist so unterschiedlich wie die Landschaften von der Küste bis ins Gebirge. Auf die Frage, was denn nun typisch deutsch sei, wird je nach Region die Antwort höchst unterschiedlich ausfallen.
Die Culinaria-Reihe schreibt seit zehn Jahren eine berechtigte Erfolgsgeschichte, ist sie doch mehr, als nur eine Kochbuch-Serie. Auf fast 500 großformatigen Seiten macht das Buch Appetit mal wieder deutsch zu kochen, lädt zudem noch zu einer kulturellen Rundreise ein und informiert über Produkte und die Menschen, die hinter diesen Produkten stehen. Das sind Hausfrauen, Handwerker, Landwirte oder Fischer, die Traditionen pflegen und Spezialitäten vor dem Vergessen bewahren.

Reich bebildert und informativ.

Wie wird Bier gebraut, Brot gebacken, was aß man im Deutschland der Fünfzigerjahre, wo liegt der Unterschied zwischen einer Brotzeit und einer Vesper? All diese Fragen beantwortet der opulente Band und etwa 1 400 meist vierfarbige Fotos unterstreichen den Informations- und Unterhaltungswert. Auch die bereits literarisch humorig von Kurt Tucholsky angegangene Debatte um die Entstehung der Löcher im Käse wird dank Culinaria Deutschland nicht mit flehentlich zum Himmel gerichtetem Blick und ratlos erhobenen Händen enden.
Culinaria Deutschland nennt selbstverständlich die wohlbekannten Rezeptklassiker wie Kohlrouladen, Maultaschen, Sauerbraten, Stielmus, Reibekuchen, Tafelspitz, Spätzle, Aalsuppe oder Stollen, aber auch unentdeckte regionale Köstlichkeiten kommen nicht zu kurz. Was verbirgt sich hinter Dibbelabbes, Blindhuhn, Hoppelpoppel, Knipp oder Himmel und Äd, Pitter un Jupp, Töttchen oder Tollatsch?

Großer Hans und Mehlbüdel unterscheiden sich.

koestlichkeiten.de ergänzt Culinaria Deutschland

um eine regionale Köstlichkeit aus dem Norden

Nun kann nicht jede regionale Besonderheit auch besondere Beachtung finden, doch mir persönlich fehlte aus dem Norden der Große Hans oder der Mehlbüdel. Die örtlichen Rezepte unterscheiden sich in Marginalien, die Größe variiert allerdings erheblich. Beide werden mit Schweinebacke oder Speck serviert, mal als Süßspeise oder Begleiter zu Backobst oder Kompott. Ohne Überheblichkeit hier nun von uns eine kleine Ergänzung zum sonst wirklich facettenreichen Landesführer durch deutsche Küchen.
Der Große Hans ist ein wirklicher Pudding und wird echt norddeutsch zu gepökelter, geräucherter und gekochter  Schweinebacke mit Kirsch- oder Fliederbeersoße gereicht.


Großer Hans

Zutaten:
100 g Margarine, 100 g Zucker, 1 Prise Salz, 6 Eier, 1 Paket Zwieback, 1 Päckchen Backpulver, ¼ l Milch, 125 Rosinen oder Speckwürfel
Der Große Hans wird wie ein Rührteig zubereitet. Man rührt also zuerst Butter, Salz und Zucker gut schaumig, gibt dann die Eier dazu und zuletzt die mit Milch etwas eingeweichten gut zerbröselten Zwiebäcke.
Nun kommt der Teig in eine gebutterte und mit Semmelbröseln ausgestreute Gugelhupfform, besser noch eine wirkliche verschließbare Puddingform, und wird mit Folie abgedeckt und dann 1 ½ Stunden im Wasserbad gegart.
Der Mehlbüdel, oder einfach Büdel genannt, ist eine Art Serviettenkloß, der eher der Nordsee und der Region Dithmarschen zuzurechnen ist. Auch hierzu wird gekochte, gepökelte und geräucherte Schweinebacke serviert, die im Topf mit gegart werden kann.

Mehlbüdel oder einfach Büdel

Zutaten:
¼ l Milch, 5 Eier, 1 Prise Salz, 250 g Mehl und die abgeriebene Schale einer Zitrone
Mehl, Milch, Eier, Salz und Zitronenschale gut verrühren und eine Stunde ruhen lassen
Ein Leinentuch heiß ausspülen und auswringen. Eine große Schüssel damit auskleiden, den Teig hineingeben und das Leinentuch nicht zu eng zubinden. Der Teig benötigt Platz zum Aufgehen. Viel Wasser in einem großen Topf zum Kochen bringen und den Mehlbüdel an einem Kochlöffel darin aufhängen. Er darf den Topfboden nicht berühren. Etwa 2 Stunden kochen, evtl. zwischendurch Wasser nachfüllen. Die Schweinebacke kann im selben Wasser mit gegart werden. Sobald der Büdel fertig ist, ihn auswickeln, mit Butter bestreichen, mit Zucker bestreuen und in Scheiben schneiden.
Diese beiden Rezepte stammen von einem Ostholsteiner Bauernhof und sind uns von der Profiköchin Heike Freitag aus Warnsdorf, die von diesem Hof stammt, überliefert.
Bleibt nur noch guten Appetit zu wünschen. Und wenn diese Art des Kochens nicht die Ihre ist, dann empfehlen wir Einsicht in die informative Culinaria Deutschland zum sensationellen Preis von € 25,-. Nur man selbst weiß, was für einen das Beste ist. Suchen Sie sich ein Lieblingsrezept aus, oder auch zwei oder drei. Info: http://www.ullmann-publishing.com ISBN 978-3-8331-5127-9.

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