 - Henriette Davidis.
Bild: LWL
Henriette Davidis wurde am 1. März 1801 im Dorf Wengern a.d. Ruhr, heute Wetter-Wengern geboren. Ihr Vater war lutherischer Pfarrer; die Mutter Katharina kam aus dem niederländischen Breda. Davidis besuchte die Höhere Töchterschule in Schwelm und absolvierte in Elberfeld eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete viele Jahre in diesem Beruf. Henriette Davidis heiratete nicht. In Bommern war sie mehrere Jahre für die Erziehung der vier Kinder ihrer Schwester Albertine, verheiratete Oberste-Frielinghaus, zuständig. Berufliche Stationen brachten sie in den folgenden Jahren nach Sprockhövel, Bremen, Witten, Minden, Wengern, Werne und schließlich nach Dortmund, wo sie am 3. April 1876 starb.
Selbstbewusst und vom Wert ihrer Werke überzeugt verstand Henriette Davidis es, ihre Bücher geschickt zu vermarkten. Sie gehörte zu den wenigen Schriftstellerinnen ihrer Zeit, die gut von den Erträgen ihrer Bücher leben konnten. Neben dem berühmten Kochbuch verfasste sie mehrere Erziehungsschriften für Mädchen und junge Frauen, darunter "Der Beruf der Jungfrau", einen Ratgeber zum Gartenbau sowie Gedichte und Erzählungen.
Als Protagonistin ihrer Zeit trug Henriette Davidis entscheidend dazu bei, ein konservativ-bürgerliches Frauenideal in allen sozialen Schichten zu verankern. Sie prägte mit ihren vielgelesenen Werken das Selbstbild vieler Frauen weit über das 19. Jahrhunderts hinaus.
Die Autorin vermittelte Denk- und Verhaltensweisen, die geprägt waren von starker Religiosität, der Unterordnung unter den Mann, der Aufopferung für andere und der Zurückstellung eigener Interessen und Bedürfnisse - nach ihrer Definition die natürliche und gottgefällige Bestimmung der Frau. Sie verhalf im Deutschland des Industriezeitalters dem festgefügten Idealbild der bürgerlichen Familie zum Durchbruch
 - Das berühmte Davidis-Kochbuch in einer Auflage von 1890.
Bild: köstlichkeiten.de
Westfälische Rezepte
Blindhuhn Panhas Pfeffer-Potthast
bei H. Davidis (30. verbesserte Auflage, Bielefeld u. Leipzig, 1890
Pfeffer-Potthast Hierzu werden hauptsächlich die sogenannten kurzen Rippen genommen, solche in ½ Hand große Stückchen gehauen, in nicht zu reichlichem Wasser und nicht zu vielem Salz ausgeschäumt. Dann fügt man soviel kleingeschnittene Zwiebeln hinzu, dass die Sauce dadurch sämig wird, gibt reichlich Pfeffer und Nelkenpfeffer (ungestoßen), einige Lorbeerblätter und späterhin Zitronenscheiben hinzu. Sollte der Sauce, welche zwar ganz gebunden, aber nicht zu dicklich sein darf, auch nach Pfeffer und Zitrone schmecken muss, noch Sämigkeit fehlen, so kann man zuletzt etwas feingestoßenen Zwieback oder in Butter geschwitztes Mehl gut durchkochen lassen. Fleischklößchen, in klarer Fleischbrühe oder gesalzenem Wasser gekocht, beim Anrichten ins Ragout gelegt, machen dies Gericht noch angenehmer. Es werden gekochte Kartoffeln dazu gegeben.
 - Originalseite mit Pfeffer-Potthastrezept aus dem Davidis-Kochbuch von 1890.
Panhas Der Panhas wird am besten, wenn man dazu halb Rindfleisch, halb etwas fettes Schweinefleisch nimmt; jedoch kann man ihn sowohl von ersterem, als auch von letzterem schmackhaft zubereiten. Man koche das Fleisch recht weich, suche alle Knöchelchen vorsichtig heraus, schneide dasselbe in Würfel, hacke es fein und lasse es mit Brühe, welche durch ein Sieb gegossen wird, zum Kochen kommen. Dann würze man es mit Salz, Pfeffer, Nelken und Nelkenpfeffer, streue unter fortwährendem Rühren so viel gutes Buchweizenmehl (Weizenmehl kann nicht hierzu gebraucht werden) hinein, dass die Masse, nachdem das Mehl ausgequollen und der Panhas ½ - ¾ Stunde gekocht hat, recht steif wird und sich vom Topfe lösen lässt. Danach fülle man ihn in wohlgereinigte und im Ofen ausgetrocknete irdene Schalen und bewahre ihn an einem kühlen luftigen Orte. Das Verhältnis des Buchweizenmehles zum Fleische hängt davon ab, ob der Panhas mehr oder weniger kräftig gekocht werden soll; ein gutes Verhältnis aber zu einem wohlgeschmeckenden Panhas ist folgendes: 2 Pfund fettes Rindfleisch ohne Knochen, 3 ½ Liter Brühe, worin das Fleisch gekocht ist, und 1 Pfund Buchweizenmehl. Es darf nicht zu wenig Grütze genommen werden.
Blindhuhn, ein westfälisches Nationalgericht Es wird ein Stück Schinken oder geräucherter Speck (Bauchspeck) vorab gekocht. Unterdes werden die grünen Bohnen, welche schon etwas härtlich sein können, tüchtig gewaschen und auf einem Küchenbrett, indem man eine Handvoll zusammenfasst, in kleine runde Stücke geschnitten, die vorher ausgeschoteten weißen Bohnen hinzugethan, reichlich halbsoviel gelbe Wurzeln als grüne Bohnen in kleine Würfel geschnitten und teilweise bei jedesmaligem Durchkochen zu den Schinken gegeben. Hat man Birnen, so gibt man einige geschälte, in Viertel geschnittene, und wenn das Gemüse beinahe gar ist, in vier Teile geschnittene Kartoffeln it dem nötigen Salz nebst geschälten, in Stücke geschnittenen Äpfeln hinzu und lässt dies alles weich kochen. Darauf wird das Stück Schinken herausgenommen, etwas Mehl mit wenig Wasser angerührt, hinzugefügt und das Gemüse damit durchgeschwenkt. Blindhuhn muss recht sämig und saftig gekocht sein und von den Äpfeln nur einen etwas säuerlichen Geschmack erhalten. Wenn man zu wenig Äpfel oder gar keine hat, so wird etwas Mehl mit Essig angerührt. Zeit des Kochens 2 – 2 ½ Stunden
 - Originalseite mit Pfeffer-Potthastrezept aus dem Davidis-Kochbuch von 1890.
Panhas Der Panhas wird am besten, wenn man dazu halb Rindfleisch, halb etwas fettes Schweinefleisch nimmt; jedoch kann man ihn sowohl von ersterem, als auch von letzterem schmackhaft zubereiten. Man koche das Fleisch recht weich, suche alle Knöchelchen vorsichtig heraus, schneide dasselbe in Würfel, hacke es fein und lasse es mit Brühe, welche durch ein Sieb gegossen wird, zum Kochen kommen. Dann würze man es mit Salz, Pfeffer, Nelken und Nelkenpfeffer, streue unter fortwährendem Rühren so viel gutes Buchweizenmehl (Weizenmehl kann nicht hierzu gebraucht werden) hinein, dass die Masse, nachdem das Mehl ausgequollen und der Panhas ½ - ¾ Stunde gekocht hat, recht steif wird und sich vom Topfe lösen lässt. Danach fülle man ihn in wohlgereinigte und im Ofen ausgetrocknete irdene Schalen und bewahre ihn an einem kühlen luftigen Orte. Das Verhältnis des Buchweizenmehles zum Fleische hängt davon ab, ob der Panhas mehr oder weniger kräftig gekocht werden soll; ein gutes Verhältnis aber zu einem wohlgeschmeckenden Panhas ist folgendes: 2 Pfund fettes Rindfleisch ohne Knochen, 3 ½ Liter Brühe, worin das Fleisch gekocht ist, und 1 Pfund Buchweizenmehl. Es darf nicht zu wenig Grütze genommen werden.
Blindhuhn, ein westfälisches Nationalgericht Es wird ein Stück Schinken oder geräucherter Speck (Bauchspeck) vorab gekocht. Unterdes werden die grünen Bohnen, welche schon etwas härtlich sein können, tüchtig gewaschen und auf einem Küchenbrett, indem man eine Handvoll zusammenfasst, in kleine runde Stücke geschnitten, die vorher ausgeschoteten weißen Bohnen hinzugethan, reichlich halbsoviel gelbe Wurzeln als grüne Bohnen in kleine Würfel geschnitten und teilweise bei jedesmaligem Durchkochen zu den Schinken gegeben. Hat man Birnen, so gibt man einige geschälte, in Viertel geschnittene, und wenn das Gemüse beinahe gar ist, in vier Teile geschnittene Kartoffeln it dem nötigen Salz nebst geschälten, in Stücke geschnittenen Äpfeln hinzu und lässt dies alles weich kochen. Darauf wird das Stück Schinken herausgenommen, etwas Mehl mit wenig Wasser angerührt, hinzugefügt und das Gemüse damit durchgeschwenkt. Blindhuhn muss recht sämig und saftig gekocht sein und von den Äpfeln nur einen etwas säuerlichen Geschmack erhalten. Wenn man zu wenig Äpfel oder gar keine hat, so wird etwas Mehl mit Essig angerührt. Zeit des Kochens 2 – 2 ½ Stunden
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