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Pflege der Entschleunigung unter dem Schutz des Urbanus

Im südlichsten Baden keltern Susanne und Berthold Clauß Weine mit Charakter.
Fotos: Weingut Clauß

Das Weingut Clauß

Den Namen Belemnit ließen sich Susanne und Berthold Clauß für ihre Weine aus den Erzinger Lagen schützen. Belemniten ähnelten den heute lebenden Sepien und echten Tintenfischen. Sie schwammen im Erdmittelalter, Millionen von Jahren vor unserer Zeit im Meer und erlauben heute nur noch in versteinerter und meist keilförmiger Gestalt einen Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Erde. Diese Belemniten findet die Familie Clauß in den lehmigen 7 Hektar Weingärten von Erzingen und darum erhalten Lagenweine aus Erzingen das Etikett der kalkigen ehemaligen Meeresbewohner. Die windoffenen Erzinger Lagen mit Süd/Süd-West Ausrichtung sind ideal für Burgundersorten.

Wie eine römische ,,villa rustica" liegt das Weingut inmitten seiner Weinberge.

Vor mehr als 30 Jahren erkannte ein Suchender aus dem Schwabenland das ungeheure Potential der Landschaft im Klettgau und der nach Süden ausgerichteten Weinlagen unweit des Rheins und nur ein paar Meter von der schweizerischen Grenze entfernt. In Nack, einem 180 Einwohner Ort im südlichsten Baden, unweit des Bodensees, wurde Friedrich Clauß fündig und gründete zusammen mit Gattin Elisabeth ein Weingut. Die ersten Reben pflanzte er 1982 auf eine recht überschaubare Fläche, die sich im Laufe der Jahre auf 16 Hektar vergrößerte, 9 Hektar davon liegen in Nack. Vater und Söhne ließen die größtenteils brachliegende Weinbautradition in dieser Region, die eine der ältesten Weinbauregionen Deutschlands ist, wieder aufleben. Wie vielerorts brachten die Römer vor Christi Geburt den Wein hierher.
Seit 2003 führt Sohn Berthold Clauß gemeinsam mit seiner Frau Susanne das Weingut zwischen Waldrand und Golfplatz auf diesem etwas sonderbaren Stückchen Land zwischen Markgräflerland und dem nordwestlichen Rand der Bodenseeregion. Hier herrschen klimatisch günstige, weil von See geprägte, Bedingungen auf beachtlicher Höhe und eng begrenztem Raum. Und deshalb ist der Wein aus dieser Region immer etwas Besonderes.

Weine aus dem Jestetter Zipfel, die sich einen Namen machten.

Wie eine Insel wird die deutsche Gebietslasche „Jestetter Zipfel“ von zwei Schweizer Kantonen auf einer Länge von mehr als 50 Kilometern umschlossen. Nur eine einzige Straße schafft den wenigen hier lebenden Menschen eine Verbindung zur Außenwelt. Wer hier lebt, lebt als Grenzgänger in einer nach politischen Kriterien zerstückelten Landschaftsidylle mit sanften Hügeln und Alpenblick. Aber das stört nicht weiter, sind die Grenzen doch unsichtbar. Nur die Sprache mutet mundartlich fremd an. Und die Aufteilung der Weinregionen ist für Nichteingeweihte nur schwer zu ergründen. Die Rebflächen von Erzingen bilden mit denen des Schweizer Kantons Schaffhausen eine Raumeinheit. Dieses Niemandsland und der kleine Ort Nack gehören zur Weinbauregion Baden Bereich Bodensee.

Wein machen ist bei der Familie Clauß Familiensache.

Und Familie Clauß gehört hierher seit sich Friedrich Clauß vor vielen Jahren genau in dieses Fleckchen Land verguckte um seine schwäbischen Landwirtschaft gegen badische Weingärtnerei zu tauschen.
Heute wird an neuer Lebens- und Arbeitsstätte produziert und selbst vinifiziert. Berthold Clauß, gelernter Weinbautechniker, und Susanne Clauß, eine Frau mit viel Bauchgefühl und Weinprägung aus dem Remstal, füllen mit viel Engagement, Leidenschaft und reichlich Handarbeit jährlich mehr als 100 000 Flaschen Wein ab. Das Familienweingut Clauß macht aus dem abgeschiedenen Nack einen Ort, der dem Weinbaus zur Wiedergeburt verhilft.

Dieses von der Schweiz eingeklemmtge Stückchen Land gehört zum Anbaugebiet Baden.

Zwei Rebsorten können für sich beanspruchen hier als typisch zu gelten, nämlich Spätburgunder und Müller-Thurgau. Letztere Sorte wurde vom Rebforscher Professor Hermann Müller aus dem Kanton Thurgau vor 130 Jahren in Geisenheim erfolgreich gezüchtet. Müller-Thurgau ist die am häufigsten angebaute Weißweinsorte in Baden und durchaus auch eine Spezialität rund um den Bodensee. Hier entwickelt diese so oft als Mainstream-Traube geschmähte Sorte erstaunliche Eleganz. Auch Spätburgunder Weine gelten als filigran-elegante Delikatesse. Das mag daran liegen, dass neben den Besuchern, die in dieser Hochrheinlandschaft ihre Alltagsnöte hinter sich lassen können, die Trauben in Sonne zu baden scheinen. Diese Region hat sich wahrlich dem Genuss und der Entschleunigung verschrieben. Nack ist eine Himmelstür: So lautet die Nacker Hymne. Und durch himmlisch glückliches Zusammentreffen dreier Gleichgesinnter entstand in Nack ein Kompetenzzentrum für Genuss. Berthold Clauß ist einer der Impulsgeber der „Nacker Werke“, einer Initiative zur Wartung und Pflege der Sinne. In ungezwungener, aber erstklassiger Atmosphäre können klassische musikalische Genüsse, Weine und Feinschmeckereien erlebt werden. Dieser besondere Zusammenklang dreier ganz unterschiedlicher Leckerbissen dient der Anregung und Entfaltung aller menschlichen Sinne. Es entsteht ein kultureller Vierklang aus Natur, feinen Weinen, gutem Essen und Musik. Info: http://www.nackerwerke.de

Die Kindern strahlen über die gute Ernte der Spätburgundertrauben.

In den Nacker Weinbergen der Familie Clauß, die bis über 450 Meter Höhe empor reichen, steht überwiegend Burgunder. Der uneingeschränkte Favorit von Berthold Clauß aber ist der Müller-Thurgau, der im Keller des Weinguts Clauß zu Best-of-Qualität heranreift. Weingut Clauß sammelt fast erste Plätze bei nationalen und internationalen Wettbewerben. Anerkennung in Reise- und Weinführern zeigt, dass die Nacker Familie Clauß ein Händchen für Weine hat.
2010 Sauvignon Blanc Trocken stützt sich offen auf einige Säure und bringt die typische Art dieser Traube hervor. Frische Fruchtnoten von grünem Apfel, Cassis, Stachelbeeren und Grapefruit harmonieren eigenwillig mit pikant würzigem Ton von frischem Gras, duftenden Blüten und Brennnesseln. Ein eindringlicher Wein mit sehr angenehmen Kanten. Schade, dass die Sorte Sauvignon Blanc in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle spielt. Schon deshalb lohnt das Probieren.
2010 Müller-Thurgau trocken ist mit seiner weichen Säure in Kombination mit Frische und Fruchtigkeit ein bestechend duftig-blumiger Genuss für jeden Tag. Ein Hoch auf die präzise und seriöse Arbeit mit einer verkannten Traubensorte.
2009 Spätburgunder trocken lockt mit transparentem Kirschrot, sortentypischen Eindrücken und hält, im Geschmack was die Nase verspricht. Jugendlich und doch samtig, ist er so gut zu trinken, dass man kaum aufhören möchte. Dieser Spätburgunder ist zwar weniger gehaltvoll als viele seiner großen Brüder, und dennoch ungemein komplett. Er verfügt über dezentes, aber lang dauerndes Aromenspiel von Kirschen, Him- und Brombeeren, Bitterschokolade sowie Charme. Er passt perfekt in den Sommer, oder zu leichten Speisen. Zudem wartet er mit einem grandiosen Preis/Qualitätsverhältnis auf.

Kellerkunst rund um die Belemnit-Weine.

2010 Belemnit Grauburgunder trocken kommt blassgelb, elegant und ausdrucksstark aus dem Holzfass. Er verbindet klar konturierten Fruchtgeschmack von Birne, Pfirsich und Honigmelone mit delikaten Nuancen von Vanille, Orangen und Nüssen. Mit leichter Salznote und schlanker Säure rundet er sein eindrucksvoll attraktives Spektrum ab.
Die Frühburgundertraube ist eine hoch sensible Frucht und stellt ganz spezielle Ansprüche an Boden und Klima und bringt deutlich weniger Erträge als der später reifende Spätburgunder oder Pinot Noir und besticht durch dunkelrotes Kolorit. Vielleicht war darum diese Sorte in den 1960er Jahren fast verschwunden und wird auch heute noch recht wenig angebaut. Frühburgunder liefert samtig füllige Rotweine voller Homogenität und niedriger Säure, die charmant als Tischpartner zu Braten, Käse und Wild fungieren. Bei Blindverkostungen wird der Frühburgunder stets höher bewertet als Pinot Noir vom selben Standort, der nicht zu warm geraten darf.
2009 Belemnit Frühburgunder trocken leuchtet dunkelrot und trifft die Nase entschieden mit feinsten roten Früchten. Lebendig frisch verfügt er über angenehmen Geschmack von Kirsche, Brombeere, Schlehe und Cassis. Sanfte Tannine harmonisieren die einzelnen Geschmackskomponenten und die dezent tragende Säure. Veilchen und Erdbeeren weisen den ausgewogenen und ordentlichen Ausgang.

Die ganze Familie liest mit. Die Trauben sind das wertvollste Gut.

2009 Urbanus Pinot Noir trocken glänzt mit transparentem Rubinrot, opulenter Kirschnase, Johannisbeeren, Röst- und Rauchnoten von wohldosiertem Holz und schließlich mit würzig-intensivem Geschmack. Geschmeidig weich und dennoch nervig-würzig voller Frucht und leichten Bitternoten zeigt der Urbanus Kraft und achtbaren Nachhall. Ein einnehmender Wein.
Der Spätburgunder bringt einige der besten deutschen Rotweine hervor und der Urbanus ist für das Weingut Clauß „Familiensache“. Das Geheimrezept dieses Weins verrät Susanne Clauß gern: „Dieser Wein kommt bereits zum biologischen Säureabbau in Barriquefässer, wo er eine Reifezeit von 18 Monaten genießt. Auf Schönungen und Filtration vor der Abfüllung wird verzichtet. Und bei der Füllung dieses Weins haben alle Angestellten frei. Unsere Tochter stellt die Flaschen auf das Band, mein Mann und ich sind für Korken und Kapseln zuständig. Am Ende räumen die beiden Jungs die Flaschen in Kisten und verschließen sie.“
Das Jahr 2010 war ein schwieriges Jahr und es erforderte Risikobereitschaft und Fingerspitzengefühl, den rechten Lesezeitpunkt zu finden. Auf dem Weingut Clauß wurde in zwei Durchgängen gelesen, erst Mitte Oktober waren zwei Drittel der Trauben vollreif. Vor allem das verlieh dem Wein die nötige Fülle. Gelungen ist der Jahrgang aus Nack und Erzingen allemal. Probieren Sie die charakterstarken Spezialitäten vom See selbst aus. Uns haben sie sehr gut gefallen. Und da die Familie Clauß ihre Weine ausschließlich selbst vermarktet erhalten Sie Kontakt und Preise unter info@nackerwein.de



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