Cicero dachte an Essen
Man will es kaum glauben, dass der wohl bedeutendste Denker der römischen Antike Gedanken ans Essen verschwendet. Schildert uns Harris schon einen mit Mucken und Macken behafteten Cicero, so lernen wir ihn in seinen Briefen an Paetus wohl eher von seiner ,,gemütlichen“ Seite kennen. So schreibt er Anfang Juli 46 v. Chr.:
,,Auf das Vorgericht brauchst Du deine Hoffnung nicht zu setzen, das habe ich mir ganz abgewöhnt, denn früher verdarb ich mir jedesmal den Appetit mit deinen Ölsardinen und lucanischen Würstchen . . . Du aber bleibe nur bei deinem alten Frischkäsepudding.“
Einige Wochen später, im August, ist wiederum die Rede vom Essen:
,,Schade, dass ich nicht in deine Gegend habe kommen können! Du hättest an mir nämlich nicht einen Gast, sondern einen Hausgenossen gehab. Und was für einen Mann! Nicht den, den du gewöhnlich schon mit dem Vorgericht fertigmachtest. Ich falle mit einem wahren Heißhunger über die Eier her, und so geht es weiter bis zum Kalbsbraten. . . Also mach‘ dich auf etwas gefasst: Du hast es mit einem Vielfraß zu tun, der sich nachgerade auskennt – du weißt doch, wie maßlos die Spätlerner sind.“
Auf seinem sabinischen Landgut traf Cicero seinen Nachbarn und lernte ihn als ,,Nachtschwärmer“ kennen, den alten Cato nämlich. Cicero schreibt über ihn, er habe ,,Tag für Tag mit meinem Nachbarn eine vollbesetze Tafel, die wir mit möglichst wechselvollen Gesprächen bis tief in die Nacht ausdehnten.“
Das bei der ,,cena“ sitzen und miteinander bei gutem Essen und ebenso guten Weinen Politik zu besprechen, war bei der aristokratischen römischen Oberschicht ein gesellschaftliches Muss. Lernen wir Cicero richtig kennen mit Robert Harris neuem Roman
Titan
ISBN 978-3-453-00158-9
Wilhelm Heyne Verlag, München
Preis: 21,95 €
Holen sie sich Ciceros Küche auf den Tisch mit dem Rezept für
Lucanische Würstchen
aus dem Buch ,,Rom – sehen und genießen“ aus dem Umschau-Verlag, Frankfurt:
Zutaten: 2 Zweige Liebstöckel, 1 Bund Petersilie, möglichst glattblättrige, 2 Zweige Borretsch, 1 Zweig Raute, 2 Lorbeerblätter, 10 schwarze Pfefferkörner, 1 TL Kümmel, 400 g mageres Schweinefleisch, 350 g fetter Schweinebauch, 250 g Schweineleber, 25 g Pinienkerne, 1 EL Cynar, 2 TL Anchovispaste, 1 TL getrockneter Majoran, ½ TL getrocknetes Bohnenkraut, ½ TL getrockneter Oregano, abgeriebene Muskatnuss, 2 TL Pökelsalz
Liebstöckel, Petersilie, Borretsch und Raute sowie Lorbeerblätter waschen. Die Hälfte mit gut 1 Liter Wasser aufsetzen. Pfeffer und Kümmel zerdrücken und zufügen. Nach dem Aufkochen Schweinefleisch und Schweinebauch zufügen. Etwa 1 Stunde kochen lassen. Die Leber mit kochendem Wasser überbrühen. Schweinefleisch, Schweinebauch, Leber, die restlichen Kräutr und die Pinienkerne durch die feine Scheibe des Fleischwolfs drehen, eventuell auch zeimal. Etwas von der Kochbrühe zufügen, so dass eine geschmeidige Masse entsteht. Mit Cynar, Anchovispaste, Majoran, Bohnenkraut, Oregano, Muskatnuss und Pfeffer abschmecken. Das Pökelsalz zufügen. Diese Masse in kurze dünne Naturdärme füllen und im großen Topf etwa 50 Minuten bei mäßiger Temperatur kochen lassen. Die Würste in den Rauch und kalt servieren.