Griechen, Römer und Germanen liebten ihren Hercules gleichermaßen, vor allem weil er die 12 Aufgaben des Orakel von Delphi löste. Unter anderen erwürgte er einen Löwen mit bloßen Händen und darf seither das Löwenfell um die Schultern tragen. Das tut der Hercules aus Licht-Steinstraß aus dem Niederrheinischen Braunkohlerevier auch, eine römische Version des Gottes aus der Zeit des etwas verrückten Kaisers Commodus (180 – 192). Carl Dietmar macht ihn zu einem seiner Hauptfiguren in dem Buch ,,Schatzkammer rheinisches Braunkohlervier“ (Verlag Philipp von Zabern) und als Leitfigur zu einem hervorragenden Exkurs über römisches Wein und römisches Essen.
Vor den Braunkohlebaggern arbeiten die Archäologen des Landschaftsverbandes Rheinland fieberhaft, um Zeugnisse der Geschichte zu bergen. Der Autor nimmt einzelne Gegenstände und erfindet Geschichten mit realem Hintergrund. Auf diese Weise bringt er Menschen die Forschung nahe, die eher zu anderen Themen schmökern; nun aber sich für Archäologie interessieren und die ganz spannend finden.
So auch geschehen mit dem Herkules. Der Autor nimmt den Besitzer eines römischen Landgutes am heutigen Niederrhein und seine Gäste, darunter einen Flottenkommandeur aus dem römischen Köln. Er schildert Essgewohnheiten und Speisen der Römer. Der Gastgeber serviert Wein aus Italien. Dabei erfährt der Leser, dass die Römer annähernd 200 Weinsorten zur Auswahl hatten; in Obergermanien der Weinbau bereits im 1. Jahrhundert einsetzte, vor allem am Oberrhein und der Pfalz, später dann an Mosel, Nahe und Ahr. Vor allem von der Mosel sind bedeutende archäologische Zeugnisse des Weinbaus überliefert. Oppulente Grabmale in Form römischer Flussschiffe, voll beladen mit Weinfässern. Mehrere römische Kelteranlagen, so bei Piesport, sind an der Mosel ergraben worden.
Zu Anfang brachten die Römer den Wein in die Provinzen, später lieferten Weinbauern aus der Provinz ihren Wein ins römische Kernreich. Domitian stoppte die Einfuhr, während Probus (276 – 282) das Verbot wieder aufhob. Probus wird daher in deutschen Weinbauregionen, zum Beispiel an der Mosel, als Förderer verehrt.