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Petra Bächner 510 m über NN

Unterhalb der Burg Hohenneuffen auf 510 m über NN liegen die Weinberge von Petra Bächner.

In einem Weinführer aus den 80er Jahren ist zu lesen, dass im Süden von Stuttgart der Wein mehr liebenswerte Tradition, denn Genuss sei. Nun liegt Neuffen mit dem 743 Meter aufragenden Bergsporn des Hohenneuffen südlich von Stuttgart und eine der Nachbargemeinden ist Dettingen an der Erms. Und hier in Dettingen an der Erms, am Fuße der Schwäbischen Alb, am Albtrauf in Neuffen erzeugt eine Frau seit 2006 einen besonderen Wein. „Diesseits der Alpen mit Reben auf bis zu 510 Meter über dem Meeresspiegel zu arbeiten, ist eine tolle Herausforderung“.

Ein Spätburgunder aus und auf der Höhe.

Petra Bächner, vormals Mediendesignerin und aktuell mutige Weinmacherin, nahm die Herausforderung an und lehrte Experten das Staunen. Im letzten Jahr erreichte sie beim deutschen Rotweinpreis das Finale. Mit Thomas Bächner, einem Maschinenbauingenieur mit Nebenberuf im Weinbau, wagte sie vor vier Jahren das Höhen-Experiment, entwickelt geradezu eine heiße Leidenschaft für das kühle Klima der Alb. 

Spätburgunder mit alpiner Herkunft

 

Der Spätburgunder 510 NN 2008 (510 NN weist auf sein alpines Zuhause hin) wächst auf karstig- weißer Verwitterungsschicht des Jura, die auf braunem Jura aufliegt. In verkürzter Vegetationsperiode, der Schnee kommt hier früher als anderswo, wachsen die Reben in verhaltenem Klima. Der 510 NN ist typisch klar hellrot, elegant und feinwürzig. Man erkennt Erdbeere, Himbeere und Brombeere, schmeckt Boden und Gras mit leicht holzigem Abgang. Ein Wein, der entstand, weil die Not ihn hart, der Ausbau und die 12-monatige Lagerung im Fass ihn weich gemacht hat. Ein Wein aus der Höhe auf seiner Höhe und mit exakter geografischer Herkunft: 48°33`N, 9°23`O.

Petra Bächner setzt mit Mut und Können Sterne an den deutschen Weinhimmel.

Trauben mit intensivem Fruchtaroma

 

Mit enorm hohem Arbeitsaufwand werden die Rebstöcke in dieser Randzone des Weinbaus gepflegt. Verzicht auf Dünger ist ökologisches Prinzip. Bei Bodenarbeiten zwischen den Reben kommen immer wieder Fossilien ans Tageslicht, Zeugen einer Zeit vor etwa 200 Millionen Jahren, als subtropisches Meer hier die Erde überspülte. Seit dem Ende der Jurazeit ist der weitaus größte Teil der Schwäbischen Alb Festland geblieben, das wahrscheinlich nie allzu fern lag. Die versteinerten Zeugen dieser Meereszeit wie Korallen, Muscheln und Seeigel verbringen ihr Jetzt einträchtig zwischen Vulkanschloten, Schafen und Schmetterlingen. Große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht beschert den Trauben intensives Fruchtaroma, den Weinen eine mineralische Statik. Alle Weine von Petra und Thomas Bächner sind perfekte Vertreter eines neuen Weinstils und fast puristisch klare Kontrapunkte eines guten Essens.

In diesen Fässern auf dem Weingut Bächner reift Wein, der die Aufmerksamkeit der Konsumenten und Kritiker verdient.

Vielschichtig, gewinnender Wein

 

Jedes Jahr entsteht eine neue Kreation aus unterschiedlichen Rebsorten. Hebsacker Storchenfärber, ein Name mit regionaltypischem Bezug, Jahrgang 2008 ist ein kompakter Wein, dessen Trauben auf kleinen Parzellen des Remstals wachsen. Hier steht sozusagen die Wiege der Bächner-Weine. Zu je 30 % führen Merlot, Zweigelt und Lemberger dieser Cuvée ihre Stärken zu, ein kleine Menge Spätburgunder sorgt für Eleganz. Merlot als frühreife Sorte spendiert seine tiefrote Farbe und Pflaumenaroma, Zweigelt als robust gegen Frost bekannt, kommt fruchtig und substanzreich daher und die Lembergertrauben sorgen für Kraft. Ein vielschichtig gewinnender Wein, den das Eichenfass in Wohlgestalt gebracht haben wird. Schokolade mit deutlichen Bittertönen vereint sich hier gut mit dem leichten Vanillearoma. Hasen- oder Lammrücken mit Rote-Bete und Kartoffel-Kräuter-Püree wären als Begleiter zu empfehlen.

Hier sind die Bächners zu finden: Es lohnt sich, sie aufzuspüren.

Der Kerner 2009 wird aus 30 bis 35 Jahre alten Reben gekeltert. Die Weine der Kernerrebe ähneln den Rieslingen sehr und die Pflanze ist recht resistent gegen Winterfrost. Gute Säure in Kombination mit hohem Zuckergehalt ergeben rassige Weine. Der Kerner 2009 von Petra Bächner war ein würdiger Vertreter dieser Rebe. Birne, Apfel, Aprikose und Melone tummeln sich im Glas, umspielt von harmonischer Säure. Ein Genuss. Nur der Riesling aus der ersten Ernte, gewachsen auf Juragestein, fiel so trocken aus, dass ich geneigt war, die Begriffe trocken und sauer gleichzusetzen. Was keinesfalls stimmt. Ich hoffe auf die zweite Ernte, denn dem Riesling und auch den Bächners steht eine zweite Chance zu. Vielleicht vermag diese tolle Traubensorte, die beste Ergebnisse in kühleren Gegenden aufweist und für ihr vielschichtiges Aromenspiel und ihre herausfordernde Säure geliebt wird, den verregneten Sommer 2010 zu ihrer Stärke zu nutzen. Diesmal gilt`s beim Riesling. Sonst ist Petra schon stark. Als Person wie auch im Keller.

Und aus den Traubenresten wird ganz nach schwäbisch-umsichtiger Art ein Tresterbrand destilliert. Mit gutem Duft, viel Nasenkitzel und weich auf der Zunge. Ein Zitat von Petra Bächner, das ich nur unterstreichen kann: „Wir leben gern hier, wir sind angekommen“. Der Weinverkauf gestaltet sich noch eher intim. Hier also die „Geheim-Info“: http://www.Weingut-Bächner.de oder info@weingut-baechner.de. Real zu finden: Sulzweg 4, 72581 Dettingen an der Erms. Tel.: 07123/920511

Christa Polenz

(Kopie 1)

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