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Traubenadler
Die bewegte Geschichte des deutschen Weinbaus der letzten 100 Jahre handelt von Krieg, dem Auf und Ab großer Namen, dem hohen Ansehen des deutschen Weins, Rebläusen und Glykol sowie von schwarzen Schafen, „Weinverbesserung“, Edelgewächsen und Höchstpreisen. Und untrennbar verbunden mit der Erfolgsgeschichte des deutschen Weins ist die Geschichte des „Verbands deutscher Prädikatsweingüter“ (VDP), der unbeirrbar am Ideal großen Weins festhält. Dr. Daniel Deckers, der Autor dieser Weinanalyse, ist Politik-Redakteur, Weinbegeisterter und Mitverfasser zahlreicher Zeitschriftenbeiträge über die Geschichte des Weinbaus in Deutschland, die mit der Geschichte des „Verbands deutscher Prädikatsweingüter“ (VDP) verknüpft ist.Wein aus Deutschland genoss vor hundert Jahren im In- und Ausland höchstes Ansehen, Versteigerungen von Riesling aus dem Rheingau, aus Rheinhessen, der Rheinpfalz und von der Mosel waren gesellschaftliche Ereignisse von Rang. Wein aus Deutschland konkurrierte mit französischen Weinlegenden. Der Weinhandel florierte, bis zwei Kriege die Produktion und den Handel lahmlegten. Nach 1945 kam die Arbeit in den Weinbergen nur mühsam in Gang, zudem wurde der Weinhandel stark reglementiert und die allgemeine Wirtschaftsmisere zwang zur Enthaltsamkeit. Ein Skandal mit Namen „Glykol“ machte deutschen Wein Mitte der 80er Jahre fast unverkäuflich, doch heute ist deutscher Wein wieder hoch angesehen und Protagonist bei Spitzenweinversteigerungen. Der Weingeschmack hat sich zwar verändert, trocken ausgebaute Weine rangieren vor frucht- oder edelsüßen und der Glaubwürdigkeitsverlust scheint ausgeglichen. Zur einem Hüter dieser neuen Glaubwürdigkeit avancierte unter dem Wappen des Traubenadlers der VDP. Aus einem Zusammenschluss von Naturweinversteigerern im Jahr 1910 wurde die älteste Spitzenweingüter-Vereinigung der Welt. In diesem Jahr ist 100ster Geburtstag. Ein Feiertag für Erzeuger, Lage und Qualität. Wer das Wesen des Weins verstehen und seine Schönheit genießen möchte, dem können zahlreiche bislang unveröffentlichte Dokumente und Abbildungen einen neuen Blick auf die Geschichte des deutschen Weins eröffnen. Zum Wesen des Weins schrieb der in Nackenheim am Roten Hang geborene Dramatiker Carl Zuckmayer: „-um jener geheimen Schönheit willen, in deren Wahrnehmung ein Teil unseres irdischen Auftrags besteht.“ Info: Daniel Deckers, Im Zeichen des Traubenadlers – Eine Geschichte des Deutschen Weins, Verlag Philipp von Zabern, ISBN 978-3-8053-4248-3, Preis 29,90 €. Info: www.zabern.de

Die Colonia Claudia Ara Aggrippinensium, das heutige Köln zur Römerzeit, war Hauptstadt der Provinz Germania inferior. Die Ureinwohner der Gegend hatten während des Gallischen Krieges erstmals schmerzhafte Begegnung mit der schlagkräftigen Armee des Imperiums gehabt. Man sollte meinen, die zweite Begegnung, die mit der Küche der Römer, sollte sie entschädigt haben. Denn nicht nur die Ländereien und Siedlungen wurden okkupiert, sondern auch der Herd. Statt Met gab es fortan Wein, statt Getreidebrei Brot und die gesellschaftlich hoch stehenden Schichten der römischen Provinz am Rhein ließen es sich mit exotischen Köstlichkeiten gut gehen, mit Feigen und Datteln, sie würzten ihre Speisen gar mit mit Liquamen, der Römer Lieblingswürze, die sie aus Mittelitalien einführten. Neben der speziellen Verwaltung kamen mit den Soldaten diverse Obstsorten an den Niederrhein. Zuerst wohl in den Legionslagern, den Kasernen der Römer, später dann aber auch in den Städten, die wiederum durch Landsitze, römische Bauernhöfe, des Umlandes versorgt wurden, machten sich die Römer an den Tischen der ,,Barbaren“ breit. Und diese nahmen die römischen Essgewohnheiten gerne an. In den Kloaken der Kasernen, in der römerzeitlichen Stadtbebauung und den Landsitzen wiesen Archäologen die Reste dieser Spezereien nach, entweder durch glückliche Umstände vollständig erhalten, oder im Form von Samen, Kernen oder Pflanzenresten. Archäobotanik nennt sich dieser Zweig der ausgrabenden Wissenschaft. Im Buch ,,Grenzenlose Gaumenfreuden – Römische Küche in einer germanischen Provinz“ schildern die beiden Autorinnen, selbst ausgewiesene Fachleute ihrer Disziplin, recht vergnügsam über den Blick in die römische Küche in der Provinz.
Info Grenzenlose Gaumenfreuden – Römische Küche in einer germanischen Provinz 29,90 € Philipp von Zabern ISBN 97838053-4241-4

Auf einem alten Speicher in einer Truhe die lange vermissten Küchenaufzeichnungen der Oma oder der Tante zu entdecken, die dazu noch eine Meisterköchin war, ist wohl der Traum eines jeden Hobbykochs. Die Kommunikationsdesignerin Beatrice Hintermeier hatte dieses Glück und machte gleich eine Exemensarbeit daraus. Das ,,Remake“ ist jetzt als Buch in der Edition Styria, Wien, erschienen. Um einige Rezept nachkochen zu können, fehlen dann doch detailliertere Angaben, die der Konzentration der Gestalterin vielleicht nicht so wichtig waren. Trotz dieser Mängel strahlt das Buch seine ganz eigene Faszination aus. Den fein säuberlich in Süterlin aufgezeichneten Rezepte stehen die ,,Übersetzungen“ gegenüber. Die Meisterköchin konnte auch beauftragt werden, dann kochte sie für Hochzeiten, runden Geburtstagen. Mundart und Fehler nach der heutigen Rechtschreibung wurden beibehalten, sie steigern die Originalität des Buches. Wichtig. Ein Glossar erklärt alte Küchenbegriffe, vor allem übersetzt es alte Maßeinheiten. Für das Nachkochen auf jeden Fall von Bedeutung. Ein schönes Geschenk für Küchenfans.
Info: Beatrice Hintermeier: Kochen wie anno dazumal Edition styria, Wien Preis: 19,25 € ISBN 978-3-990-11022-5
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