Vom "Eisgalgen" direkt in den Keller
Findige Brauer, die der mühsamen Beschaffung von Eis überdrüssig waren, entwickelteneine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode, um direkt über ihren Lagerkellern Eis selbst zu produzieren. Sie bauten sogenannte "Eisgalgen": etwa fünf Meter hohe und acht bis zehn Meter lange Holzgerüste, auf die Holzstämme gelegt werden. Sank die Temperatur auf mindestens drei Grad unter Null, wurden die Baumstämme über Wasserleitungen berieselt. An dem Stämmen bildeten sich dann stetig wachsende Eiszapfen, die bei anhaltend kaltem Wetter über drei Meter lang wurden. Meist stand der Eisgalgen direkt über den unterirdischen Lagerräumen. Hingen dicke Zapfen dicht an dicht an den Stämmen, schlugen die Brauereimitarbeiter sie mit einer Axt ab. Die Eiszapfen fielen dann durch eine Luke direkt in den Keller. Einige bayerische Traditionsbrauereien nutzen ihre Eisgalgen bis heute. Im Gegensatz zu ihren Kollegen im 19. Jahrhundert können sie freilich auf Kältemaschinen zurückgreifen, wenn die Eisvorräte - im wahrsten Sinne des Wortes - allzu rasch schmelzen.
Riesige Eisberge unter der Erde
Die großen, unterirdischen Räume der Eiskeller ähnelten riesigen Kaminen. Sie fassten bis zu 150 Kubikmeter Eis. Dies entspricht etwa der Menge von drei bis vier vollen Eisgalgen. Damit das Eis nicht zu schnell schmolz, deckte man, wenn die "Ernte" der Eiszapfen abgeschlossen war, die Luke des Eiskellers mit reichlich Erde ab. Der Eiskeller war mit dem Bierlager durch große Öffnungen verbunden. So verbreitete sich die Kälte und sorgte dafür, dass das Bier winters wie sommers bei gleichbleibender Temperatur kühl gehalten wurde. Begannen nach einiger Zeit die Zapfen zu schmelzen, floss das Wasser durch das poröse Gestein des Kelleruntergrundes einfach ins Grundwasser ab.