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Bayerns Bier

Bier als Begleiter zu deftigem, leckeren bayerischen Essen.
Bild: Bayerischer Brauerbund
Bayerischer Bierkutscher.
Bild: Bayerischer Brauerbund

Was wäre der bayerische Sommer ohne eine kühle Maß im Biergarten? Auf jeden Fall ein bisschen weniger spritzig und prickelnd! Noch vor hundert Jahrenmussten die Brauer im Winter hart arbeiten, um auch im Sommer bestes, frisches Bier anbieten zu können. Denn damals hielten Brauer ihre Bierkeller mit Natureis bis zum Sommer kühl. Das Eis ließen sie aus Seen und Flüssen hacken - oder sie züchteten riesige Eiszapfen an sogenannten "Eisgalgen". Nur strenge Winter brachten genügend Eis hervor, um die Biervorräte monatelang zu lagern. Deshalb sahen die Brauer erst dann beruhigt ins neue Jahr, wenn die Eiskeller randvoll waren. Und auch der Brauer- und Mälzerkalender von 1880 mahnte die Leser im Januar: "Mit Eis stopf´s Deine Keller voll, wenn dir dein Bier gelingen soll!"

Eisgalgen gibt es nur in Bayern.
Bild: Bayerischer Brauerbund

Bier kann nur bei einer Temperatur von etwa sieben bis acht Grad Celsius längere Zeit gelagert werden. Wollten die Brauer also nicht zusehen, wie Hektoliter kostbaren Bieres im Sommer verdarben, mussten sie im Winter in der Tat möglichst große Eisvorräte anlegen. Doch das Eis diente nicht nur dazu, das fertige Bier im Lagerkeller zu kühlen. Es war auch unerlässlich für die Produktion bestimmter Biere. Denn während die Hefen obergäriger Biere wie Weiß- bzw. Weizenbier bei 15 bis 20 Grad vergären, benötigen die Hefen untergäriger Biere wie Pils, Lager/Hell eine Temperatur von kühlen vier bis neun Grad. So braute man lange Zeit nur während der kalten Monate zwischen Michaeli (29. September) und Georgi (23. April) - in tiefen, eisgekühlten Kellern.
Eisernte auf Teichen und Flüssen
Ihre Eisvorräte beschafften die Brauer, wo auch immer im Winter größere Wassermengen gefroren. Manche Brauer besaßen eigene Teiche, andere holten ihr Eis von überschwemmten Wiesen und Auen, aus Dorfweihern oder Flüssen. Die Münchner Brauereien bedienten sich noch bis zum Ersten Weltkrieg aus den Kanälen und Teichen des Schlossgartens Nymphenburg. Dünnere Eisplatten zerschlug man mit Äxten; die Bruchstücke zog man dann mit Zangen an Land. Mit Spezialsägen ließen sich auch aus dickeren Eisschichten Blöcke schneiden. Die großen Eissägen ähnelten Männer zogen sie in einer Art Gespann in geraden Bahnen über das Eis, ein fünfter drückte das Sägeblatt in die Eisfläche. Mit eisernen Widerhaken stemmten die Arbeiter anschließend die freigesägten Blöcke aus der Eisdecke. Befanden sich die unterirdischen Bierlager in der Nähe, schleifte man die Eisvorräte direkt zu den Kellern; andernfalls wurden sie auf Pferdegespanne oder die Eisenbahn verladen.

Vom Eisgalgen direkt in den Eiskeller, damit dass Bier bis in den Sommer kühl blieb.
Bild: Bayerischer Brauerbund

Vom "Eisgalgen" direkt in den Keller

Findige Brauer, die der mühsamen Beschaffung von Eis überdrüssig waren, entwickelteneine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode, um direkt über ihren Lagerkellern Eis selbst zu produzieren. Sie bauten sogenannte "Eisgalgen": etwa fünf Meter hohe und acht bis zehn Meter lange Holzgerüste, auf die Holzstämme gelegt werden. Sank die Temperatur auf mindestens drei Grad unter Null, wurden die Baumstämme über Wasserleitungen berieselt. An dem Stämmen bildeten sich dann stetig wachsende Eiszapfen, die bei anhaltend kaltem Wetter über drei Meter lang wurden. Meist stand der Eisgalgen direkt über den unterirdischen Lagerräumen. Hingen dicke Zapfen dicht an dicht an den Stämmen, schlugen die Brauereimitarbeiter sie mit einer Axt ab. Die Eiszapfen fielen dann durch eine Luke direkt in den Keller. Einige bayerische Traditionsbrauereien nutzen ihre Eisgalgen bis heute. Im Gegensatz zu ihren Kollegen im 19. Jahrhundert können sie freilich auf Kältemaschinen zurückgreifen, wenn die Eisvorräte - im wahrsten Sinne des Wortes - allzu rasch schmelzen.


Riesige Eisberge unter der Erde

Die großen, unterirdischen Räume der Eiskeller ähnelten riesigen Kaminen. Sie fassten bis zu 150 Kubikmeter Eis. Dies entspricht etwa der Menge von drei bis vier vollen Eisgalgen. Damit das Eis nicht zu schnell schmolz, deckte man, wenn die "Ernte" der Eiszapfen abgeschlossen war, die Luke des Eiskellers mit reichlich Erde ab. Der Eiskeller war mit dem Bierlager durch große Öffnungen verbunden. So verbreitete sich die Kälte und sorgte dafür, dass das Bier winters wie sommers bei gleichbleibender Temperatur kühl gehalten wurde. Begannen nach einiger Zeit die Zapfen zu schmelzen, floss das Wasser durch das poröse Gestein des Kelleruntergrundes einfach ins Grundwasser ab.

Könnte im bayerischen Wappen abgebildet sein: Prächtiges Brauereigespann.
Bild: Bayerischer Brauerbund

Unabhängig vom Wetter - dank der Kältemaschine

Unmengen von Eis in die Brauereien zu schaffen, war eine mühsame, zeitaufwendige Arbeit. Und: Nach einem milden Winter reichten die Eisvorräte eben nicht aus, das Bier bis zum Sommer zu kühlen. Daher waren Brauer in aller Welt höchst interessiert, als sich vor rund 130 Jahren herumsprach, dass der Münchner Professor Carl von Linde Experimente zur Erzeugung künstlicher Kälte durchführte. Eine Münchner Brauerei stellte dem Forscher Räume zur Verfügung und finanzierte seine Versuchsprojekte. Die Investition lohnte sich: 1873 lieferte von Linde die erste Kältemaschine.
Im Laufe von Jahren und Jahrzehnten wurde die Kältetechnik immer weiter entwickelt und optimiert - über die Einführung von Thermostaten und Transistoren bis hin zur Steuerung durch hochmoderne Computeranlagen. Heute wirken die traditionsreiche bayerische Braukunst und neueste technische Innovationen ideal zusammen. So bestimmt allein der persönliche Geschmack, wann und zu welchem Anlass Biergenießer eine ober- oder untergärige Spezialität aus der großen bayerischen Biervielfalt bestellen!

 



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