 - Spezielles Licht erfüllt die Streuobstwiesen, die der Kelterei van Nahmen zum Teil seltene und historische Obstsorten liefern.
Fotos: van Nahmen
 - Rainer und Sohn Peter van Nahmen beweisen, was im Obst seckt.
Es war eigentlich kein Apfel, den Paris für seine Schönheitsentscheidung zwischen Hera, Athene und Aphrodite heranzog. Lediglich ein Verwandter, ein Bruder oder Vetter des Apfels, die alle zusammen zur Rosenfamilie gehören. Paris wählte die Apfel- oder Birnenquitte, die aus Transkaukasien stammte und von den Griechen nach Kydon auf Kreta gebracht worden war. Fortan nannten sie die Quitte den ,,kydonischen Apfel“, der längst über Griechenland hinaus auch in den historischen Bauerngärten unserer Breiten bekannt und beliebt war. Die Apfelquitte lässt sich roh nicht verzehren, weil sie nicht schmeckt. Wird sie versaftet oder gekocht, setzt sie einen wundervollen, unvergleichlichen Duft frei. In der Privatkelterei van Nahmen am Niederrhein wird die Konstantinopeler Apfelquitte zusammen mit einzelnen Portugieser Birnenquitten zu Direktsaft verarbeitet und auf Flaschen gezogen, um auf von feinen Aromen verwöhnten Zungen ein Geschmacksfeuerwerk zu entzünden. So bekommt sie die Aufmerksamkeit von Meisterhand, die ihr in vielen privaten Gärten verwehrt bleibt. Doch nicht nur aus seltenen Vertretern wie der Quitte, sondern aus ganz ,,normalen“ Apfelsorten gewinnen die van Nahmens geschmacksintensive Säfte.
 - In edlen Bordeauxflaschen präsentiert die Kelterei vom Niederrhein ihre Gourmetlinie.
Rainer van Nahmen und Sohn Peter aus dem kleinen Städtchen Hamminkeln am Niederrhein sind dem großen, dem natürlichen Geschmack des Obstes auf der Spur. Ihre Edellinie ,,Gourmet“ punktet in Sternerestaurants, im Berliner Sitz des Bundespräsidenten und bei Menschen, die es sich gern gut schmecken lassen. Wer sind die Saftmacher? Nachfahren einer Familie mit langer Tradition in der Verarbeitung von Obst. Als ,,Rheinische Apfelkrautfabrik“ gegründet begannen sie 1934 mit der Herstellung von Obstsäften. In den Anfängen betätigten sich die van Nahmens als Lohnmoster, wahrscheinlich der Beginn einer innigen Verbindung zu den Obstbauern am Niederrhein und im benachbarten Münsterland.
 - Ankunft der Äpfel von den Streuobstwiesen auf dem Hof der Kelterei. Fehlerhaftes wird aussortiert.
Die Obstwiese, der ,,Appelhof“, liegt im Sterben, denn die Pflege einer Streuobstwiese frisst Zeit. Wer das Glück hat, eine alte Streuobstwiese sein eigen zu nennen, die zudem im Einzugsbereich der Privatkelterei van Nahmen liegt, tut mit der Erhaltung etwas für den Naturschutz und den Geschmack. Gemeinsam mit dem NABU (Naturschutzbund Deutschland) setzten sich die Kelterer für den Schutz und die Erhaltung von Streuobstwiesen ein. Besondere Anbau- und Lieferverträge sichern den Obstbauern einen höheren Preis als den üblichen Marktpreis. Die Obstbauern wiederum verpflichten sich, nur reifes und ungespritztes Hochstamm-Obst auf dem Hof der Kelterei van Nahmen abzuliefern. Die Kelterei verzeichnet auf ihren Flaschen die Herkunft des Saftes. Die Verträge geben den Obsthofbesitzern Anreiz und bringen den van Nahmens ,,Schätze“ auf den Hof: Sternrenette, Roter Bellefleur, Goldparmäne, Ananasrenette, Schafsnase, Schöner von Nordhausen, Winterrambour, Kaiser Wilhelm, Gravensteiner, Schöne von Boskop. Alte Apfelsorten mit eigenständigen vollen Aromen. Nicht nur seltene, auch normale Sorten haben in Hamminkeln eine Chance. Sie werden nach handwerklicher Mostertradition gekeltert und die hauseigenen Maßstäbe liegen alle über den gesetzlichen Anforderungen. Von Bedeutung für aromatische Säfte ist der Erntezeitpunkt, denn nur richtig ausgereift, ergibt sich im Produkt ein ideales Verhältnis von natürlichem Fruchtzucker und Fruchtsäure. Rainer und Peter van Nahmen machen scheinbar alles richtig: 2010 zeichnete die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) 19 Obstsäfte der Niederrheiner aus.
 - van Nahmens Obstsäfte helfen, wertvollen Lebensraum zu erhalten. Streuobstwiesen beherberge eine Menge seltener Tier- und Pflanzenarten.
Die ,,Gourmet-Reihe“ in edlen Bordeaux-Flaschen führt Nachweise über die Herkunft des Obstes auf den Etiketten. Da erfährt man zum Beispiel, dass die ,,Konstantinopeler Apfelquitte“ vornehmlich von 60 Jahre alten Bäumen am Niederrhein und im Münsterland stammt und das Morellenfeuer, eine Kreuzung der Sorten ,,Früheste der Mark“ und ,,Ostheimer Weichsel“, vom Obstgut Danwirtz in Mönchengladbach. Dieser Gourmetsaft erinnerte mich an eigene Kirschen auf einem Obsthof hinter meinem Haus, die als ,,Sauerkirschen“ firmierten, deren Geschmack aber eine solch gelungene Kombination aus Süße und einer Spur Säuernis offenbarten, das ich ihn nie vergessen werde. Van Nahmens ,,Morellenfeuer“ bewahrt diese Erinnerung.
 - Saft der Apfelquitte von 60 Jahre alten Bäumen vom Niederrhein.
Die alten Apfelsorten, die in Hamminkeln auf Flaschen gezogen werden, sind Gourmetdokumente. Der Rheinische Winterrambour wird bereits 1654 beschrieben. Er erfreut sich bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrunderts einer weiten Verbreitung als Marktsorte. Der Winterrambour bildet große Früchte aus und ist sehr ertragreich. Von der Roten Sternrenette, die erstmals 1830 in Maastricht beschrieben wird, träumen wir Weihnachten. Sie ist der klassische Weihnachtsapfel. Ihrer Pflückreife liegt Anfang Oktober. Himbeerote Äpfel liefern cremeweißes mit Rosa durchzogenes Fruchtfleisch. Der reine Saft von der Roten Sternrenette kommt einer Offenbarung gleich. Aber auch die typischen Supermarktsorten, wie Jonagold, entwickeln ein intensives Geschmackserlebnis, wenn man sie lang genug am Baum belässt. Sagt Rainer van Nahmen und der kennt sich mit Äpfeln aus. Wer meint, Obstsäfte zu kennen, der sollte mal van Nahmens probieren. So schnell vergisst man den Geschmack nicht. Harald Polenz Infos: http://www.vanNahmen.de
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